Publiziert14. Januar 2025, 21:02
SpaceX-Rakete: Luxemburgs Mini-Satellit Poquito ist auf großer Mission
Die Uni Luxemburg hat ihren ersten eigenen Satelliten mit einer Falcon-9-Rakete ins All geschickt. Was Poquito nun im All zu erledigen hat.

von
Vanessa Strauch
Am Dienstagabend gegen 20.10 Uhr hat sich der Satellit Poquito der Universität Luxemburg an Board einer Falcon-9-Rakete von Kalifornien aus auf den Weg ins All gemacht. Für die achtköpfige Forschungsgruppe für Raumfahrtsysteme des Interdisziplinären Zentrum für Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen (SnT) «ein sehr besonderer Moment», wie Professor Andreas Hein L’essentiel berichtet, denn solch ein Start passiere nicht alle Tage.
Das Ereignis haben sie gemeinsam bei einer Watch Party via Livestream verfolgt. «Es ist so gelaufen, wie wir es erwartet haben, denn die Rakete ist sehr zuverlässig», heißt es einige Minuten nach dem erfolgreichen Start. Nach 100 Kilometern war der Luxemburger Satellit dann im Weltraum und beim Professor stellte sich Erleichterung ein. «Die Vorstellung, dass da unser Satellit drin war, ist schon sehr besonders», erzählt er.
Hier fliegt Poquito ins All.
SpaceX
Poquitos Mission im All: Innovative Technologien unter realen orbiten Bedingungen testen und demonstrieren, bevor sie kommerziell eingesetzt werden. «Das ist von großer Bedeutung in der Raumfahrt, denn der Weltraum ist eine sehr feindselige Umgebung», erklärt der 43-jährige Deutsche. In diesem Fall geht es um optische Kommunikation, bei der Daten statt über Radiowellen mit Licht übertragen werden, also in etwa so wie Morsecode mit einer Taschenlampe. Darüber werden sogenannte Telemetriedaten übermittelt, die Auskunft über die Gesundheit von Poquito geben.
Die Zusammenarbeit mit SpaceX sei eher indirekt, denn Elon Musks Unternehmen diene lediglich als Transportdienstleister. «Wir arbeiten mit einer Firma aus Großbritannien zusammen, die dafür verantwortlich ist, den Satelliten im Orbit auszusetzen», so Hein. Poquito befindet sich in einem sogenannten Deploy, einem Aussetzgerät, das wie eine Matroschka-Puppe aufgebaut ist. «Unser Satellit ist in einem weiteren Satelliten untergebracht, der von einer italienischen Firma entwickelt wurde», erklärt der Forscher.
Poquito ist einer der kleinsten Satelliten der Welt, daher auch sein Name, denn Poquito bedeutet auf Spanisch «ein bisschen» oder «wenig». «Wir haben eine mexikanische Doktorandin im Team, und sie fand, dass der Name gut zu unserem kleinen Satelliten passt», erzählt der Professor. Denn mit seinen je nur fünf Zentimeter langen Würfelkanten und einem Gewicht von weniger als 250 Gramm gehört Poquito zur Kategorie der PocketQubes und passt in eine Hand.
«Nur die Komponenten des Satelliten, entsprechen einem etwas teureren Smartphone oder einem Laptop», erklärt Andreas Hein. Dazu kommen noch unter anderem Start- und Personalkosten. Dann könne man von «einem etwas teureren Auto» sprechen. Ein genauer Betrag sei jedoch schwierig zu nennen, da viele verschiedene Komponenten zu beachten sind.
Durch kommerziell einfach erhältliche Komponenten würden Missionskosten erheblich gesenkt werden können. «In diesem Zusammenhang spricht man oft von der Demokratisierung der Raumfahrt: Universitäten oder sogar Schulen können ihre eigenen Satelliten entwickeln und ins All schießen», erläutert Hein.
Trotz kleiner Maße hat der Satellit eine große Bedeutung für Luxemburg: Es gehe auch darum, international zeigen, dass ein kleines Land in der Lage sei, große Projekte zu stemmen. «Wir wollten etwas schaffen, das uns von anderen Universitäten abhebt. Die schnelle Entwicklung von Satelliten ist ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie», so Hein. Normalerweise würden solche Projekte nämlich Jahre dauern, Poquito sei jedoch in etwa einem Jahr entwickelt worden.
Dabei steht Poquito nicht am Ende der Raumfahrtambitionen des Großherzogtums: «In Zukunft wollen wir uns auf Nachhaltigkeit im Weltraum konzentrieren, Technologien entwickeln, die Weltraumschrott vermeiden oder sogar entfernen können», erklärt der Professor. Auch die Ausbildung von jungen Talenten werde weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
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