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Die Ukraine will ihre Partnerschaft mit den USA vertiefen. Unter anderem geht es um seltene Rohstoffe und LNG. Europa könnte massiv profitieren.

Kiew – Die Angst vor der nächsten Energiekrise geht um. In einigen europäischen Ländern liegt das an ausbleibenden Gaslieferungen aus der Ukraine. Beim Europa-Nachbar Moldau war es Anfang Januar besonders schlimm; zehntausende Bürger der östlichen Region Transnistrien konnten nicht heizen. Die Ukraine hat nun einen neuen Vorschlag vorgelegt, um Europas Energieversorgung abzusichern. Dabei spielt US-Präsident Trump eine entscheidende Rolle.

„Großes Potenzial für Einkäufe aus den USA“ – Ukraine will LNG aus den USA lagern

Die Ukraine will zu einem zentralen Energie-Knotenpunkt für Europa werden. Unter anderem würde das die Lagerung von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) aus den Vereinigten Staaten vorsehen, das die Ukraine in ihren Untergrund-Einrichtungen einlagern will. Das soll die bilaterale Kooperation und Europas Energiesicherheit zugleich stärken, teilte der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha am 5. Februar bei einer Pressekonferenz mit. „Ukraine hat mächtige Untergrund-Gasspeicher, und wir haben das Potenzial für eine enge, beidseitig vorteilhafte Kooperation in diesem Bereich“, zitierte ihn das Nachrichtenportal Kyiv Independent.

Wolodymyr Selenskyj in Polen.

Mega-Kooperation mit den USA – So will die Ukraine Europas Energie sichern © IMAGO / NurPhoto

Sybihas Bemerkungen kommen zu einem interessanten Zeitpunkt. Nur wenige Tage zuvor hatte der US-Präsident Donald Trump davon gesprochen, einen Deal mit der Ukraine bezüglich der massenhaft im Land befindlichen Seltenen Erden und anderer Ressourcen abschließen zu wollen. Laut Sybiha müsse ein solcher Deal nicht bei Seltenen Erden enden – stattdessen könnten Energiespeicherungen die Beziehungen zwischen den beiden Ländern als weitere Schlüsselkomponente erweitern. Kiew hätte hier die Chance, ein Garant für europäische Energiesicherheit zu werden. Gleichzeitig hätten US-Unternehmen bessere Chancen, um in das ukrainische Gastransportsystem zu investieren.

„Die gemeinsamen Interessen und die Kooperation ist nicht auf diese Ressourcen begrenzt“, sagte Sybiha weiter. „Zum Beispiel sehen wir ein großes Potenzial für Einkäufe von LNG aus den USA – insbesondere, nachdem wir den russischen Gastransit durch das Gebiet der Ukraine beendet haben.“ Eine solche strategische Entscheidung würde transatlantische Beziehungen stärken und die Ukraine zu einem „Energie-Knotenpunkt“ für die Energiesicherheit der ganzen Region machen.

Ukraine stoppt Gas-Transit aus Russland – es geht um Milliarden

Damit spielt Sybiha auf den viel diskutierten Liefervertrag zwischen der Ukraine und Russland an, der zum Ende des Jahres 2024 ausgelaufen war. Dieser hatte den Transit von russischem Gas durch ukrainische Pipelines erlaubt. Von diesem Gas hatten viele europäische Länder profitiert – darunter vor allem Ungarn, die Slowakei und Österreich. Allerdings war auch die moldauische Region Transnistrien auf diese Lieferungen angewiesen.

Die Ukraine hatte früh zu verstehen gegeben, dass sie Russlands Gewinne aus dem Gasexport nicht mehr fördern wolle. Gas und Öl sind zwei der wichtigsten Exportgüter des Landes, und jeder Einschnitt bei den Exporten schadet Russlands Wirtschaft. Schätzungen zufolge sollen Russland allein durch diese Entscheidung pro Jahr rund fünf Milliarden Euro entgehen. Seit 2022 hatten sich die meisten europäischen Staaten zunehmend von diesen Pipeline-Exporten gelöst, Deutschland zum Beispiel war auf LNG aus den USA umgestiegen.

Scholz will Russland-Importe weiter zurückfahren – stattdessen soll LNG aus den USA kommen

Ein Problem dabei: Auch Russland liefert LNG. Ein Teil davon landet nach wie vor in Europa. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich auch hier bereits den USA zugewandt. „Mit Blick auf die Einnahmen aus dem Gasgeschäft wäre es gut, wenn LNG-Importe aus Russland weiter zurückgingen“, hatte er im Interview mit dem Handelsblatt gesagt. „Seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine versuchen wir, dafür zu sorgen, dass Russland für seine Energieexporte möglichst wenig Geld einnimmt.“

Scholz äußerte sich positiv dem Weiterausbau der LNG-Terminals für Flüssiggas aus den USA gegenüber. Trumps LNG-Offensive ist für den Kanzler eine gefundene Lösung, um sich weiter von Russland und seinen Ressourcen zu entkoppeln. Gleichzeitig ist hier jedoch auch Balance gefragt. Das finden jedenfalls Umweltverbände, die zuletzt vor einer neuen Abhängigkeit gewarnt haben – diesmal aber nicht von Russland, sondern von den USA und ihren LNG-Lieferungen.

Unter dem neuen Präsidenten Trump sollen die USA ihre Mühen im Bereich Öl und Gas massiv ausweiten. Schon im Wahlkampf hatte Trump das Motto „Drill, Baby, drill“ vorgegeben – und einen nationalen Energienotstand ausgerufen.