Die Buslenker und Buslenkerinnen hätten teilweise bei Pausen kein WC zur Verfügung, kritisiert Reinhard Stemmer von der Gewerkschaft VIDA. Die Schichten seien bis zu 15 Stunden lang, aber teils sei nur ein Bruchteil von der ganzen Schicht bezahlt.
Es gebe keinen Nachtzuschlag oder dieser gelte nur von 0.00 bis 5.00 Uhr, bei anderen Berufen gelte er dagegen von 22.00 bis 6.00 Uhr. Sonn- und Feiertagszuschlag gebe es keinen, so Stemmers Kritik.
Bessere Arbeitsbedingungen statt Mangelberufsliste
Eine weitere Forderung der Gewerkschaft: Der Beruf müsse von der Liste der Mangelberufe weg. „Durch diese Aufnahme in der Mangelberufsliste steht den Unternehmen die Möglichkeit frei, dass sie Personen von Drittstaaten als Buslenker einsetzen. Das heißt aber auch, dass sie total abhängig vom Arbeitgeber sind. Und wenn die Arbeitsleistung nicht so passt, dann kann der Arbeitgeber sagen, du bist mit Monatsende wieder weg.“ Diese Menschen hätten aber in der Heimat alles aufgegeben und seien „natürlich gewillt, alle Arbeiten und teilweise auch über die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinaus zu machen“, so Stemmer.

ÖGB Vorarlberg
vida-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer und Mirsada Dizdarevic, stv. Betriebsratsvorsitzende ÖBB Postbus GmbH
Bis zu 15 Prozent fehlen
In Vorarlberg würden etwa zehn bis 15 Prozent an Busfahrern und Busfahrerinnen fehlen. „Was natürlich dazukommt, ist, dass der öffentliche Verkehr immer weiter ausgebaut werden soll und wir da dann viel zu wenig Leute haben“, so Stemmer. Dazu komme der Stress und der zunehmende Verkehr. „Dann haben wir erst recht Ausfälle.“
Warnstreiks angedroht
Am 17. Februar wird der Kollektivvertrag weiterverhandelt. Komme es dann zu keiner Einigung, werde es ab 20. Februar zu einem ersten Warnstreik kommen, sagt Stemmer. „Der Zuspruch der Belegschaften bei den Versammlungen zu unseren Forderungen war riesig.“ Bei den Versammlungen in Feldkirch und Wolfurt kamen rund 100 Buslenker und Buslenkerinnen, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen. Dabei wurde auch die Bereitschaft zu weiteren gewerkschaftlichen Maßnahmen abgefragt. „Die Belegschaft hat sich mit überwältigender Mehrheit für gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen, also Streik, ausgesprochen.“
Arbeitgeber bieten 3,5 Prozent mehr Lohn
Die Arbeitgeberseite bedauert, dass auch nach der dritten Verhandlungsrunde keine Einigung in den KV-Verhandlungen für die Buslenker und Buslenkerinnen erzielt werden konnte, teilte die Wirtschaftskammer am Donnerstag schriftlich mit. Man habe allerdings den Mitgliedsunternehmen empfohlen, die Löhne um 3,5 Prozent zu erhöhen, was 0,6 Prozent über der Jahresinflation von 2,9 Prozent liegt.
Zusätzlich wurde eine Neuregelung der Nachtarbeitszuschläge im Linienverkehr für die Zeit von 23.00 bis 00.00 Uhr angeboten, die laut WKV zu einer weiteren Lohnerhöhung von etwa 0,5 Prozent führt. „Darüber hinaus haben wir den sofortigen Beginn gemeinsamer Gespräche mit den Verkehrsverbünden vorgeschlagen, um weitere Verbesserungen zu erzielen.“
Die Arbeitgeberseite betont, dass es faire und attraktive Arbeitsbedingungen brauche. Vorarlberg hat zudem das Problem, dass manche Busfahrer in die Schweiz abwandern, weil das Arbeiten dort attraktiver ist. Das ist auch den heimischen Betrieben bewusst.
Elke Bereuter Hehle, Fachgruppenobfrau der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, unterstreicht: „Unsere Unternehmen sind bestrebt, faire und attraktive Arbeitsbedingungen für unsere Buslenker und Buslenkerinnen zu gewährleisten. Die vorgeschlagene freiwillige Lohnerhöhung von 3,5 Prozent zeigt unser Engagement, die Leistungen unserer Mitarbeitenden anzuerkennen und ihre finanzielle Sicherheit zu stärken.“ Man appelliere an die Gewerkschaft, den konstruktiven Dialog fortzusetzen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für die Herausforderungen in der Busbranche zu finden.