Die Geschäfte können jetzt länger öffnen. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Einzelhändler unter der Woche von 5 bis 22 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen von 5 bis 19 Uhr öffnen. Ausgenommen davon sind der 1. Januar, der 1. Mai sowie der 25. Dezember. Zudem sind Metzgereien, Bäckereien, Konditoreien oder auch Feinkostgeschäfte davon ausgeschlossen.

Von dem Gesetzentwurf ist nicht jeder überzeugt. Der OGBL hat bereits Widerstand gegen diesen Gesetzesentwurf deutlich gemacht. Die Gewerkschaft ist der Ansicht, dass die neuen Arbeitszeiten „katastrophale“ Auswirkungen auf das Familien- und Privatleben der Arbeitnehmer in diesem Sektor haben werden.

Die Ausweitung der Arbeit am Sonntag

Anne Darin, die Direktorin der Union commerciale de la Ville de Luxembourg (UCVL), weist dieses Argument zurück und befürwortet den Gesetzentwurf. Sie betont, dass dieser neue „Rahmen keine Verpflichtung, sondern ein Recht“ sei. „Die Arbeitnehmer kommen von weit her und mit der Fahrzeit kommen sie lieber acht statt vier Stunden zur Arbeit“, hält sie fest. Für die UCVL-Direktorin geht „die Entwicklung der Arbeitszeiten Hand in Hand mit der Entwicklung und Modernisierung des Arbeitsrechts, um es an die aktuellen Realitäten anzupassen“.

Premierminister Luc Frieden (CSV) hatte sich auf einer Pressekonferenz ähnlich geäußert. Er hatte die Ausweitung der Sonntagsarbeit im Handel verteidigt und von einer Modernisierung der Arbeitsorganisation gesprochen: „Wir tun dies für die Arbeitnehmer. Sie wollen nicht am Sonntag für nur vier Stunden nach Luxemburg kommen und dann wieder nach Lothringen fahren.“

Diese Meinung wird jedoch von seinem Vorgänger Jean-Claude Juncker nicht geteilt. Dieser plädierte im Dezember letzten Jahres für eine Rückkehr „zur Ruhe in der Gesellschaft“ und meinte, dass der Sonntag in kultureller, sportlicher und sozialer Hinsicht kein gewöhnlicher Tag sei.

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Gleiche Regeln für alle

Der betreffende Gesetzentwurf soll mehr Klarheit für den Sektor schaffen. Es existieren bereits zahlreiche Ausnahmeregelungen, die es manchen Geschäften ermöglichen, länger zu öffnen als andere. „Seit 2015 haben wir für die Hauptstadt eine Ausnahmeregelung, um in zwei Vierteln – dem Bahnhofsviertel und der Oberstadt – von 6 bis 19 Uhr zu öffnen. Es ist also bereits möglich, dass Einzelhändler, die dies wünschen, länger geöffnet haben. Aber wir sehen heute auch, dass es ungerecht ist im Vergleich zu Händlern in anderen Vierteln, die die gleichen Produkte verkaufen.“

Die neuen Öffnungszeiten sind laut Anne Darin eine „Gelegenheit, neue Kunden zu gewinnen.“ Foto: D.R.

Der neue Gesetzestext würde somit allen kommerziellen Aktivitäten die gleichen Rechte geben und „eine Form von unlauterem Wettbewerb verhindern“. Darin nennt als Beispiel Tankstellen, die von der Sperrstunde ausgenommen sind: „Neben Kraftstoff verkaufen sie immer mehr verschiedene Produkte wie Backwaren oder Süßwaren, während ein örtlicher Supermarkt nicht zu denselben Öffnungszeiten öffnen kann. Es gibt in diesem Fall sehr wohl einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Geschäftssegmenten.“

Die angekündigten Änderungen würden auch die Komplexität und den Verwaltungsaufwand für die Einzelhändler verringern, denn „Ausnahmeregelungen müssen ebenfalls lange im Voraus von repräsentativen Gremien beantragt werden“, argumentiert Darin.

Die am Sonntag gewährten Ausnahmeregelungen

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums haben zwischen 2010 und 2024 im Durchschnitt 14 Gemeinden eine Ausnahmegenehmigung erhalten, die es ermöglichte, das Geschäft sonntags zu öffnen. Im Durchschnitt beantragen jedes Jahr 35 Gemeinden dafür eine Genehmigung.

Das Ministerium erklärt, dass „in den letzten drei Jahren 80,65 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte im Handelssektor aufgrund dieser Ausnahmegenehmigung sonntags öffnen durften und somit 82,50 Prozent der gesamten Handelsfläche des Landes ausmachen“.

„Dies spiegelt eine erhöhte Nachfrage nach einer Anpassung der Öffnungszeiten im Handelssektor wider“, so das Ministerium, das wie Darin daran erinnert, dass es sich nicht um eine „Verpflichtung handelt, die den Geschäftsinhabern auferlegt wird, sondern um eine Möglichkeit, die den Händlern mehr Flexibilität und Freiheit ermöglicht, um sich an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen zu können“.

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Wir können uns nicht zu Sklaven unseres Berufs machen. Man muss auch nebenher leben.

Mitglieder des Handelsverbands in Esch

Sicherheit als das größte Problem

Die neuen Öffnungszeiten seien eine „Chance, neue Kunden zu gewinnen“ und auch, um auf den Boom des Online-Verkaufs zu reagieren, so die Direktorin des UCVL. „Wir haben heute Geschäfte, die morgens später öffnen, um abends später zu schließen. Das bedeutet nicht, dass sie länger öffnen, sondern dass sie ihre Öffnungszeiten auch aufgrund der Erwartungen der Verbraucher verschoben haben.“

In einer von der Stadt Luxemburg im Frühjahr 2024 durchgeführten Umfrage zum Bahnhofsviertel plädierten die Anwohner dafür, dass die Geschäfte länger geöffnet sein sollten.

In der gleichen Umfrage gaben über 50 Prozent der Befragten an, dass die Sicherheit ihrer Meinung nach das größte Problem sei. Anne Darin ist der Ansicht, dass „mit der Ausweitung der Öffnungszeiten in einem Stadtzentrum die Geschäftsleute durch ihre Präsenz direkt zur Sicherheit eines Viertels beitragen“.

Über den Sicherheitsaspekt hinaus sei es von entscheidender Bedeutung, von einem Geschäftsmix im Viertel zu profitieren, erklärt sie. Zudem geht sie davon aus, dass die Ausweitung der Öffnungszeiten eine bessere Übersichtlichkeit bieten wird, um neue Geschäfte bei der Erstellung ihres Businessplans anzuziehen, im Gegensatz zu Prognosen, die auf jährlichen Ausnahmeregelungen beruhen. „Das ist nicht sehr beruhigend, wenn man expandiert, während man mit einem festen Rahmen mehr Sicherheit hat.“

Freien Tag beibehalten

Nicolas Kremer, der Handelsvertreter in Esch-sur-Alzette, zeigt sich weniger begeistert von den angesprochenen neuen Maßnahmen. Für ihn kommt es nicht infrage, die Öffnungszeiten seines Familiengeschäfts zu ändern. „Ich sehe keinen Sinn darin, es sei denn, man ist ein großer Supermarkt, der Mühe hat, Personal zu finden, das nur für vier Stunden zur Arbeit kommt. In diesem Fall kann ich das verstehen. Aber ansonsten ziehe ich es vor, dass meine Angestellten noch einen freien Tag haben“, antwortet der Geschäftsführer des Juweliergeschäfts Hirsch-Glesener.

Doch einzelne Geschäfte oder kleine Händler werden nicht das Gleiche tun können wie die großen Supermärkte, denn sie können nicht mehr Personal einstellen, um die erforderlichen Stunden zu leisten, warnt Kremer.

Wenn der Text angenommen wird, können Geschäfte unter der Woche bis 22 Uhr Kunden empfangen. „Die Frage ist, ob die Kunden bereit wären, bis zu dieser Uhrzeit einzukaufen. In Esch haben wir schon einmal versucht, eine Nachtschicht einzuführen. Das war immer zum Scheitern verurteilt, weil die Leute abends von der Arbeit nach Hause kommen und keine Lust haben, noch bis 22 Uhr einzukaufen.“

Er weist auch auf die Arbeitsbedingungen der Angestellten in einem solchen Fall hin: „Stellen Sie sich vor, Sie wären Verkäufer oder arbeiten in großen Supermärkten, die um 22 Uhr schließen, sodass Sie um Mitternacht nach Hause gehen müssten. Das ist schon ein wenig gewagt!“

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Gemeinden werden nicht attraktiver

Sind längere Arbeitszeiten ein Garant für höhere Umsätze? Nicolas Kremer glaubt nicht daran. Er geht sogar davon aus, dass die Regierung diese Maßnahmen wieder rückgängig machen wird. Zudem bedauert er, dass die Einzelhändler nicht vorher konsultiert wurden.

Was halten die Mitglieder des Handelsverbands in Esch von diesem Gesetzesentwurf? „Wir haben noch nicht wirklich darüber diskutiert, weil es für sie im Moment nicht existiert. Wir können nicht noch mehr arbeiten, als wir es ohnehin schon tun, und uns zum Sklaven unseres Berufs machen. Man muss trotzdem auch nebenher leben.“

Die Ausweitung der Öffnungszeiten wird die Gemeinde Esch nicht attraktiver machen, meint Kremer, der darauf hinweist, dass es jetzt weniger leer stehende Geschäfte gibt als früher. Anders als in Luxemburg-Stadt ziehen die Geschäfte in der zweitbevölkerungsreichsten Stadt des Landes nicht die gleiche Kundschaft an. „Wenn ich in einer Touristenstadt wie Luxemburg wäre, würde ich Ihnen etwas anderes sagen. Die arbeiten viel mit Touristen oder mit Grenzgängern, wir sind nur Einheimische, das ist ein großer Unterschied.“

2018 untersuchte die Forschungseinrichtung LISER die Arbeitsorganisation und Öffnungszeiten im Einzelhandel. In dieser Umfrage gaben 40 Prozent der befragten Angestellten an, dass familiäre Verpflichtungen es ihnen nicht erlauben würden, am Sonntag zu arbeiten. Die Umfrage ergab auch, dass die Lohnzuschläge der Hauptgrund dafür sind, dass Arbeitnehmer am Sonntag arbeiten (58 Prozent). 45 Prozent der Arbeitnehmer, die sonntags arbeiten müssten, gaben an, dass sie Angst haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie sich weigern. Rund 80 Prozent ziehen es vor, an diesem Tag nicht zu arbeiten.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Virgule. Übersetzung und Bearbeitung: Melanie Ptok.