Tauberbischofsheim. Die Gesellschaft für Sicherheitspolitik Sektion Taubertal und die Europa-Union Main-Tauber/Hohenlohe hätten kaum einen besseren Zeitpunkt für ihre gemeinsame Veranstaltung zu den transatlantischen Beziehungen finden können.

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Nur einen Monat nach den richtungsweisenden US-Präsidentschaftswahlen konnten Daniela Ahrens-Wimmer und Ulrich Derpa rund 70 Gäste im Gründerzentrum Tauberbischofsheim willkommen heießen. Referent war Professor Dr. Philipp Gassert, Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim.

Der gebürtige Wertheimer blickte in seinem Vortrag „Deutschland, Europa, Amerika: Halten die transatlantischen Brücken?“ auf die Ära des Kalten Krieges und die Zeit seither zurück. Dabei verdeutlichte er, wie eng die Region Main-Tauber durch die Ankunft der amerikanischen Soldaten in Bad-Mergentheim und Wertheim und die Kasernenstandorte mit den USA verbunden war.

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Die Politik der USA zielte auf eine doppelte Eindämmung: „Keep the Russians out, the Americans in, the Germans down“. Das nukleare Patt verhinderte einen Krieg in Europa, während der Vertrag von Maastricht die europäischen Nationalstaaten in die Strukturen der Europäischen Union integrierte.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag begann 1990 eine neue Ordnung, die als „Post-Cold-War-Order“ beschrieben wird. Gassert zeigte ein gespaltenes Amerika: Einerseits institutionalisierte internationale Beziehungen, andererseits Tendenzen zum Isolationismus. Heute rücke Asien stärker in den Fokus der US-Politik, während Europa für die USA an Bedeutung verliere.

Russlands Angriff auf die gesamte Ukraine markierte einen Wendepunkt, nachdem der bewaffnete Konflikt zunächst auf die Ostukraine und die Krim begrenzt geblieben war. Angela Merkel bezeichnet den Angriff in ihrer Biografie als völkerrechtswidrigen Akt, der die europäische Friedensordnung nach dem Zweiten Weltkrieg erschütterte. Was bedeutet dies für Europa und für die USA? Europa ist nicht mehr geteilt, sondern vereinigt. Es liege auch an Deutschland und Europa, die transatlantischen Brücken aufrecht zu erhalten. Der Vortrag schloss mit der Frage, ob Europa seine Sicherheit in die eigene Hand nehmen und verstärkt europäisch organisieren muss?

Eine lebhafte Diskussion zur Verteidigungsfähigkeit Europas und zur Trump-Administration rundete den Abend ab. Der Abend endete mit der Hoffnung, dass die Beziehungen zwischen den USA und Europa auch unter dem neuen US-Präsidenten standhalten können.