Mit dem Stapel an präsidialen Verordnungen, die er am ersten Tag seiner Amtszeit unterschrieb, hat US-Präsident Donald Trump deutlich gemacht, wie er sich Innenpolitik vorstellt: „Ich entscheide, Ihr folgt“, könnte man seinen Ansatz beschreiben. Demokratische Gepflogenheiten, die gemeinsame Suche nach der besten Lösung für ein gemeinsam identifiziertes Problem, sind seine Sache nicht. Trump liebt es seine Macht zu demonstrieren.

Nicht anders verhält er sich in der Außenpolitik, wenn er auf die (wirtschaftliche) Macht seines Landes setzt. Konkret: auf Importzölle. Die Trump’sche Logik dahinter: Schon wenn er nur damit droht, erbringen die anderen Staaten eine Leistung, ohne dass die USA eine Gegenleistung erbringen müssen. Der US-Präsident setzt ein wirtschaftspolitisches Instrument also nicht zum Schutz eigener Märkte ein, sondern um politischen Gehorsam zu erzwingen.

„Denn europäische Zölle auf US-Waren würden die US-Wirtschaft ebenso hart treffen wie andersrum.“

Trump wird, daran hat er keinen Zweifel gelassen, dieses Spiel auch mit der EU versuchen. Die aber ist neben China die einzige Wirtschaftsmacht, die Trumps Drohkulisse etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen hätte. Denn europäische Zölle auf US-Waren würden die US-Wirtschaft ebenso hart treffen wie andersrum. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat deshalb eigentlich gute Karten in der Hand, wenn sie mit adäquaten Antworten droht.

Leider wird Trump sich davon nicht beeindrucken lassen. Zu sehr ist er von der Wirksamkeit seines Lieblingsspielzeugs überzeugt. Der Handelskrieg könnte also hässlich werden und die EU zudem vor eine echte, zusätzliche Zerreißprobe stellen. Trotzdem muss man hoffen, dass sie standhaft bleibt.