EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen empfing zu diesem „strategischen Dialog“ Führungskräfte der Autoindustrie sowie Gewerkschaften. Im Fokus stand dabei vor allem die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Autosektors angesichts der Umstellung auf E-Autos und der Konkurrenz aus China sowie des Drucks aus den USA. Wie sich das niederschlägt, zeigen auch aktuelle Zahlen neu zugelassener E-Autos aus weltweit 21 Märkten, die am Montag von der Beraterfirma PwC veröffentlicht wurden.
Global gesehen wurden 2024 insgesamt mehr als zehn Millionen reine Elektroautos und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr verkauft. Klar an erster Stelle bleibt dabei China mit 6,7 Mio. verkauften E-Autos, was einem Plus von 20 Prozent entspricht. Allein im Dezember 2024 seien dort 890.000 E-Autos abgesetzt worden, mehr als doppelt so viele wie in Deutschland im gesamten Jahr. Allerdings müssen die Zahlen auch in Relation der Bevölkerung gesehen werden: China hat fast 17-mal so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie Deutschland.

ORF/Christian Öser
Um die CO2-Vorgaben einzuhalten, müssen heuer deutlich mehr E-Autos verkauft werden
Auf Platz zwei folgen die USA mit 1,2 Mio. verkauften Elektroautos, was einem Plus von 7,4 Prozent entspricht. Deutschland fällt dagegen knapp hinter Großbritannien auf Platz vier zurück, weil sein Elektroautomarkt nach dem Wegfall einer Kaufprämie vergangenes Jahr um 27 Prozent auf 381.000 Autos eingebrochen war. Die Schwäche Deutschlands bremse dabei die „Dynamik des gesamten EU-Marktes aus“, heißt es in der Auswertung weiter.
Hersteller unter Druck
Auch auf anderen europäischen Märkten wie Frankreich, Österreich, Italien, der Schweiz und Schweden ging es mit dem Verkauf von Elektroautos nach unten, die Rückgänge fielen dort auf niedrigerer Basis aber milder aus als in Deutschland. In Österreich wurden 2024 44.622 neu zugelassen, was einem Minus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zuletzt mitteilte.
Die schlechte Entwicklung bringt die E-Auto-Hersteller in Europa zunehmend unter Druck. Denn diese müssen heuer deutlich mehr E-Autos verkaufen, um die sinkenden CO2-Flottengrenzwerte, die im Zuge des „Green Deal“ der EU-Kommission festgelegt worden sind, einzuhalten. Dabei handelt es sich um Vorgaben für die Autobauer, wie viel Kohlenstoffdioxid die von ihnen produzierten Neuwagen im Schnitt höchstens ausstoßen dürfen. Bei Nichteinhaltung der Grenzwerte drohen hohe Strafzahlungen.
Mehrere Hersteller, darunter VW und Renault, sind bei der Einhaltung der Grenzwerte derzeit nicht auf Kurs. Andere Autobauer wie BMW und der Stellantis-Konzern, zu dem Fiat, Peugeot und Opel gehören, lehnen eine Aufweichung der EU-Regeln hingegen ab, weil sie sich ausreichend vorbereitet sehen.
Sinkende Preise erwartet
Durch den Verkaufsdruck einiger Hersteller könnten auch die Preise für E-Autos fallen. Dank der CO2-Grenzwerte würde EU-weit der Verkauf von E-Autos forciert, wie es vom VCÖ gegenüber ORF.at heißt. Durch weitere E-Auto-Modelle, die heuer neu auf den Markt kommen, werde es ein größeres Angebot und somit mehr Wettbewerb zwischen den Herstellern geben. Das bedeute wiederum für die Endkundinnen und -kunden mehr Rabatte und somit sinkende Preise, heißt es.
Die Preisentwicklung und die Verkaufszahlen dürften allerdings auch davon abhängen, wie die ersten Monate heuer laufen. Expertinnen und Experten gingen davon aus, dass die Preise für E-Autos weiter fallen dürften, „je näher das Jahresende und damit die Frist für die Flottenziele rückt“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“) schreibt.
Verbrenner immer noch attraktiver
Wenn man E-Autos mit Verbrennern vergleicht, zeigt sich, dass erstere in der Anschaffung allerdings immer noch deutlich teurer sind – auch wenn Berechnungen des deutschen Center for Automotive Research (CAR) am Beispiel Deutschland zeigen, dass die Preisdifferenzen zurückgehen. Zudem schreckt viele auch die teilweise noch zu geringe Reichweite sowie die Sorge über zu schlecht ausgebaute Ladeinfrastruktur ab.
An die hohen Preise knüpft auch der Autofahrerclub ÖAMTC mit seiner Kritik an. Bei allen Entwicklungen müssten in erster Linie immer die Endkundinnen und -kunden mitgedacht werden, wie es gegenüber ORF.at heißt. Daher müsse vor allem der Gebrauchtwagenmarkt mit zielgerichteteren Maßnahmen gestärkt werden. Hier dominieren nach wie vor Diesel-Pkws. Vor allem die hohen Kosten bei Batterietäuschen würden hier noch viele Käuferinnen und Käufer abschrecken, heißt es.
Gegenwind für EU-Kommission
Großer Streitpunkt bleiben jedoch vor allem die CO2-Flottenziele der EU und die damit drohenden Strafzahlungen. Die europäische Autolobby (ACEA) ging dabei im Dezember von potenziellen Strafzahlungen von 15 Mrd. Euro aus. Die Europäische Volkspartei (EVP) um die deutsche CDU/CSU fordert eine Abkehr vom „Verbrenner-Aus“. Neben Elektroautos solle die EU auf Hybridantriebe sowie auf Verbrenner mit Biokraftstoffen und E-Fuels setzen.
Die EVP will erreichen, dass die EU-Kommission eine für 2026 geplante Überprüfung des Gesetzes vorzieht und das Aus für Verbrennermotoren bereits heuer kippt. Dem hatte Klimakommissar Wopke Hoekstra zuletzt jedoch eine Absage erteilt. Auch von der Leyen hatte wiederholt betont, die Kommission halte an den gesetzten Klimazielen fest – darunter auch das beschlossene Verbot für Verbrennermotoren ab 2035. Allerdings räumt die Kommission „Verbrennern“ mit E-Fuels zukünftig eine Rolle ein.
Deutschland-Wahl als Faktor
Ob ein mögliches Aus für ein Verbot von Verbrennermotoren bzw. eine Aufweichung bestehender Beschlüsse damit aber wirklich vom Tisch sind, bleibt offen. Die Kommission prüfe zunächst eigenen Angaben zufolge, wie sie mögliche Strafzahlungen wegen verfehlter CO2-Grenzwerte abmildern kann. Von der Leyen will dazu nach dem Dialog vom Donnerstag Anfang März einen Aktionsplan zur Unterstützung der Autoindustrie vorlegen.
All das ist aber vor allem auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass in Deutschland in etwas mehr als drei Wochen ein neuer Bundestag gewählt wird. Die in Umfragen stärkste Partei CDU/CSU, die gemeinsam mit ihrer europäischen Mutter EVP eine der größten Gegnerinnen eines „Verbrenner-Aus“ ist, könnte nach der Wahl den nächsten Bundeskanzler stellen und damit auf EU-Ebene den Ton angeben. Wie sich die europäische Klimapolitik dann weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten.