Typ-2-Diabetes (T2D) betrifft weltweit Millionen Menschen – oft, ohne dass sie es wissen. Schätzungsweise 400 Millionen Fälle bleiben unentdeckt. Dies ist ein ernstes Problem, weil eine späte Diagnose schwere gesundheitliche Folgen haben kann, wie Herzkrankheiten oder Nervenschäden. Dadurch steigen nicht nur die Behandlungskosten, sondern auch das Sterberisiko.

Die bisherigen Tests zur Früherkennung sind allerdings teuer und in Regionen mit begrenzten Ressourcen schwer durchführbar. Ein Forschungsteam des Luxembourg Institute of Health (LIH) hat nun eine innovative Lösung entwickelt: Sie analysieren die Stimme der Betroffenen, um Hinweise auf Diabetes zu finden.

Wie funktioniert die Methode?

Unter der Leitung von Abir Elbeji und Dr. Guy Fagherazzi identifizierten die Wissenschaftler mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) sogenannte stimmliche Biomarker. Dabei handelt es sich um winzige Veränderungen in der Stimme, die auf Typ-2-Diabetes hinweisen können. Ziel ist es, eine einfache, schnelle und günstige Diagnose per Stimmaufnahme zu ermöglichen.

Die Möglichkeit könnte den Zugang zur Gesundheitsversorgung für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt drastisch verbessern.

Dr. Guy Fagherazzi

LIH

Die Ergebnisse ihrer Studie, die am 19. Dezember in der Fachzeitschrift „PLOS Digital Health“ veröffentlicht wurde, seien vielversprechend. Sie basiert auf Sprachaufnahmen von über 600 Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus den USA. Mit speziell entwickelten KI-Algorithmen erreichten die Forscher laut eigenen Angaben eine Genauigkeit, die mit etablierten Risikobewertungen der American Diabetes Association vergleichbar ist.

Dr. Guy Fagherazzi leitet am Luxembourg Institute of Health die Abteilung Precision Health.  Foto: LIH

„Diese Forschung stellt einen wichtigen Schritt in der Diabetesversorgung dar. Durch die Kombination von künstlicher Intelligenz mit digitaler Phänotypisierung leiten wir einen umfassenderen und kostengünstigeren Ansatz für die Frühdiagnose und Prävention ein. Die Möglichkeit, mit einer einfachen Sprachaufzeichnung auf Diabetes zu testen, könnte den Zugang zur Gesundheitsversorgung für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt drastisch verbessern“, sagt Dr. Guy Fagherazzi.

Besonders effektiv bei bestimmten Gruppen

Die neue Methode zeige eine besonders hohe Erfolgsquote bei Frauen über 60 Jahren und Menschen mit Bluthochdruck. Das mache sie besonders wertvoll für diese Risikogruppen, die oft schwerer zu diagnostizieren sind. Im nächsten Schritt planen die Forschenden, die Erkennung weiter zu verfeinern und auf andere Sprachen und Bevölkerungsgruppen auszuweiten.

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Die neue Methode könne den Zugang zu Gesundheitsuntersuchungen revolutionieren. Sie sei nicht invasiv, kostengünstig und leicht skalierbar. Menschen könnten künftig einfach eine kurze Sprachprobe abgeben, um schnell Klarheit über ihr Diabetes-Risiko zu erhalten.