Die Ausgangslage ist klar: Ein Sieg und die Schweiz steht in der WM-Hauptrunde. Dass die Nati diesen Sieg unbedingt will, wird schnell klar. Zwar will zu Beginn nicht alles klappen und man sieht sich früh mit einem 1:3-Rückstand konfrontiert. Doch das Team von Nationaltrainer Andy Schmid rafft sich auf, legt einen 6:2-Lauf hin und übernimmt mit 7:5 die Führung. Jubel brandet auf, als die Polen da das Timeout nehmen. Doch dieses zeigt Wirkung, die Schweizer kassieren unmittelbar danach den Ausgleich, können sich aber kurz vor der Halbzeit erstmals mit 18:15 absetzen.
Wie schon gegen Deutschland kommt die Nati besser aus der Kabine. Angefeuert von rund 300 lauten Schweizer Fans erhöhen zweimal Felix Aellen und Lenny Rubin auf 21:15. Ist das die Vorentscheidung? Denkste. Mit dem grossen Erfolg vor Augen beginnen die Schweizer zu zittern, Polen kämpft sich auf ein 22:22-Unentschieden ran. Beginnt jetzt wirklich noch das grosse Rechnen um ein Weiterkommen? Andy Schmid nimmt ein Timeout und beweist Mut. Er bringt neues Spielermaterial. Allen voran Mehdi Ben Romdhane. Zuvor rund 40 Minuten auf der Bank nimmt dieser das Herz in die Hand, schiesst in der Schlussphase drei Tore und ist mitverantwortlich dafür, dass die Schweiz sich erst wieder einen Drei-Tore-Vorsprung erspielt und diesen dann mit 30:28 auch nach Hause schaukelt.
AUFGEFALLEN
Tonangebend in der ersten Halbzeit ist erneut Lenny Rubin. Der 2.04-Turm aus dem Berner Oberland zeichnet sich für die ersten drei Tore verantwortlich ist auch danach der Fels in der Brandung im linken Rückraum. Zusammen mit Dimitrij Küttel und Noam Leopold ist er mit fünf Toren Top-Torschütze auf Seiten der Schweiz. Küttel zeigt im rechten Rückraum eine starke Partie. Leopold steht sinnbildlich für das verbesserte Flügelspiel, versenkt zudem auch alle seine Siebenmeter. Auf der anderen Flügelposition trifft Gino Steenaerts viermal.
In der Defensive hält Abwehrchef Samuel Röthlisberger gemeinsam mit Lucas Meister den Laden zusammen, die Schweiz stellt auch in Spiel 3 eine bocksolide Deckung. Nach zwei überragenden Leistungen gegen Tschechien und Deutschland ist es lange nicht der Tag von Nikola Portner. So kommt Jannis Scheidiger zu seinen ersten WM-Minuten, hält gleich seinen ersten Ball. In der Crunchtime ist es aber Portner, der beim Stand von 27:24 eine so wichtige Parade zeigt und die Schweizer Bank inklusive Trainer Andy Schmid jubeln lässt.
Am herausragendsten ist an diesem Sonntagnachmittag in Herning aber das Schweizer Kollektiv. Die Nati scheint momentan jeden im Spiel erlittenen Rückschlag wegstecken zu können. Eine gute Ausgangslage für eine erfolgreiche Hauptrunde.