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Benjamin Netanjahu wird seit langem für seine brutalen Angriffe auf Gaza kritisiert. Nun schlägt die Weltgesundheitsorganisation Alarm.

Beit Lahia – Nach einem israelischen Angriff auf ein Krankenhaus Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen am 27. Dezember beschuldigt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Armee, das Gesundheitssystem in dem abgeriegelten Küstengebiet systematisch zu zerlegen. Israel im Krieg besiegele damit ein Todesurteil für Zehntausende Menschen, schrieb die UN-Organisation auf X. 

60 Helfende und 25 Patienten befänden sich weiterhin in dem Gebäude der Kamal-Adwan-Klinik. Darunter auch solche an Beatmungsgeräten. Diejenigen in mittelschwerem bis schwerem Zustand hätten in ein nahegelegenes Krankenhaus evakuiert werden müssen, das selbst nicht mehr funktionsfähig sei. Die WHO äußerte sich zudem besorgt um die allgemeine Gesundheitsversorgung in Gaza.

„Gesundheitsversorgung muss geschützt werden“ fordert die WHO von Israel im Krieg

Aus medizinischen Kreisen im Gazastreifen hieß es, es habe mehrere Verletzte bei dem Einsatz gegeben. Genauere Angaben über die Opfer des Angriffs gibt es bisher nicht. Laut Al Jazeera befanden sich etwa 350 Menschen im Krankenhaus, darunter 75 Patienten und 180 medizinische Mitarbeitende in dem Gebäude. Das Krankenhaus sei durch die israelische Armee außer Betrieb gesetzt worden. „Erste Berichte deuten darauf hin, dass einige wichtige Abteilungen bei dem Einsatz stark verbrannt und zerstört wurden“, schrieb die WHO. Dieser Überfall auf das Kamal Adwan-Krankenhaus erfolge zu einem Zeitpunkt, an dem der Zugang für die WHO und ihre Partner ohnehin bereits eingeschränkt sei.

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Seit Anfang Oktober werde die Einrichtung und ihre Umgebung bereits von israelischen Soldaten terrorisiert. Solche Feindseligkeiten und Überfälle würden alle Bemühung und Unterstützung humanitärer Hilfe zunichtemachen. Die letzte größere Gesundheitseinrichtung im Norden Gazas hätte zumindest in einem Mindestmaß funktionsfähig gehalten werden müssen, kritisiert die WHO. „Dieser Horror muss ein Ende haben und die Gesundheitsversorgung muss geschützt werden“, forderte die WHO auf X.

Klinikleiter bei israelischem Angriff auf Krankenhaus in Gaza festgenommen

Bei dem Einsatz der israelischen Armee in der Kamal-Adwan-Klinik ist palästinensischen Angaben zufolge zudem der Leiter des Krankenhauses festgenommen worden. „Die Besatzungstruppen haben Dutzende medizinische Mitarbeiter des Kamal-Adwan-Krankenhauses zum Verhör in ein Haftzentrum gebracht, darunter auch den Direktor Hossam Abu Safijeh“, erklärte das von der radikalislamischen Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium am Samstag. Auch die Zivilschutzbehörde im Gazastreifen teilte mit, dass Abu Safijeh festgenommen worden sei. Von israelischer Seite gab es dafür keine Bestätigung.

Angehörige in Gaza trauern um die Opfer eines israelischen Angriffs.

Angehörige in Gaza trauern um die Opfer eines israelischen Angriffs. © IMAGO/Omar Ashtawy \ apaimages

Der Direktor des Krankenhauses hatte nach Information von Al Jazeera in den vergangenen Tagen mehrfach seine Besorgnis über die Lage des Krankenhauses geäußert. „Die Welt muss verstehen, dass unser Krankenhaus mit der Absicht angegriffen wird, die Menschen darin zu töten und gewaltsam zu vertreiben“, sagte Abu Safia am 23. Dezember in einer Erklärung.

Die israelische Armee äußerte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur afp nicht zu dem Vorfall. Sie hatte am Freitag erklärt, einen Einsatz gegen Hamas-Kämpfer im Gebiet der Kamal-Adwan-Klinik eingeleitet zu haben und angegeben, die Einrichtung sei eine „zentrale Hochburg für terroristische Organisationen“. Die Hamas bestritt die Präsenz ihrer Kämpfer in der Klinik und warf Israel vor, die Einrichtung gestürmt zu haben. (lm/dpa/afp)