Gesundheitssystem kollabiert | Pflegekräfte: Patienten sterben in Großbritannien auf Fluren

by BloederFuchs

27 comments
  1. Aber…aber die zusätzlichen Milliarden GBP, die wöchentlich wegen des Brexit für das Gesundheitssystem zur Verfügung stehen?! 😯

    Die Brexit-Befürworter werden doch nicht mit maximal populistischen Aussagen gelogen haben?

  2. Den Politikern in Britannien war nichts wichtiger, als die jährlichen Einwanderung zahlen zu reduzieren, dass sie maximal unattraktiv für qualifizierte Arbeitskräfte gestaltet haben, in Britannien einwandern. Dabei war es egal, dass der nationale Gesundheits Service davon abhängig ist, das von außerhalb qualifiziertes Personal angeworben wird, um die Lücken zuschließen, die die Briten selbst nicht abdecken können.

    Das gleiche droht uns auch, wenn die AfD einmal miteinander Macht ist oder Union und FDP ihre Zukunft daran sehen, noch weiter nach rechts abzubiegen.

  3. Brexit macht Brexit Sachen. Das, liebe Mitbürger, passiert wenn man aus Frust und weil die anderen Schuld sind, eine Partei wählt, die das eigene kleine Land international isolieren will. Hier wird auch bald gewählt: ca 20% der Leute scheinen sich auch so etwas zu wünschen. Diese 20% werden vermutlich selbst am meisten darunter leiden…

  4. >„Wir können jetzt kategorisch sagen, dass die Patienten in dieser Situation sterben“

    Klingt wie ungeplante Triage.

  5. Wählerführerschein – man muss sie Leute vor sich selbst schützen 🙈

  6. Das ist bei uns auch nicht anders. Bei uns sterben auch jeden Tag durch Unterversorgung, Personalmangel oder Hygienemängel sehr viele Menschen. Alleine durch Krankenhauskeime sind es 10.000 -15.000 Menschen jedes Jahr (Quelle: bmbf). Auch wir sind Vorallem auf Einwanderung angewiesen. Nur sind bei uns die Bedingungen so schlecht das da keiner drauf Bock hat. Ein weiteres Problem ist auch: Bis eine Intensivpflegekraft selbstständig auf einer Intensivstation arbeitet vergehen locker sieben Jahre Aus- und Weiterbildung.

  7. Das gleiche haben wir doch auch in Krankenhäusern im Osten, wo man arabische Ärzte nicht einstellt, weil Ronny dann sauer ist.

  8. Und das NHS wird hierzulande mit Sicherheit herangezogen um zu zeigen warum man unser Gesundheitssystem ja bloß nicht in eine einheitliche Krankenversicherung reformieren kann. Die Zweiklassenmedizin trägt unser Gesundheitssystem!

  9. Und das ist was passiert, wenn man Austaritätspolitik als “vernünftig” betrachtet. FDP, AFD und Union wollen das auch bei uns.

  10. Na ja, auch ohne Brexit hat das steuerfinanzierte NHS so seine Probleme bei der Finanzierung und Organisation, schon immer gehabt. Ist halt problematisch, wenn das Budget vom Parlament abhängt und kontrolliert wird. Nettes Einsparpotential, bis es dann eben zusammenbricht.

  11. Kann hier ja mal von meinen Erfahrungen mit der NHS berichten: Mein Freund ist Engländer und hat quasi seit Mitte Dezember durchgängig Kopfschmerzen mit Sehstörungen und Nasenbluten. Es hat ewig gedauert, bis er mal ein CT bekommen hat (ich glaube es waren 8 Arztbesuche) und man pfuscht halt irgendwo mal mit irgendwelchen Medikamenten rum, weil für die Ursachensuche keine Kapazität da ist: Es erinnert auch etwas an Scrubs “Mund auf, Pillen werfen und was immer im Mund landet ist die richtige Dosis.” Irgendwann war sein Hausarzt dann doch ratlos genug, dass er ihn für ein CT überweisen konnte. Mein Freund musste dann also mit der Überweisung im Gepäck zur Notaufnahme/ Notfallambulanz (auch wild so die CT-Termine zu vergeben), dort hat man ihn erstmal 8h hingestellt (Stühle gabs keine mehr). Dann hieß es irgendwann nachts um 2 Uhr morgens “wer noch irgendwie laufen kann und oder/ die Nacht alleine verbringen kann, der möge bitte nach Hause gehen, es warten über 100 Patient*innen in der Notaufnahme”. Er war zu dem Zeitpunkt aber schon als Patient registriert und stand (!) dann noch bis 4.30 Uhr morgens dort, weil man nicht sicher war, ob man ihn jetzt stationär aufnimmt oder wieder heimschickt oder doch was ganz Anderes tut – sich etwas zu Essen oder Trinken holen ging auch nicht, sonst hätte er seinen Warteplatz aufgegeben. Letzten Endes wurde er dann aber auch wieder unverrichteter Dinge heim geschickt. Bezeichnend finde ich aber auch, dass wohl die Grundstimmung dort so war, dass da niemand auch nur auf die Idee kam das Personal anzumeckern oder verantwortlich zu machen – das kenne ich aus Deutschland ganz anders.

    Inzwischen hatte er ein CT zum Glück ohne irgendwelche schwerwiegende Befunde, ihm wurde aber auch gesagt “naja, Kopfweh haben halt alle. 10 Monate Wartezeit auf ne Sprechstunde in der Kopfschmerzambulanz – bis dahin deal with it oder lass dich halt krankschreiben.” Das Rezept für Sumatriptan haben sie ihm nochmal ausgestellt, obwohl er meinte sie wirken bei ihm einfach überhaupt gar nicht – es kam ein “oh naja. Probiers halt weiter.” zurück. Inzwischen bin ich soweit, dass wenn er das nächste Mal wieder länger hier ist, ich ihn bei einem Schub zu uns hoch in die Klinik fahre. Da hockt er ggf. zwar auch ne Ewigkeit, der Ton ist deutlich rauer, aber es wird immerhin doch noch genauer hingeschaut.

    Ich selbst war zum Jahreswechsel drüben, bin blöd umgeknickt und hab mir das Außenband im Sprunggelenk gerissen. Uns war beiden klar, dass das eh Nichts wird, dass sich das jemand zeitnah anschaut. War also unglaublich dankbar, dass ich genügend Laienkenntnisse habe, um mich selbst behelfsmäßig zu versorgen (habe mein Gelenk dann selbst mit nem SAMsplint gesplintet…), damit ich wenigstens irgendwie heimfliegen konnte, nur um dann in Deutschland in der Notfallpraxis rundgemacht zu werden, wieso ich am 4.1. die “Frechheit” habe in der Notfallpraxis stehen, immerhin sei ja gestern Freitag gewesen und ich hätte Kapazität gehabt zum Arzt zu gehen- war dann aber (dnädigerweise) doch ok, als ich meinte ich saß da im Flieger nach Hause und ich würd aus England kommen.

    TL;DR: Habe über meinen Freund und seine Familie Erfahrungen mit der NHS machen dürfen, bin einfach jeden Tag dankbar darüber, dass es bei uns noch nicht ganz so schlimm ist, habe aber auch tatsächlich wirklich Sorge, dass uns das in den nächsten Jahren auch so ereilen wird.

  12. Single-Payer-Systeme wie sie bspw Kanada oder UK haben können funktionieren, sind aber Jahr für Jahr extrem von der jeweiligen Regierung abhängig.

    Das Bismarckische Multi-Payer-System ist da wesentlich robuster und unabhängiger von der Regierung.

    (Fun Fact: die USA wollten eigentlich nach dem ersten Weltkrieg das deutsche System einführen. Doch dann sind gewisse Dinge in Deutschland passiert und es war plötzlich nicht mehr so populär Deutschland zu kopieren.)

  13. Die alten sind die, die damals pro Brexit gewählt haben richtig?

  14. Warum tun eigentlich alle hier so, als ob Brexit die Ursache dafür ist? Also nicht, dass Brexit die Sache nicht schlimmer gemacht hätte, aber die Hauptursache ist meiner Meinung nach diese extreme Austeritätspolitik, die das UK seit Thatcher quasi ununterbrochen fährt. Der Staatsapparat wird dort noch mehr als hierzulande seit 40 Jahren systematisch kannibalisiert. Dass der NHS irgendwann zusammenbricht, war abzusehen und hier in Deutschland bahnt sich allmählich eine ganz ähnlich Situation an.

  15. Auch ne Möglichkeit, dem demographischen Wandel zu begegnen. Triage. Menschenverachtend, aber billigend in Kauf genommen. Die britische Volkswirtschaft wird‘s freuen. Auweia.

  16. Und viele Deutsche trotzdem so:
    “Ich will aber keine ausländischen Ärzte!” 

    (Über 6.100 hochqualifizierte und integrierte ÄrtzInnen aus Syrien sichern die med. Versorgung in Deutschland mit.)

  17. Leute es liegt nicht nur am Brexit! Ganz England ist verarmt. Außerhalb von London sieht das aus wie in den ärmsten spanischen Landregionen, nur ohne gutes Wetter.

  18. MMn was wir zurzeit überall auf der Welt sehen, ist das wir an einem Punkt angelangt sind wo kapitalistisches Wachstum nicht mehr mit sinnvollen Lebensstandards vereinbar ist. Die USA setzen ganz klar Wachstum über Wohlstand, weshalb der Lebensstandard der mittleren/unteren Bevölkerungsschichten massiv gesunken ist, wir haben noch unsere Sozialsysteme, weshalb unser Wirtschaftswachstum ausbleibt.

  19. Jeder der sich jetzt hier freut dass es in Deutschland besser ist. Ist es nur marginal. Hier sterben auch Menschen aufgrund von zu wenig Pflege überarbeiteten Ärzten etc. Wir haben das auch. Lest mal was von Ricardo Lange oder besucht selber ne Notaufnahme oder andere akut und intensiv Bereiche oder Altenheime. In Deutschland sterben jeden Tag Menschen unterversorgt und dass es überhaupt noch ansatzweise läuft liegt daran dass Reinigung Pflege und Ärzte auf Kosten der eigenen Gesundheit die klinken am Leben erhalten. Und das wird nicht besser.
    Das Gesundheitssystem gehört komplett verstaatlicht.

  20. Hab jetzt viele Kommentare gesehen die Brexit als Ursache sehen. Klar hat das dazu beigetragen aber die Hauptursache ist ein Jahrzehnt von Kürzungen im Haushalt unter der konservativen Regierung.
    Ich hab über 10 Jahre in GB gelebt, habe selbst für einen NHS Trust gearbeitet und die Lage hat sich in den letzten 7 Jahren drastisch zugespitzt – lange Wartezeiten für Behandlungen und in der Notaufnahme, Vorsorgeuntersuchungen gestrichen, Aufnahme-Stop bei Hausärzten und wenn Mensch einen Termin bekommt wird man nach 5 Minuten mit Schmerzmitteln abgespeißt.

    Freunde mit Kindern (darunter körperliche und geistige Beeinträchtigen) mussten private Krankenversicherungen abschließen, da die Grundversorgung ihrer Kinder einfach nicht mehr gewährleistet war.

    Ich sehe die UK heutzutage als krasses negativ Beispiel wie man absolut keine Politik machen sollte und wie permanente Kürzungen im sozialen Bereich zur gesellschaftlichen Verrohung beitragen können.
    Ich bin froh, dass ich mich in einem anderen EU Land niederlassen konnte und ja, Brexit hat dabei mitgeholfen.

  21. Da sterben Menschen und das erste was man hier liest ist haha Brexit und so. 

    Wer solche Freunde hat… 

  22. Klar ist es jetzt einfach, dass auf Brexit zu schieben, aber das NHS ist schon seit über einem Jahrzehnt in der Krise. Das System ist einfach nur tödlich ineffizient und braucht tiefgreifende Reformen – beispielsweise ist die Krankenpflegeausbildung in GB ein Studium, und extrem kompliziert reinzukommen (hat meine beste Freundin versucht und dann aufgegeben), und die Manager kriegen selbst dann ihre Millionenboni, wenn sie nichts hinkriegen.

    Brexit hat nichts geholfen, ist aber nicht der einzige Grund für die Situation.

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