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Immer mehr Länder in Europa machen ihre Bürger für mögliche russische Attacken bereit. In diesem Zusammenhang wird auch das altbewährte Bargeld thematisiert.

München – Das Bargeld scheint wieder mehr wert zu werden. Die Bedrohung durch Russland, wird vor allem in Form des Ukraine-Kriegs deutlich sichtbarer, könnte aber noch weit darüber hinausreichen. Denn auch Cyber-Attacken der jüngeren Vergangenheit werden Moskau zugeschrieben. Hinzu kommen Vorwürfe, das Land habe sich in ausländische Wahlen eingemischt.

Diese neue Lage ist Anlass dafür, mancherorts die Uhren zurückzudrehen. Und den Bürgern zu empfehlen, wieder mehr Scheine und Münzen zu Hause zu sammeln, anstatt diese auf Konten anzulegen. Denn dort sind sie womöglich unerreichbar.

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Fotostrecke ansehenRussland und das Zahlungssystem: Europäische Länder raten wieder zum Bargeld zu Hause

In Schweden wurden im November Broschüren an die Haushalte ausgegeben, die über das korrekte Verhalten „Im Fall von Krisen und Kriegen“ informierten. Darunter fand sich auch der Tipp, „genügend Bargeld für mindestens eine Woche, vorzugsweise in verschiedenen Stückelungen“ parat zu haben. Auch im Falle einer Evakuierung solle genug Bargeld mitgenommen werden.

Die norwegische Regierung hielt schon im Frühjahr in einer Mitteilung fest: „Sich ausschließlich auf digitale Zahlungslösungen zu verlassen, erhöht die Verwundbarkeit der Gesellschaft und kann in bestimmten Situationen zur Störung wichtiger gesellschaftlicher Funktionen beitragen.“ So könnten „länger andauernde Stromausfälle, Systemausfälle oder digitale Angriffe auf Zahlungssysteme und Banken“ den Ausfall der digitalen Zahlungslösungen zur Folge haben.

Deswegen müssen einem Gesetz zufolge Konsumenten in Norwegen mit Bargeld zahlen dürfen, etwa im Einzelhandel oder bei Dienstleistern wie Kinos, Restaurants oder Hotels. Die Obergrenze wurde auf 20.000 Norwegische Kronen festgelegt – umgerechnet rund 1700 Euro.

Geldscheine und Computertastatur

Sicher ist sicher: Das heimische Bargeld ist vor Cyber-Attacken geschützt. © IMAGO / Guido Schiefer, IMAGO / Christian Ohde
Angriff von Russland? Niederländer sollen Bargeld zu Hause lagern

Nun empfiehlt der niederländische Bankenverband (NVB) ebenfalls, Bargeld zu Hause zu lagern. Wie ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur ANP erklärte, hänge dies mit geopolitischen Bedrohungen zusammen. Es ist das erste Mal, dass die Banken einen solchen Ratschlag erteilen. Zuletzt drohte Putin erst auf seiner jährlichen Pressekonferenz, als er ein kurioses „Raketen-Rennen“ vorschlug.

Verteidigungsminister Ruben Brekelmans sagte derweil dem niederländischen Rundfunk WNL, die Gesellschaft müsse sich auf alle möglichen Kriegsszenarien vorbereiten. „Wenn Russland uns angreifen will, werden sie unser Stromnetz oder unsere Wasserversorgung angreifen“, betonte der 38-Jährige von der Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD).

Zwar sollte niemand in Panik geraten, es sei jedoch möglich, dass Internet, Strom und Wasser ausfallen könnten. Zudem müssten sich die Niederländer darauf gefasst machen, „dass der Zahlungsverkehr eine Zeit lang nicht funktionieren wird. Deshalb sollte man immer etwas Bargeld zu Hause haben.“

Wladimir Putin lacht und defekter Geldautomat

Im Visier von Wladimir Putin? Geldautomaten sind durchaus verwundbar und könnten den Dienst versagen. © IMAGO / SNA, IMAGO / Marc Stinger
Deutschland und das Bargeld: Laut Studie haben Bürger im Schnitt 1364 Euro an Bargeld

Für Deutschland sind noch keine gesonderten Ratschläge bekannt. Der „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) enthält lediglich den Hinweis, „eine ausreichende Bargeldreserve im Haus zu haben, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren“.

Einer repräsentativen Haushaltsbefragung aus dem Jahr 2018 zufolge, die von der Deutschen Bundesbank zitiert wurde, bewahrten Privatpersonen in Deutschland damals durchschnittlich 1364 Euro zu Hause oder in einem Bankschließfach auf. Im Geldbeutel lagen demnach im Schnitt 107 Euro.

Allerdings wurde eine äußerst ungleiche Verteilung der Beträge in der Bevölkerung festgestellt. Vorne dabei waren Ältere, Besserverdienende und Selbständige. Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Staaten gilt das Bargeld in der Bundesrepublik noch immer als heilig, auch wenn der Trend durchaus in die andere Richtung geht. (mg)