In Deutschland glauben noch immer viele, dass wir der Welt ein Vorbild sein müssen. Die deutsche Energiewende ist allerdings kein Exportschlager geworden, und auch in der Migrationspolitik will uns kaum einer folgen.
Schweden geht jetzt bei der Einbürgerung sogar den umgekehrten Weg. Während die Ampel die nötige Aufenthaltsdauer von acht auf fünf Jahre herabsetzte, will die schwedische Regierung sie von fünf auf acht Jahre erhöhen.
Missverständnis der Ampel
Der zuständige Minister ist von der Moderaten Sammlungspartei. Die ist Mitglied in der EVP, also eine Schwesterpartei von CDU und CSU. Deshalb war es nicht rückwärtsgewandt, als die Unionsparteien in Deutschland gegen die Reform protestierten, sondern es entspricht bürgerlicher Politik anderswo in Europa, auch wenn die schwedische Regierung von Rechtspopulisten toleriert wird.
Bei der Ampel herrschte ein Missverständnis darüber, was ein Einwanderungsland ist, wenn Deutschland das schon sein will. Natürlich muss es die Möglichkeit geben, die Nationalität zu erwerben, aber die Anforderungen dafür müssen eher hoch als niedrig sein.
Die Staatsangehörigkeit geht über eine Aufenthaltserlaubnis hinaus, sie gewährt politische Mitwirkungsrechte und erlegt dem Staat Pflichten auf. Je länger jemand in seiner neuen Heimat gelebt hat, desto höher ist die Chance, dass er sich gut integriert hat. Das gilt für Deutschland nicht anders als für Schweden.