
Klagen über Diskriminierung von gesetzlich Versicherten. Auf einen Facharzttermin müssen gesetzlich Versicherte deutlich länger als Privatpatienten warten. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen fordert nun ein Ende der Diskriminierung – und hat eine konkrete Idee.
by bedbooster
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“Wenn sie auf ein Buchungsportal gehen und als gesetzlich Versicherte einen Facharzttermin suchen, bekommen sie einen in sechs Wochen oder noch später angeboten. Klicken sie dagegen “Privatpatient” an, klappt es schon am nächsten Tag.” Weiter betonte sie: “Die Diskriminierung der gesetzlich Versicherten gegenüber Privatpatienten bei der Terminvergabe werden wir nicht länger hinnehmen.”
Stoff-Ahnis sagte, 90 Prozent der Menschen in Deutschland seien gesetzlich versichert. “Da ist es mehr als gerechtfertigt, dass es künftig bei der Terminvergabe zu 100 Prozent um die medizinische Notwendigkeit geht und nicht darum, ob jemand GKV- oder PKV-versichert ist.”
Sie forderte zudem bei der Terminvergabe eine gesetzliche Verpflichtung für alle Arztpraxen, freie Termine tagesaktuell einem Onlineportal zur Verfügung zu stellen, auf das die gesetzlichen Kassen und die Kassenärztlichen Vereinigungen zugreifen können.”
Bin ich absolut dafür, es ist einfach soo nervig keinen Termin zu bekommen, wenn es ganz offensichtlich mehr als genug freie zu geben scheint.
Stellt man ein solches System zur Terminvergabe dann auch zur Verfügung? Ja, oder? Oder?
Am Ende ist das wieder ein riesen Mehraufwand für die MTAs (von denen es ja eh zu viele gibt…) und ein Kostenpunkt für Infrastruktur, Lizenzgebühren und Arbeitszeit. Genau das gleiche Spiel wie beim E-Rezept. Es wird einfach nur ein weiterer Anreiz geschaffen als Arzt keine Praxis zu eröffnen. Man schreibt dem ambulanten Bereich immer mehr Regeln vor und unterstützt überhaupt nicht bei der Umsetzung und wundert sich anschließend warum die Arztdichte ständig abnimmt und keiner mehr Allgemeinmediziner werden will
Wenn man das so liesst (und viele andere) könnte man denken, dass unsere Ärzte alle Arschlöcher sind, denen es nur um die nächste Villa oder das nächste Boot geht, und die deshalb gesetzlich versicherte leiden lassen.
Kommentare wie dieser sind normalerweise nach Minuten im Downvote-Loch, aber ich versuche es mal zu erklären.
2000 hat ein gewisser Karl Lauterbach ein Buch veröffentlicht, das sich mit einer Idee aus Yale aus den 70ern beschäftigt, nämlich “[DRG-Fallpauschalen: eine Einführung](https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/titel=DRG-Fallpauschalen%3A+eine+Einf%C3%BChrung?zid=ekhhf2vstoknm6nhqq01cqafvm)”. Witzigerweise war das auch das Jahr, in dem Australien und die Staaten der USA, die eine Fallpauschale hatten, diese wieder ausführten, nachdem sie zu (noch) schlimmeren Zuständen als denen in den USA heute geführt hatte.
In DE sieht es heute so aus, dass jeder “Fall” aus mehreren Fällen besteht (“Diagnose, grundlegend”, “Diagnose, spezifisch”, “Diagnose, bildgebend”, “Verschreibung, Medikament”, etc.) und dieser dann nach diesen Leistungsnummern von Ärzten bei den Kassen abgerechnet werden kann. Das wäre ja eigentlich keine schlechte Idee, zudem jeder “Fall” Punkte hat, welche einen bestimmten Geldwert haben. Das wurde so gemacht, damit die Preise für jeden Fall nicht jedes Jahr angepasst werden müssen, sondern einfach nur der Geldwert eines Punktes an die Inflation angepasst werden muss.
So weit, so gut/schlecht.
Jetzt sind es aber die gesetzlichen KK, welche neben den Punkten auch eine Punktedeckelung eingeführt haben. Pro Abrechnungszeitraum (in Praxen normalerweise pro Monat), werden nur eine Maximalzahl an Punkten pro Abrechnungsindexnummer vergütet. Wenn ein Arzt zum Beispiel sein Pensum an Blutabnahmen für den Monat ausgeschöpft hat, dann gibt es nur noch die 11,48€ für die “Beratung, Allgemein” pro Patient.
Das bezahlt nicht einmal die beiden MTA, die vorne die Patienten abarbeiten.
In einer gerade ganz aktuellen Situation wird das noch schlimmer: wenn Arzt A die Weihnachtsvertretung für Arzt B übernimmt, übernimmt A auch die Restpauschale von B.
Neben meinem Job im KH arbeite ich auch als angestellter Arzt in einer Praxis. Dort sind wir nicht nur für die Vertretung eines weiteren Endokrinologen/Diabetologen in der Umgebung zuständig, sondern auch für die Patienten eines dritten Arztes, der zum Jahresende ausscheiden wird. Dessen Pauschale bekommen wir übrigens nicht, wir müssen also das Erstgespräch auf unsere Kosten führen.
Und es sind wirklich unsere Kosten, weil Kassenpunkte bei gut besuchten Praxen, besonders im Juli/August und Dezember (Urlaubsvertretungen) schon Mitte des Monats weg sind. Ab dem 15. (oder dem 22. in anderen Monaten) kostet uns jeder Patient Geld. Mitarbeiter, Materialien (Desinfektion, Druckerpapier, etc.), etc. und dann halt nur wenige Punkte, egal wie krank oder wichtig der Fall ist.
Der “Retter” in diesen Fällen sind die Privatversicherten. Private, anders als gesetzliche, zahlen immer. Egal wie viele Punkte man schon verbraucht hat. Sie zahlen auch zwischen 1.7 und 3.5 Mal höhere Punktvergütungen. Wenn ich z.B. einen Privatfall berate, also “Hallo, was bringt Sie heute hier her”, dann verdient die Praxis 20€ für die 15 Minuten, statt 12€. Verschreibungen, Diagnostik, Therapie, alles das bringt etwas mehr Geld rein, und ich muss mich am 22. nicht wundern, wie ich die letzte Woche des Monats noch das Geld für die MTA einbringe.
(Weiter im nächsten Kommentar)
bin jemand, der selbst von diesen System profitiert, sollte abgeschafft werden.
Und wenn wir dabei sind, warum gibt es mehr als eine GKV? Die haben alle ihre eigene Werbung etc etc, riesige Geldverschwendung, eine reicht.
Es gibt auch so viele nervige Kleinigkeiten, die Termine sinnlos aufbrauchen. Wir müssen aufgrund eines angeborenen Problems beim Kind alle 3 Monate in eine Klinik zur Kontrolle. Das wird auch nie wieder weg gehen. Um in die Klinik zu kommen, müssen wir uns aber jedes Mal eine Überweisung holen entweder beim Kinderarzt oder Facharzt. Wir brauchen also 4 Termine im Jahr für eine Überweisung, von der jeder weiß, dass wir sie brauchen, aber einfach ausstellen, ohne das Kind gesehen zu haben, geht natürlich auch nicht. Danach brauchen wir das passende Hilfsmittel, das die Klinik nicht ausstellen kann. Wir gehen also direkt nach dem Termin, 4 Mal im Jahr, wieder zum Facharzt/Kinderarzt für das Hilfsmittel, was von der Größe her passt. Ich finde das maximal ineffizient.
Einfach die PKV abschaffen und schon ist genug Geld da.
Meine Frau ist gesetzlich versichert. Sie bekommt auf jeden Fall nicht so schnell einen Termin wie ich. Gerade neulich wieder:
Ich: Brauche einen Termin
Arzthelferin: Oh, so kurz vor Weihnachten ist das aber schwierig. Name und Geburtsdatum?
Ich: <gebe meine Daten durch>
Arzthelferin: <sieht vermutlich, dass ich privat versichert bin> Es ist leider erst morgen um 9 Uhr etwas frei. Passt ihnen das?
Ich dachte, ich spinne. Gerecht ist das nicht.
Der Punkt ist doch, dass Spitzenverdiener und Beamte (die sehr oft auch sehr gut verdienen) nicht in die GKV einzahlen.
Da können die Ärzte richtigerweise zwar über Fallpauschalen oder Deckelungen jammern aber das ist momentan einfach das Maximum was die GKVs zahlen können.
Es ist längst überfällig, dass sich Beamte und Reiche am solidarischen Gesundheitssystem beteiligen.
Aber da scheint ja keine Regierung die Eier zu haben. Wie oft stand eine Bürgerversicherung schon auf dem Wahlprogramm?
Da lässt man lieber die bürgerliche Mitte höhere GKV Beiträge bezahlen um alle anderen mitzuziehen während die PKV Leute eine bessere medizinische Versorgung genießen bis sie mit diversen Tricks kurz vor der Altersgrenze in die GKV zurück wechseln.
Können wir dann bitte noch das Alter mit einbeziehen? Ob ein 80jähriger oder ein 20er schlafapnoe hat sind für mich zwei Paar Schuhe in Sachen Dringlichkeit
Das finde ich schon ein wenig gemein 🤬
Eigentlich geht es gar nicht, um faire Terminvergaben. Sondern, dass die GKV pleite ist und eine neue Geldquelle braucht.
Mit der PKV hat man immer einen gewissen Eigenanteil zu tragen. Daher überlegt man sich zweimal, ob man zum Arzt muss, wenn es nicht dringend ist.
Das Problem mit der Terminvergabe wäre am einfachsten zu lösen, indem wir endlich mehr Studienplätze in der Humanmedizin anbieten. Mehr Ärzte, mehr Kapazitäten, bessere Grundversorgung.
Wir haben genug junge Menschen, die Medizin studieren wollen, aber wer möchte schon 5 Jahre auf einen Platz warten. Die Leidtragenden sind halt die Patienten, indem sie langfristig mehr für weniger zahlen müssen.
Der Zusammenwurf von GKV und PKV wird auch nicht plötzlich mehr Ärzte herbei zaubern.
Indem wir die 1.Klasse im ICE abschaffen, wird der Zug auch nicht pünktlicher ankommen. Es ist ein systematisches Problem, kein moralisches.
Lösungsvorschlag:
1. Berechnen wieviel Leistungen eine Arztpraxis seitens der PKV und seitens der GKV verrechnen muss um zu überleben. Daraus eine neue einheitliche Gebührenordnung (weniger als PKV, mehr als GKV, die “Mitte” halt) erstellen.
2. Sämtliche PKVen abschaffen bzw auslaufen lassen (ab Datum x keine Neueintritte mehr). Dadurch müssen die Gesundheitsinteressen der Versicherten keine Gewinninteressen der Aktionäre bedienen.
3. Alle zahlen nun in ein System ein, egal ob gering oder gutverdiener, krank oder gesund, angestellter, selbständiger, Beamter, Privatier, Politiker.
4. PKVs dürfen dann Zusatzversicherungen für alles mögliche (Homöopathie, Einzelzimmer, Chefarztbehandlung usw) an GKV versicherte verkaufen.
Wie wäre es wenn wir die Krankenkassen ein wenig weiter fusionieren? Warum haben wir über 90 Krankenkassen mit wahnsinnigen Doppelstrukturen? Und weshalb lassen wir es zu, dass die Kassen hier der Ärzteschaft die Schuld für die Terminlage geben, wenn sie selbst es sind, die die Ärzte mit Kontingenten beschränken? Die Verwaltungsausgaben der Kassen übersteigen die Kosten des ambulanten Sektors (Arztpraxen, Physiotherapeuten, Apotheken, Pflegedienste) um ein vielfaches.
Vlt kontroverse Meinung:
Es gibt meiner Meinung nach nur eine Möglichkeit, dass Gesundheitssystem zu retten:
Es muss viel viel mehr Geld in Prävention und Bildung investiert werden. Stark ungesunde Lebensmittel und Zigaretten deutlich mehr besteuern (Preis verdoppeln), die zusätzlichen Steuern zur Abpufferung der aktuell steigenden Kosten investieren.
Ich bin PKV versichert, weil ich nicht den ungesunden Lifestyle des Durchschnittsbürgers mitfinanzieren will.
[https://www.vdek.com/presse/daten/d_versorgung_leistungsausgaben.html](https://www.vdek.com/presse/daten/d_versorgung_leistungsausgaben.html) , siehe GKV Leistungsausgaben
In Prävention wird nichts investiert, stattdessen behandeln wir den Diabetes Typ II, Herzinfarkt, Gefäßerkrankung, orthopädische Probleme (hallo Adipositas und Bewegungsmangel) im Krankenhaus.
Ich sage nicht, wir sollen diese Patienten nicht behandeln. Wir müssen etwas am System ändern. Bevor sich was ändert, muss das System zusammenbrechen und je schneller das passiert, desto besser.
Wir haben 4 Milliarden für Prävention ausgegeben. Allein mit Ozempic (Abnehmspritze) hat die Pharma , ca, 20Mrd Euro Umsatz gemacht.
Leute werden nicht drumherum kommen, gesünder zu Leben und ihren Lifestyle zu ändern.
In Zukunft wird es also so ablaufen:
“Ach sie hatten einen Termin um 12 Uhr und warten schon seit drei Stunden? Tja Herr/Frau Soundso, da sind einige Notfälle dazwischengekommen. Dass die alle Privatpatienten sind, ist nur Zufall.”
Solange es Privatpatienten gibt und die Praxis dadurch mehr verdient, werden sie auch weiterhin bevorzugt.
Wenn wir schon beim Klagen sind… was können wir eigentlich gegen die ausufernden Erhöhungen des Zusatzbeitrags tun? Die Gründe dafür sind ja soweit ich verstanden habe dass der Bund sich aus der Verantwortung gezogen hat bei Flüchtlingskosten und Krankenhaus Reform. Das da nicht mehr Menschen auf die Barrikaden gehen versteh ich einfach nicht.
Ich bin in der PKV und bekomme keine schnelleren Termine. Bei der Terminvergabe werde ich auch nicht gefragt, wie ich versichert bin. Erst nach der Terminvergabe werde ich nach meiner KK gefragt.
Private Krankenversicherung auflösen, alle in einen Topf zahlen!
Da freut man sich doch echt besonders, wenn man freiwillig Krankenversichert ist, obwohl die Privatversicherung letztlich sogar günstiger wäre….
Irgendwann kriegen wir halt dann auch amerikanische Verhältnisse, wenn alle ib Richtung Privatersicherung flüchten und das gesetzliche System kollabieren sollte
Die Gemeinschaft zahlt die Ausbildung (ein Medizinstudium kostet ca. 200k) und versorgt werden bevorzugt die, die im Vergleich eh schon viel zu wenig Steuern zahlen.
Gewinne privatisieren, Kosten vergemeinschaftlichen.
Man merkt es auch ganz krass bei Therapieplätzen. Ich warte und suche seit mittlerweile 4 Jahren nach bzw auf einen Platz, während jemand aus der Familie, der privatversichert, ist binnen weniger Wochen einen Platz bekommen hat.
Fühlt sich beschissen und hoffnungslos an, vor allem, weil diese Person sich auch gar nicht über ihren Vorteil bewusst ist und ich mir permanent anhören muss, dass ich mich nur nicht richtig angestrengt habe.
Dreckssystem.
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