Silvester 2024 wird es winterlich, mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und möglicherweise glatten Straßen. Das ist jedoch nichts im Vergleich zum Neujahrswechsel von 1978 auf 1979. Vor 46 Jahren brach eine beispiellose Schneekatastrophe über Luxemburg und weite Teile Europas herein.
Am 1. Januar 1979 lagen die Temperaturen in Grevenmacher bei –20 Grad Celsius, in Findel bei fast –18 Grad. An der Mosel lagen bis zu 27 Zentimeter Schnee, im Norden des Landes waren es stellenweise sogar 60 Zentimeter. Daran erinnert die Wetterseite Météo Réimech diese Woche.
Temperatursturz von 28 Grad in einigen Stunden
Dem vorausgegangen war ein massiver Temperatursturz zwischen dem 30. und dem 31. Dezember 1978, über den das „Luxemburger Wort“ damals berichtete. „Wenn am vergangenen Freitag bei uns noch Höchsttemperaturen von 9,8 Grad Celsius gemessen werden konnten, so sanken die Temperaturen in der Folge rapide ab: minus 18 (achtzehn!) Grad Celsius wurden uns gestern früh vom Wetterdienst des Flughafens Findel gemeldet, ein Temperaturunterschied also von insgesamt 28 Grad“, hieß es in der Ausgabe vom 2. Januar 1979.
Der massive Wintereinbruch wurde zwar vorausgesagt, doch „mochte niemand so recht an einen tiefgreifenden Wetterumschwung glauben“, wie das LW damals schrieb.
Viele Autos blieben im Schnee stecken. Foto: Jean Weyrich/LW-Archiv
Straßen waren kaum noch befahrbar. Foto: LW-Archiv
Die Schneeräumung hatte alle Hände voll zu tun. Foto: LW-Archiv
Gleiches galt für Privatpersonen. Foto: Jean Weyrich/LW-Archiv
Die Schneedecke legte den Verkehr weitestgehend lahm. Foto: Jean Weyrich/LW-Archiv
In Remich stieg die Mosel über die Ufer. Foto: LW-Archiv
Die Mosel führte Hochwasser. Foto: LW-Archiv
Das ganze Land war unter den Schneemassen verdeckt. Foto: Jean Weyrich/LW-Archiv
Das ganze Land war unter den Schneemassen verdeckt. Foto: Jean Weyrich/LW-Archiv
Die Konsequenzen waren verheerend. Autos blieben im Schnee stecken, der gesamte Straßenverkehr kam fast völlig zum Erliegen. Bäche und Flüsse schwollen dermaßen an, dass es mancherorts bereits am Silvestervormittag zu Überschwemmungen kam. Stromleitungen brachen unter der Last von Schnee und Eis zusammen.
„In abgelegenen Gebieten gab es Probleme mit der Versorgung von Lebensmitteln und anderen Gütern. Schneebedeckte Straßen verhinderten den Transport, und kleinere Gemeinden wurden zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Dies betraf auch medizinische Notfälle, da Ärzte und Krankenwagen teilweise nur schwer zu ihren Zielen gelangten“, erinnert auch Météo Réimech an eine Situation, die heute fast unvorstellbar erscheint.
Die Winteroffensive nimmt kein Ende.
LW-Ausgabe vom 10. Januar 1979
Die Einsatzkräfte hatten in den darauffolgenden Tagen alle Hände voll zu tun, um Straßen von den Schneemassen zu befreien oder gefährliche Eiszapfen von Gebäuden zu entfernen.
Lesen Sie auch:Chance auf Polarlichter: So wird das Wetter an Silvester
So kam es zum Wintereinbruch
Doch wie kam es zu diesem Jahrhundertwinter? „Die Ereignisse begannen Ende Dezember 1978, als ein mächtiges Hochdruckgebiet über Skandinavien und Russland eisige Luft nach Mitteleuropa führte, während ein Atlantiktief milde, feuchte Luft heranbrachte. Dieses Aufeinandertreffen führte zu intensiven Schneefällen und stürmischen Böen“, heißt es von Météo Réimech.
Die Situation entspannte sich danach etwas, der Schnee blieb wegen der klirrenden Kälte jedoch eine Zeit lang liegen. „Winterkälte und kein Ende“ titelte das LW daher am 5. Januar 1979. Anfang Januar lagen die Höchsttemperaturen tagsüber noch immer im Minusbereich, nachts fielen sie sogar unter -10 Grad.
Im hauptstädtischen Park wurde Schlitten gefahren. Foto: Jean Weyrich/LW-Archiv
Sogar am 10. Januar hieß es im LW noch immer: „Die Winteroffensive nimmt kein Ende“. Jedoch schienen einige Menschen inzwischen Gefallen an der Schneedecke gefunden zu haben: „Die Winteroffensive hat uns in den vergangenen Tagen nicht nur Sorgen und Ärger, Blechschäden und platte Autobatterien beschert, sondern auch jene Freuden, die man die weißen nennt: Schlittenfahrer, Eisschuh- sowie Skiläufer kamen voll auf ihre Rechnung. Bemerkenswert dabei ist, daß sich das Skilaufen diesmal nicht ausschließlich auf das Ösling beschränkt, sondern auch ‚da unten‘, im Gutland, immer mehr praktiziert wird“.
Einen Monat später kam die nächte Kältewelle
Im Februar 1979 sorgte eine neue Kältewelle mit Schnee und Dauerfrost dann für einen weiteren Wintereinbruch. „Der Schneesturm begann am 13. Februar 1979 und dauerte bis zum 18. Februar an. In dieser Zeit fielen in einigen Regionen Deutschlands bis zu einem Meter Schnee“, schreibt Météo Réimech. Luxemburg lag jedoch nur am Rand dieser Wetterlage und wurde von erneuten Schneemassen weitestgehend verschont. Die nächtlichen Temperaturen fielen jedoch erneut unter -10 Grad.