Publiziert27. Januar 2025, 20:57

Klimawandel: Studie warnt vor Millionen Hitzetoten in Europa

Noch sterben in Europa mehr Menschen an Kälte als an Hitze. Doch das könnte sich ändern. Besonders eine Region könnte betroffen sein.

Besonders der Mittelmeerraum könnte davon betroffen werden.

Besonders der Mittelmeerraum könnte davon betroffen werden.

Petros Giannakouris/AP/dpa

Extreme Temperaturen in Europa könnten bis zum Ende des Jahrhunderts einer Studie zufolge bis zu 2,3 Millionen Menschen das Leben kosten. Vor allem Hitze werde für die Menschen lebensgefährlich, wenn der Kohlendioxidausstoß nicht zurückgefahren und die Kommunen den höheren Temperaturen nicht angepasst werden, heißt es in der Untersuchung, die am heutigen Montag in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht wurde. Das treffe besonders den Mittelmeerraum.

Gegenwärtig sterben in Europa weitaus mehr Menschen an Kälte als an Hitze. Mit zunehmender Klimaerwärmung werde die Zahl der Kältetoten zwar abnehmen, die der Hitzetoten aber schnell steigen, fand ein Team der London School of Hygiene and Tropical Medicine heraus, das mithilfe von Klimasimulationen verschiedene Szenarien durchgespielt und die Todesraten in 854 Städten untersucht hat. Der Rückgang der Kältetoten komme vor allem Nordeuropa und den Britischen Inseln zugute. Dagegen werde die Zahl der Hitzetoten in Italien, Südspanien und Griechenland stark zunehmen.

Falls die Kohlendioxidverschmutzung nur geringfügig schlechter ist als die derzeitigen Trends und die Kommunen sich nicht auf steigende Durchschnittstemperaturen vorbereiten, dürfte die Zahl der Kältetoten um knapp 3,5 Millionen zurückgehen, die der Hitzetoten aber um 5,8 Millionen steigen, haben die Verfasser errechnet. Aber selbst in den optimistischsten Szenarien – mit einer drastischen Reduzierung der Kohlendioxidemissionen aus Kohle, Öl und Gas und einer massiven Steigerung der Anpassungsmaßnahmen – werde es einen Nettoanstieg der temperaturbedingten Todesfälle geben, weil die Temperatur auch dann noch etwas steige, sagte der Hauptautor der Studie, der Umweltepidemiologe und Statistiker Pierre Masselot.

Allgemeinen schneide das wohlhabende Westeuropa besser ab als Osteuropa, sagte er. Doch vor allem im Mittelmeerraum werde sich die zunehmende Hitze schmerzhaft bemerkbar machen. «Der Mittelmeerraum ist ein sogenannter Klima-Hotspot», sagte Masselot. «Es ist eine Region, die sich viel schneller erwärmt als der Rest der Welt.»

Vorsichtsmaßnahmen müssen getroffen werden

In Großstädten der Gegend könnte es besonders heftig werden. Barcelona könne im schlimmsten Fall fast eine Viertelmillion zusätzlicher temperaturbedingter Todesfälle zu beklagen haben, während Rom und Neapel fast 150.000 Todesfälle erwarten müssten, heißt es in der Studie.

Masselot sagte, viele Wohnungen in Europa seien schon älter und es gebe nur wenig Klimaanlagen. Um die prognostizierten Todeszahlen in Grenzen zu halten, müssten unter anderem zentrale Lüftungsanlagen, mehr Grünflächen und Kühlzentren eingerichtet werden.

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(dpa)