Es klingt absurd: Ärzte und medizinisches Fachpersonal werden in Luxemburg zwar händeringend gesucht, dennoch sind rund 200 Menschen, die einen Medizinabschluss aus einem Nicht-EU-Land haben, im Großherzogtum ohne Arbeit. Das erklären Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) und Hochschulministerin Stéphanie Obertin (DP) in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Frage des LSAP-Abgeordneten Dan Biancalana.
Zu den 200 Menschen mit Medizinabschluss, die aktuell bei der Arbeitsagentur ADEM eingeschrieben sind, befinden sich unter anderem ausgebildete Ärzte, Psychologen, Hebammen sowie Krankenpfleger. Das Problem: Ihre Abschlüsse werden in Luxemburg nicht anerkannt, sie dürfen ihren Beruf demnach nicht ausüben. Wer sein Medizinstudium außerhalb der EU abgeschlossen hat, muss sein Diplom nämlich zunächst in einem anderen Mitgliedstaat der EU anerkennen lassen, ehe er in Luxemburg praktizieren kann.
In entsprechenden Fällen informiere die ADEM die Betroffenen über die nötigen Schritte, mit denen sie ihren Medizinabschluss in Luxemburg anerkennen lassen könnten. Wie viele Diplome aus Drittstaaten in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich anerkannt wurden, konnten Deprez und Obertin nicht sagen, weil diese Zahlen nicht systematisch erfasst werden.
Letzter Ausweg: berufliche Neuorientierung
In den Fällen, in denen eine Anerkennung nicht möglich ist, versuche die ADEM, die Betroffenen in andere Berufe umzuorientieren. In mehreren Fällen sei dies auch gelungen, heißt es in der Antwort von Deprez und Obertin.
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Ein weiteres Problem: Die Hälfte der 200 Personen gibt an, nicht das nötige Sprachniveau B2 in Deutsch oder Französisch zu haben. In ihrer Antwort erklären die beiden Ministerinnen, dass das Weiterbildungszentrum „De Widong“ in Belval aktuell die entsprechenden Sprachkurse anbiete, die auf die Kommunikation in den Gesundheitsberufen ausgelegt seien.