Signa-Gründer –
René Benko in seiner Villa festgenommen
Der einst milliardenschwere Immobilienmogul wurde in Österreich von der Polizei in Gewahrsam genommen.

René Benko wurde wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen in Innsbruck festgenommen.
Foto: AFP
Dem 47-jährigen Österreicher René Benko wurden am Donnerstagmorgen in seiner Villa in Innsbruck die Handschellen angelegt. Dies meldet die «Kronen Zeitung». Der Vorwurf lautet: vorsätzliche Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen im Rahmen des Signa-Insolvenzverfahrens sowie Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr. Auch Untersuchungshaft sei bereits beantragt worden.
Zur Beweissicherung wurden am Donnerstag auch mehrere Hausdurchsuchungen in Benkos Büroräumen, in seinem Ferienhaus Chalet N in Lech sowie in Benkos Wiener Wohnsitz durchgeführt.
Benkos Anwalt bestätigt die Festnahmeanordnung gegenüber der «Krone». Gegen den österreichischen Unternehmer hat die Staatsanwaltschaft Trient im Dezember einen Haftbefehl erlassen. Mehrere mit Benko in Verbindung stehende Personen wurden unter Hausarrest gestellt.
Es geht um 30 Milliarden Euro
Gegen Benko wird unter andrem wegen Betrugs und Insolvenzdelikten im Zusammenhang mit seinem ehemaligen Unternehmen Signa ermittelt. Der österreichische Unternehmer hatte mit seiner Signa-Gruppe ein grosses Portfolio aufgebaut, zu dem auch die Schweizer Globus-Warenhäuser gehörten.
Im Zuge steigender Zinsen, Energiepreise und Baukosten brach das verschachtelte Firmenkonstrukt zusammen. Benko hat mit rund 150 Gesellschaften im In- und Ausland, die bis in die arabische Welt reichen, insgesamt rund 30 Milliarden Euro Schulden angehäuft, wie der österreichische «Kurier» meldet. Wegen der Insolvenz der Signa-Gruppe wird zurzeit in vier Ländern ermittelt: neben Österreich auch in Deutschland, Italien und Liechtenstein.
Gegen den Österreicher wird auch wegen mutmasslichen Betrugs im Zusammenhang mit staatlichen Corona-Geldern juristisch vorgegangen. Dabei geht es um Hilfsgelder für das luxuriöse Chalet N im Skiort Lech am Arlberg. Untersucht wird, ob die Corona-Gelder als wirtschaftliche Unterstützung während der Pandemie genutzt oder für andere Zwecke missbraucht wurden.
Kapitalerhöhung durch ein «Geldkarussell»
Benko wird eine ganze Reihe von Finanzdelikten vorgeworfen, dazu gehört auch eine «Kapitalerhöhung durch ein Geldkarussell». So soll der Österreicher Investoren dazu verleitet haben, weitere Gelder in die Signa Holding einzuschiessen, unter dem Vorwand, dass er selbst über seine Familie Benko Privatstiftung ebenfalls investiere.
Dabei soll er die Kapitalanlagen der getäuschten Investoren durch Überweisungen über mehrere Unternehmen hinweg schliesslich als seinen eigenen Zuschuss zur Kapitalerhöhung ausgegeben haben.
Vorwurf des betrügerischen Bankrotts
Im Rahmen des Bankrotts der Signa Holding wird Benko ein weiteres Finanzdelikt vorgeworfen: So soll der Österreicher faktischer Geschäftsführer der familieneigenen Laura Privatstiftung sein und dies im Rahmen seiner Insolvenz als Einzelunternehmer verheimlicht haben. Dadurch habe Benko willentlich Vermögenswerte verschleiert und das in der Stiftung vorhandene Vermögen dem Zugriff von Behörden und Gläubigern entzogen.
Verdunkelungsgefahr und Fälschung von Beweismitteln
Gemäss der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) soll Benko sich nachträglich Rechnungen ausgestellt und damit Beweismittel gefälscht haben: Konkret geht es dabei um «drei hochpreisige Schusswaffen», wie die «Kronen Zeitung» berichtet, die er dem Zugriff der Behörden und Gläubiger entzogen haben soll. Benkos Waffensammlung war immer wieder Gegenstand der Ermittlungen.
Benko selbst wird von seinen Gläubigern auf zwei Milliarden verklagt
Allein von Benko persönlich verlangen die Gläubiger 2,4 Milliarden Euro. Zu Geld gemacht wurden aus seinem Privatvermögen bisher aber gerade mal Wertgegenstände für gut eine Million Euro, darunter Benkos Garderobe.
Daran hing der Tiroler Aufsteiger offenbar besonders. Vergeblich verweigerte er zunächst den Behörden den Zugang, bis schliesslich doch alles versteigert wurde: Anzüge, Hemden, Krawatten. Gesamtwert: knapp 78’000 Euro. Und wer trägt jetzt die alten Designerklamotten des «Wunderwuzzis»? Nun ja, er selbst. Seine Mutter hat sie aus der Insolvenzmasse herausgekauft – offenbar mit Geld aus den Stiftungen.
Mehr Informationen folgen.
Die Pleite des René BenkoNewsletter
Wirtschaft heute
Erhalten Sie die wichtigsten News aus der Wirtschaft sowie die besten Hintergründe und Analysen.
Einloggen
Fehler gefunden?Jetzt melden.
18 Kommentare

