Publiziert7. Februar 2025, 06:57
Nachgefragt: Luxemburger sorgen sich um die steigenden Energiepreise
Die Energiepreise sind im Januar nach dem Ende der Preisobergrenze sprunghaft angestiegen. In den Haushalten sorgen diese Erhöhungen für Besorgnis.


Luxemburger warten besorgt auf ihre nächste Stromrechnung.
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«Ich habe bisher 168 Euro für Strom bezahlt, also werden es jetzt wohl um die 200 sein. Und dann steigt auch noch der Gaspreis …» sagt Anabela. Deshalb habe sie angefangen, ihre Gewohnheiten zu ändern. «Ich habe Netflix gekündigt und meine gemietete Garage abgegeben. Denn wir rechnen damit, dass alles noch teurer wird. Wir haben Angst und versuchen vorzusorgen.» Ihr Mann sei der Einzige, der Geld verdient. «Aber er geht bald in Rente, dann wird es noch schwieriger», sagt sie.
Wie Anabela warteten am Donnerstag in Differdingen viele Menschen besorgt auf ihre nächste zweimonatliche Stromrechnung. Denn mit dem Auslaufen der staatlichen Preisdeckelung im Dezember 2024 ist der Strompreis im Januar 2025 um 43,9 Prozent gestiegen. Die Regierung betont, dass der Preisanstieg ohne die verbleibenden staatlichen Hilfen sogar bei durchschnittlich 60 Prozent gelegen hätte.
«Zu zweit zahlen wir normalerweise 88 Euro, das werden jetzt wohl 130 bis 140 Euro sein. Ich habe Mitleid mit Familien, die viele Personen im Haushalt haben und viele Elektrogeräte benutzen», fügt Chantal hinzu, die sich nicht wundern würde, wenn die Käufe von Elektroautos zurückgehen würden. Wegen der steigenden Kosten werden sie und ihr Partner anstatt zwei- oder dreimal im Jahr in den Urlaub zu fahren, nur noch einmal verreisen können.
Nach Angaben von Eurostat, die vom luxemburgischen Regulierungsinstitut (ILR) veröffentlicht wurden, ist der Strompreis für Privathaushalte von 0,1988 Euro pro Kilowattstunde Anfang 2021 auf 0,2029 Euro im ersten Halbjahr 2024 gestiegen, mit einem Höchststand von 0,2042 Euro im zweiten Halbjahr 2022 – so die neuesten verfügbaren Zahlen. Die staatlichen Preisdeckelungen galten vom 1. Mai 2022 bis Ende 2024. Laut ILR muss für das Jahr 2025 «eine Erhöhung um etwa 30 Prozent für diesen Verbrauchertyp eingeplant werden». Das entspräche einem Preis von rund 0,2633 Euro pro Kilowattstunde – also gut sechs Cent mehr als Anfang 2021 (plus 24 Prozent), vor Beginn des Ukraine-Kriegs.
«Es ist zu teuer», sagt Victor, der nachgerechnet hat und davon ausgeht, dass seine Rechnung um 24 Euro steigen wird. «Hoffen wir, dass es dabei bleibt, aber ich glaube nicht daran». Die Familie von Maria, deren Rechnung normalerweise zwischen 200 und 250 Euro liegt, fürchtet die Preissteigerung. «Wir müssen etwas zur Seite legen. Es wird Dinge geben, die wir uns nicht mehr leisten können. Wir sind zu viert, da müssen wir beim Budget aufpassen», erklärt sie.
«Wir haben immer gefordert, dass die Preisdeckelungen mindestens bis Ende des Jahres beibehalten werden», sagt Nico Hoffmann, Präsident des Verbraucherverbands ULC. Seinen Angaben zufolge sind die Energiepreise zwischen Dezember 2024 und Januar 2025 um insgesamt 30 bis 60 Prozent gestiegen. Und das sei noch nicht alles. «Die Regierung hat zwar eine Anpassung der Steuerklassen vorgenommen, aber angesichts dieser Preissteigerungen kann man nicht sagen, dass die Kaufkraft gestiegen ist.»
Anabela sieht die Lage differenziert: «Es wäre gut gewesen, wenn der Staat die Preisdeckelungen beibehalten hätte, aber man kann ihn nicht dazu zwingen, alles zu zahlen. Sonst rutscht er in den Abgrund – und wir mit ihm.»
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