Das war’s doch schon wieder mit dem Winter. Statt Eis und Schnee hat wieder das Schmuddelwetter Einzug gehalten. Vor Kurzem ist mein Blick in der Garage auf den Schlitten unserer Familie gefallen. Ganz einsam und verlassen stand er da, als wartete er auf den nächsten Einsatz. Kurz nach dem Neujahrstag habe ich ihn vom Speicher geholt. Gerade zwei mickrige Tage lang haben wir ihn gebraucht – und selbst dafür mussten wir eine halbe Stunde auf den höchsten Berg der Umgebung fahren.

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Am ersten Tag war es noch knackig kalt und trotz Handschuhen waren unsere Finger nach einer Stunde steif gefroren. Unsere Kinder veranstalteten eine rasante Abfahrt auf dem Holzschlitten. Dann kamen sie auf die Idee, sie müssten in einem Rennen gegeneinander antreten. Das Mittel der Wahl waren zwei Tellerschlitten. Diese bestehen aus nicht viel mehr als einer runden Plastikscheibe mit Haltegriff zwischen den Beinen. Beide Kinder betraten die Piste, stießen sich mit den Füßen ab und glitten den Hang hinab – erst langsam, dann immer schneller.

Ungünstig ist nur, dass sich die Plastikschlitten kaum steuern lassen.

Ungünstig an den Popo-Rutschern ist nur, dass sie sich fast gar nicht steuern lassen. Die zwei Kinder versuchten einem Baum auszuweichen, indem sie einen Fuß in den Schnee steckten. Dadurch dreht sich aber der Popo-Rutscher um 180 Grad und die Fahrt ging nun mit dem Kopf voran weiter. Am Ende wählten sie den Notausstieg und wälzten sich ein paar Mal überdie Piste, bis sie von Schneemännern nicht mehr zu unterscheiden waren. Viel Gelächter und ein kurzlebiges Vergnügen, denn bereits am folgenden Tag war der Schnee schon ziemlich matschig.

Ich werde den Schlitten also wieder auf den Dachboden tragen – aber nur bis zum nächsten Winter. Vielleicht bringt der ja meterhohen Schnee, sibirische Kälte – und Wintersport vor der Haustür.  

Aus dem Leben der LW-Journalisten

Das „Gazettchen“ ist eine informelle Kolumne, in der die Autoren auf legere Weise von ihren Alltagserlebnissen erzählen oder auch schon mal Einblick in ihre Gedankenwelt gewähren. Das hat eine lange Tradition: Am 3. Dezember 1946 erscheint erstmals ein Meinungsstück mit dem Titel „Heute“ am Seitenanfang oben links auf der ersten Lokalseite im „Luxemburger Wort“. Am 13. Januar 1971 wird dann aus der bei den Lesern ausgesprochen beliebten und sehr persönlichen Kolumne das „Gazettchen“, das bis heute und über alle Layout-Überarbeitungen hinweg seinen Premium-Platz in Luxemburgs auflagenstärkster Tageszeitung behalten hat.