Wenn im traditionsbewussten Wien am Ende einer Klassikerpremiere kaum gebuht wird, lässt sich fast von einem Triumph sprechen. Gestern Abend durfte sich das Publikum der Wiener Staatsoper in sehr großen Teilen über eine neue „Zauberflöte“ in der Handschrift der jungen tschechischen Regisseurin Barbora Horakova freuen.

Horakova betrachtet dieses große wie rätselhafte Werk von Wolfgang Amadeus Mozarts, das zwischen Aufklärungsidealen und Alt-Wiener Volkskomödie pendelt, mit fast kindlich staunenden Augen. Sie lässt ihr Publikum eintreten in einen Raum voller Erwartungsschimären, die im Hintergrund in Kreidezeichnung an den Wänden tanzen.

Tamino im Haus der neuen Zauberflöte

Wr. Staatsoper / Michael Poehn

Willst du mit in den Alltag?

Diese „Zauberflöte“ badet nicht in den Bilderwartungen im Schatten eines Karl Friedrich Schinkel, der die Königin der Nacht einst in den zentralperspektivischen Sternenkreis stellte. Eher sucht Horakova mit der Königin im Mehrfamilienhaus den Weg aus der Welt eines verdeckten Traumas retour in den Alltag.

Das Haus dieser „Zauberflöte“ gemahnt an Wagners Villa Wahnfried und Hitchcocks „Psycho“. Und so müssen sich die Helden der Oper sehr lange zurechtfinden in ihrem Auftrag. Böse Zungen könnten behaupten, der Tamino dieser Inszenierung suche neben dem altbayrischen Spaß-Papageno (Ludwig Mittelhammer) am längsten. Tamino Julian Pregardien liebte mehr den sensiblen Liebenden als den Kämpfer für die Liebe.

Srastro fährt auf dem Mond in die Bar hinab

Wr. Staatsoper / Michael Poehn

Slavka Zamecnikova als Pamina und Serena Saenz als stimmsichere Königin der Nacht waren die Stars des Abends. Wagner-Experte Georg Zeppenfeld als Sarastro führte in die Welt der „Eingeweihten“ und ließ das Publikum neugierig auf die Freimaurerriten blicken, die hier etwas von einer nordkoreanischen Tischgesellschaft inmitten eines Edward-Hopper-Bildes hatten.

Am 7. Februar (21.20 Uhr, ORF2 und ORF ON) ist die neue „Zauberflöte“ mit umfassender Begleitung auf ORF Topos nachzuerleben.