Los Angeles/Washington. Der designierte US-Präsident Donald Trump hat die Bekämpfung der schweren Brände im Raum Los Angeles als unzureichend kritisiert. „Die Brände in LA wüten immer noch. Die inkompetenten Politiker haben keine Ahnung, wie sie zu löschen sind“, schrieb er auf der von ihm mitbegründeten Plattform Truth Social.

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Tausende prächtige Häuser seien zerstört, und viele weitere würden bald verloren gehen. „Überall gibt es Tote. Dies ist eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte unseres Landes“, schrieb Trump weiter. „Sie schaffen es einfach nicht, die Brände zu löschen. Was ist nur los mit ihnen?“

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Auch Trumps künftiger Vizepräsident J.D. Vance beklagte sich öffentlich über den Umgang mit den Feuern. „In Kalifornien gab es einen gravierenden Mangel an kompetenter Führung, und ich denke, das ist einer der Gründe, warum diese Brände so schlimm geworden sind“, sagte Vance dem Sender Fox News.

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Trump gegen demokratischen Gouverneur

Der Republikaner Trump liegt seit jeher im Clinch mit der Führung in der Demokraten-Hochburg Kalifornien. Dass er ab dem 20. Januar wieder ins Weiße Haus einzieht, könnte sich bei den Aufräumarbeiten und dem Wiederaufbau im Großraum LA bemerkbar machen – etwa wenn es um Hilfen des Bundes geht.

Trump hatte bereits zuvor explizit gegen den demokratischen Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, ausgeteilt und ihn für das Ausmaß der Brände im Großraum Los Angeles verantwortlich gemacht. Konkret kritisierte der Republikaner Wassersparmaßnahmen Newsoms. Trump hatte in der Vergangenheit schon häufiger gegen den prominenten Gouverneur gewettert und dessen Politik als radikal bezeichnet.

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom

Newsom lädt Trump ein

Newsom hatte Trump angesichts der aktuellen Kritik eingeladen, sich das Ausmaß der Feuer in Los Angeles persönlich anzusehen. In einem Interview mit dem Sender NBC sagte der Demokrat nun, er habe dazu noch keine Antwort von Trump erhalten.

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Der Gouverneur sagte, er sei Beleidigungen von Trump gewohnt – wie „jeder Amtsträger, mit dem er nicht einer Meinung ist“. Newsom betonte aber: „Er ist ein gewählter Präsident. Ich respektiere sein Amt.“ Er arbeite eng mit dem noch amtierenden Präsidenten Joe Biden zusammen, um die Notlage zu bewältigen – dies würde er gerne mit dem nächsten Präsidenten fortsetzen. „Wir wollen im Sinne einer offenen Hand handeln, nicht im Sinne einer geballten Faust.“

Auch die Bürgermeisterin von LA, Karen Bass, bemühte sich, den Eindruck größerer Verwerfungen zwischen der örtlichen Führung und der künftigen Bundesregierung zu zerstreuen. Sie habe mit Vertretern von Trumps Mannschaft gesprochen. „Es war ein gutes Gespräch. Ich mache mir also keine Sorgen.“ Sie gehe auch davon aus, dass Trump LA besuchen werde.

Wie ist die Lage?

Zuletzt machten die Rettungskräfte einige Fortschritte im Kampf gegen das Flammeninferno rund um LA. Der US-Wetterdienst sagte für Montag und Dienstag wieder stärkere Winde voraus und warnte vor „extremer“ Feuergefahr. Durch den Wind könnten sich die Brände „explosionsartig“ ausbreiten, hieß es. Die Zahl der bestätigten Todesfälle stieg auf 24, weitere Menschen werden noch vermisst. Mehr als 100.000 Bewohner mussten ihre Häuser verlassen und durften weiterhin nicht zurück.

Mehr als 12.300 Gebäude sind nach Angaben der Brandschutzbehörde Cal Fire zerstört oder beschädigt. Seit Dienstag gingen demnach fast 163 Quadratkilometer Land in Flammen auf – das ist mehr als anderthalbmal die Fläche der Insel Sylt.

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Das „Palisades Fire“, das ganze Straßenzüge des Stadtteils Pacific Palisades verwüstet hatte, erfasste nach Behördenangaben bis Sonntagabend (Ortszeit) eine Fläche von knapp 96 Quadratkilometern und war zu 13 Prozent eingedämmt. Das „Eaton Fire“ nahe Pasadena und Altadena nordöstlich von Los Angeles brannte demnach auf einer Fläche von etwa 57 Quadratkilometern und war zu 27 Prozent unter Kontrolle.

„Wir brauchen von Mutter Natur eine Pause“, sagte Brice Bennett von der kalifornischen Behörde Cal Fire dem Nachrichtensender CNN. „Wir haben die Feuerwehrleute, wir haben das Wasser, wir brauchen mehr Zeit.“ Die Löschbrigaden arbeiteten weiter in Schichten von 24 und 36 Stunden am Stück.

Gefährliches Terrain

Ein großes Problem sei, dass mit Winden von rund 50 Kilometern pro Stunde die Löschung aus der Luft nicht mehr funktioniere, sagte Bennett. Denn der Wind verwehe das Wasser, bevor es in einer Ladung am Boden ankommen könne. Unterdessen trieben die Winde Funken durch die Gegend, die neue Feuer starteten.

Bei den Suchaktionen nach weiteren Opfern werden auch Spürhunde eingesetzt. Für die Einsatzkräfte ist es derzeit noch nicht möglich, in sämtliche Bereiche vorzudringen – zu groß ist die Gefahr. Die Behörden warnten Anwohner auch eindringlich davor, zu früh in niedergebrannte Gebiete zurückzukehren. „Sie sehen buchstäblich wie Kriegsgebiete aus“, sagte Sheriff Luna. Es gibt umgestürzte Strommasten, kaputte elektrische Leitungen, schwelende Brände. „Es ist nicht sicher.“

11.01.2025, USA, Los Angeles: Ein Hubschrauber wirft auf den Hügel hinter Pacific Palisades im Topanga State Park Löschwasser ab, um die Flammen zu bekämpfen.

Mit einem Hubschrauber wird aus der Luft gelöscht. (zu dpa: «Gegen Wind und Flammen kämpfen») Foto: Daniel A. Anderson/ZUMA Press Wire/dpa - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Nachrichten für Kinder +++ dpa-Nachrichten für Kinder +++

11.01.2025, USA, Los Angeles: Ein Hubschrauber wirft auf den Hügel hinter Pacific Palisades im Topanga State Park Löschwasser ab, um die Flammen zu bekämpfen.

Mit einem Hubschrauber wird aus der Luft gelöscht. (zu dpa: «Gegen Wind und Flammen kämpfen») Foto: Daniel A. Anderson/ZUMA Press Wire/dpa – Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Nachrichten für Kinder +++ dpa-Nachrichten für Kinder +++

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Schulen öffnen wieder

Trotz anhaltender Brände öffnet die Mehrheit der Schulen im Raum Los Angeles am Montag wieder. „Der Bezirk ist zuversichtlich, dass es für Schüler und Angestellte sicher ist, auf die Campusse zurückzukehren“, hieß es in einer Mitteilung. Bei der Entscheidung seien unter anderem der Stand der Löscharbeiten, die Luftqualität, Windverhältnisse und der Zustand der Straßen berücksichtigt worden.

Sieben Schulen blieben geschlossen, sagte der Leiter des Schulbezirks, Alberto Carvalho, Medienberichten zufolge auf einer Pressekonferenz. Vier davon seien durch das „Palisades Fire“ zerstört worden. Drei weitere befänden sich noch in der Evakuierungszone. Die staatlichen Universitäten University of California und California State University sind eigenen Angaben zufolge im Notbetrieb und bieten Online-Unterricht an.

Probleme mit Wasser und Betrügern

Newsom sagte derweil erneut, eine unabhängige Untersuchung solle Problemen mit dem Wassersystem nachgehen. Laut „Los Angeles Times“ hatten Einsatzkräfte vereinzelt von Hydranten berichtet, die kein Wasser mehr führten, was Löscharbeiten an manchen Orten behinderte.

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Ein anderes Problem sind derzeit Betrüger, die versuchen, die Notlage für sich auszunutzen. Sheriff Luna sagte, die Polizei habe etwa einen Mann festgenommen, der sich als Feuerwehrmann verkleidet und ein Grundstück geplündert habe. Die Behörden warnten auch vor Betrügern, die sich als wohltätige Organisationen ausgäben und fälschlicherweise behaupteten, Geld für Opfer der Feuerkatastrophe zu sammeln.

RND/dpa/jst