Die Nato hat ihre Patrouillen auf der Ostsee zuletzt verstärkt. (Symbolbild)
Quelle: dpa
In der Ostsee ist ein weiteres Datenkabel beschädigt worden. Das Kabel des lettischen staatlichen Rundfunk- und Fernsehzentrums wurde am frühen Morgen beschädigt, im Meeresgebiet zwischen Ventspils und Gotland. Dies teilten die Behörden des baltischen Landes während einer Pressekonferenz in Riga mit.
Die Ursache ist demnach noch unklar. Der Schaden liegt in der ausschließlichen Wirtschaftszone Schwedens und ist ersten Anhaltspunkten zufolge auf äußere Einwirkung zurückzuführen, wie es auf der Pressekonferenz hieß.
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Auch wenn ein physischer Schutz maritimer Infrastrukturen de facto nicht leistbar ist, können andere Maßnahmen zum Schutz beitragen, sagen die Experten Manuel Atug und Johannes Peters. Einige Beispiele.
IT-Sicherheit ernst nehmen
“Das ist vergleichbar mit einer Bank, die alle Goldbarren Deutschlands mit einem Zehn-Euro-Schloss an der Vordertür sichert, das Abschließen manchmal aber auch ganz vergisst”, beschreibt Atug das Problem. “Sich dann aufzuregen, dass jemand die Goldreserven gestohlen hat, ist doch grotesk: Da reden wir nicht von Sabotage oder hybriden Bedrohungen, sondern von essenziellen Basis-Sicherheitsmaßnahmen, die essenziell vernachlässigt werden.”
Lagebild zur Abschreckung und Patrouillen
Auch die von der Nato beschlossenen verstärkten Patrouillen können zu einem besseren Lagebild beitragen. Per se dienten Patrouillen aber eher “zur Beruhigung der Bevölkerung und der Erhöhung der gefühlten Sicherheit”, sagt Manuel Atug. “Eine wirksame Antwort auf die zunehmende Bedrohungslage stellt das leider nicht dar.”
Staatliche und wirtschaftliche Interessen
“Unternehmen agieren in erster Linie erlösmaximierend”, sagt Manuel Atug. “Natürlich gibt es auch in Unternehmen ein Interesse, Schäden vorzubeugen und die eigenen Anlagen zu schützen. Aber nur, solange der Schaden teurer ist als die Schutzmaßnahme”, gibt Atug zu bedenken.
Auch Johannes Peters nimmt den Staat in die Verantwortung. “Wenn man etwas als kritische Infrastruktur definiert, muss man sich auch überlegen, wie man diese schützen will. Welche Auflagen mache ich? Ab wann gehe ich mit in die Verantwortung, wenn ich etwas zu einer Sache von nationalem Interesse erhebe?” Mit dem KRITIS-Dachgesetz gehe Deutschland hier in die richtige Richtung, sagt Peters.
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Betreiber: Unterseekabel “erheblich” beschädigt
Das lettische Rundfunk- und Fernsehzentrum berichtete, das Kabel sei “erheblich” beschädigt. Der Schaden solle keine Auswirkungen auf die Datenübertragung lettischer Endnutzer haben. Neben dem betroffenen Kabel gibt es noch zwei Unterseekabel anderer Anbieter, die Lettland und Schweden miteinander verbinden.
Ministerpräsidentin Evika Silina rief wegen des Vorfalls eine Sitzung der zuständigen Ministerien und Dienste ein. Lettland stehe im Austausch mit Schweden, anderen Ostsee-Anrainerstaaten und der Nato, um die Umstände aufzuklären, sagte sie. Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson schrieb auf X, Schweden, Lettland und die Nato arbeiteten in dieser Angelegenheit eng zusammen.
Die Nord- und Ostsee sind durchzogen von wichtigen Datenkabeln und Pipelines.
Quelle: Experteninterviews; SPW; ZDF-Illustration
Schiff in Nähe des Vorfalls untersucht
Die lettische Marine führte eine Analyse der Schiffsbewegungen in dem Gebiet durch und entsandte ein Patrouillenschiff zu einem Schiff, das sich in Nähe der Schadenstelle aufhielt. Dabei seien keine verdächtigen Aktivitäten an Bord oder Schäden am Anker festgestellt worden, sagte Marine-Chef Maris Polencs.
Das kontrollierte Schiff sei auf dem Weg nach Russland und wartet auf die nächste Freigabe des Schiffsagenten zur Weiterfahrt. Zwei weitere Schiffe wurden im ungefähren Bereich der Schäden an der Unterwasserinfrastruktur identifiziert, hieß es in einer Mitteilung der lettischen Streitkräfte.
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Quelle: dpa, ZDF