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Wladimir Putin und ein Schnellboot der russischen Marine in Tartus.

Auch wenn die Tage russischer Marine-Präsenz im syrischen Tartus wohl gezählt sind, hat Wladimir Putin offenbar bereits einen neuen Standort im Blick. © SNA/Imago; Montage: RUHR24

Putin muss die Marienbasis im syrischen Tartus nach dem Sturz von Assad wohl räumen. Eine neue Mittelmeerbasis ist aber offenbar bereits gefunden.

Tartus – Der Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad markiert das Ende einer Ära für Russlands militärische Präsenz im östlichen Mittelmeer. Satellitenbilder und Berichte deuten nach ZDF-Angaben auf einen hastigen Abzug von Putins Streitkräften aus dem strategisch wichtigen Marinestützpunkt Tartus hin. Doch eine neue Basis könnte bald schon gefunden sein – und zwar direkt vor Europas Haustür.

Putins Rückzug aus Syrien: Neue Marinebasis kommt NATO bedrohlich nahe

Tartus war jahrzehntelang Russlands einziger direkter Zugang zum Mittelmeer und spielte eine Schlüsselrolle für Moskaus Einfluss in der Region. Nach dem Sturz Assads, einem engen Vertrauten Putins, fährt die neue syrische Übergangsregierung unter Präsident Ahmed al-Schara einen neuen Kurs.

Sie machte nach Angaben von Euronews deutlich, dass sie keinen Grund für eine weitere russische Militärpräsenz im Land sieht. „Ich denke, dass Russland seine Präsenz auf syrischem Territorium und seine Interessen überdenken sollte“, sagte Obeida Arnaout, Sprecher der Übergangsregierung. Schließlich seien Putins Interessen „mit dem kriminellen Assad-Regime verbunden“ gewesen.

Bereits seit Ende 2024 mehren sich die Berichte darüber, dass Putin seine Flotte aus Tartus zurückzieht. Und obwohl russische Staatsmedien von „Garantien“ für die Sicherheit der Stützpunkte sprechen, bleibt die langfristige Zukunft der russischen Militärbasen in Syrien laut übereinstimmenden Medienberichten höchst ungewiss. Daran ändert wohl auch die Tatsache nichts, dass eine russische Delegation am Dienstag (28. Januar) Syriens neue Machthaber besucht hat.

Nach Putins Rückzug aus Syrien: Neue Marinebasis könnte in Libyen entstehen

Was in Europa und bei den Nato-Mitgliedsstaaten allerdings für Stirnrunzeln sorgen könnte: Putins Blick richtet sich nun offenbar verstärkt auf Libyen. Das nordafrikanische Land, das seit dem Sturz Gaddafis 2011 von Instabilität geprägt ist, könnte Russland eine neue Möglichkeit bieten, seine Präsenz im Mittelmeerraum aufrechtzuerhalten.

Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto hat laut der Nachrichtenagentur ANSA erklärt, Russland verlagere militärische Ressourcen von seiner Basis in Tartus, nach Libyen. Crosetto äußerte Bedenken über die mögliche Präsenz russischer Schiffe und U-Boote in unmittelbarer Nähe zu Italien. Das geht aus einem Bericht des Online-Magazins Defence News hervor.

Nach Assad-Sturz: Putin intensiviert offenbar Verhandlungen mit libyschem Warlord

Tatsächlich könnte die Nähe zu Europa für Russland einer der entscheidenden strategische Vorteile Libyens sein. Die potenziellen neuen Putin-Häfen in Benghazi und Tobruk liegen nur wenige hundert Kilometer von Italien und Griechenland entfernt (mehr Politik-News bei RUHR24).

Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der eine Verlegung russischer Streitkräfte in das nordafrikanische Land wahrscheinlich macht. Putin unterstützt bereits den einflussreichen libyschen General Khalifa Haftar im Osten des Landes.

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Er ist ein Warlord, der in Rivalität zur libyschen Regierung in Tripolis steht und nach ARD-Informationen bereits mehrfach zu Gesprächen in Moskau war. Tatsächlich berichtete die TAZ Ende 2024 unter Berufung auf französische Militärexperten über Verhandlungen zwischen Russland und Haftar über eine mögliche Marinebasis an der libyschen Küste.

Verlegt Putin russische Streitkräfte nach Libyen in die Nähe der NATO?

Der Wechsel nach Libyen ist jedoch nicht ohne Risiken. Das Land bleibt politisch gespalten, und die Etablierung einer dauerhaften russischen Militärpräsenz könnte auf Widerstand stoßen – sowohl innerhalb Libyens als auch von westlichen Mächten.

Ob aus dem „Syrien-Express“ tatsächlich ein „Libyen-Express“ wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass Russland bestrebt ist, seinen Einfluss im Mittelmeerraum aufrechtzuerhalten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Putin in Libyen den strategischen Ersatz für den verlorenen Stützpunkt in Syrien finden kann.