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Irre Weihnachtspropaganda aus Putins Russland: Eine Rakete holt den Weihnachtsmann vom Himmel. Das Video erscheint zu einem fragwürdigen Zeitpunkt.
Moskau – Wladimir Putin ist sich während der Ukraine-Krieg tobt wirklich für kaum eine Form der Propaganda zu schade. Das bewies der Kreml-Machthaber erst kürzlich wieder auf seiner Jahrespressekonferenz, auf der er Fragen aus dem Volk oder von Journalisten medienwirksam beantwortete. Natürlich nutzte er die Bühne, um sich und sein Land vor allem wirtschaftlich in besonderem Glanz dastehen zu lassen. Nun, zwischen Weihnachten und Neujahr, legt Russlands Propaganda-Apparat neue, skurrile Szenen nach. Im Mittelpunkt: Der Weihnachtsmann.
Das russische Propaganda-Video verbreitet sich aktuell schnell im Netz. Mehrere prorussische Telegram-Kanäle, darunter zum Beispiel der Kanal Ostorozhno Novosti mit mehr als 1,6 Millionen Followern, teilten den 56-sekündigen Clip. Zu sehen ist zunächst eine, wie ein Weihnachtsmarkt wirkende, russische Winterlandschaft, alles glitzert und erstrahlt, im Hintergrund spielen Glocken „We wish you a merry Christmas“. Dann wird es bizarr.
Putins irres Propaganda-Video: Russland schießt den Nato-Weihnachtsmann vom Himmel
Plötzlich wird der Weihnachtsmann ganz in Rot auf seinem Rentier-Schlitten gezeigt. Er hält eine Getränkedose in der Hand, möglicherweise eine Anspielung auf den West-Großkonzern Coca-Cola. „Russen, hier sind eure Geschenke“, ruft er. Im Hintergrund sind im Schlitten zahlreiche Raketen zu sehen, teils mit Nato-Logo versehen. Als er gerade „Frohes neues Jahr“ ruft, werden seine Augen plötzlich groß, dann ruft er „holy sh*t“ und eine Rakete schlägt in den Schlitten ein.

Irre Propaganda-Szenen aus Putins Russland: Im Video wird der Weihnachtsmann mit einer Rakete abgeschossen. © Screenshot Telegram
Während der Schlitten des Weihnachtsmannes wie Silvesterraketen explodiert, wird ein russischer Soldat in einem Kontrollraum gezeigt. Neben ihm sitzt eine Person in einer Verkleidung des Ded Moroz, zu Deutsch Väterchen Frost. Diese Figur aus der russischen Mythologie beschenkt russische Kinder in der Neujahrsnacht und soll die Personifizierung des Winters darstellen. „War‘s das?“, fragt Väterchen Frost nach dem Raketeneinschlag. Der russische Soldat entgegnet ihm ein „das war‘s. Das Ziel ist zerstört“. Väterchen Frost äußert noch ein „wir brauchen nichts Ausländisches an unseren Himmel“, bevor beide sich ein frohes neues Jahr wünschen.
Weihnachtsmann von Rakete getroffen: Putins Propaganda-Video kommt zu fragwürdigem Zeitpunkt
Der Clip, der sich aktuell verbreitet, kommt allerdings zu einem denkbar schwierigen Zeitpunkt. Erst am 25. Dezember stürzte in Kasachstan eine Passagiermaschine ab, 38 Menschen kamen dabei ums Leben. Bei der Absturzursache wird mittlerweile auch Einwirkung von Außen stark in Betracht gezogen. Der brisante Verdacht: Es könnte möglich sein, dass Russland die Schuld an dem Absturz des Flugzeuges trägt, da man die Passagiermaschine fälschlicherweise als eine ukrainische Drohne oder ähnliches identifiziert haben könnte.
Demnach steht auch der Verdacht im Raum, dass eventuell Teile einer russischen Flugabwehrrakete das Flugzeug getroffen und zum Absturz gebracht hätten. Bestätigt ist dies nicht. Aus Russland selber hieß es lediglich, dass das Flugzeug, das auf dem Weg nach Russland war, wegen ukrainischer Drohnen dort nicht landen konnte. „Die Situation an diesem Tag und während dieser Stunden im Bereich des Flughafens von Grosny war sehr kompliziert“, sagte der Chef der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija, Dmitri Jadrow. „Ukrainische Kampfdrohnen führten zu diesem Zeitpunkt terroristische Angriffe auf die zivile Infrastruktur in den Gebieten Grosny und Wladikawkas.“
Unfälle, Bomben, Abschüsse: 25 bekannte Flugzeugabstürze der Geschichte

Fotostrecke ansehenPutins Propaganda-Video nach Flugzeugabsturz in Kasachstan: Russland im Verdacht
Die vorliegenden Bilder und Daten sprechen nach Ansicht eines Experten sehr für einen Abschuss durch die Flugabwehr. Offensichtlich hätten Geschosse in Form würfelförmiger Schrapnelle das Flugzeug durchlöchert, sagte Oberst Markus Reisner, Ukraine-Experte des österreichischen Bundesheers, im ORF-Radio.
Dass aus Putins Reich, das derzeit so stark mit dem Absturz-Drama in Verbindung gebracht wird, nun ein derartiges Propaganda-Video samt Abschuss des Weihnachtsmanns am Nachthimmel auftaucht, halten jedenfalls zahlreiche User im Netz für ziemlich geschmacklos. Derweil überlebten auch einige Personen das Flugzeug-Drama in Kasachstan. Augenzeugen schildern die Schock-Momente aus der Maschine. (han)