Publiziert9. Februar 2025, 07:53
Schweiz: Paracetamol-Challenge: Schlugen die Kantone voreilig Alarm?
Die Kantone Waadt und Jura warnen vor einer gefährlichen Tiktok-Challenge, doch Experten zweifeln: Gibt es den Trend in der Schweiz überhaupt?
Die Kantone Waadt und Jura warnen vor einer Tiktok-Challenge mit Paracetamol.
Experten bezweifeln die Existenz des Trends in der Schweiz.
Ein übermässiger Konsum von Paracetamol kann schwere Leberschäden verursachen.
Die Kantone Waadt und Jura haben vor einer Tiktok-Challenge gewarnt, bei der Jugendliche absichtlich grosse Mengen Paracetamol einnehmen sollen, um einen möglichst langen Spitalaufenthalt zu provozieren.
Laut «24heures» gibt es jedoch bislang keine Hinweise, dass dieser gefährliche Trend tatsächlich in der Schweiz existiert. Experten kritisieren nun die vorschnelle Warnung der Behörden.
Die Challenge taucht seit zehn Jahren auf
Die sogenannte Paracetamol-Challenge tauche seit 2015 immer wieder in den Medien auf. Britische Zeitungen hätten bereits damals über eine mögliche Verbreitung auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram berichtet. Zuletzt habe die Polizei im Jahr 2023 erneut gewarnt, allerdings ohne bestätigte Fälle.
In der Schweiz gebe es bisher keine dokumentierten Vorfälle, die mit diesem angeblichen Trend in Verbindung stehen. Ein 17-Jähriger meldete sich bei 20 Minuten. Er hat nach eigenen Angaben die Challenge gemacht. Doch auch er hat das nicht dokumentiert.
Digitalexperte kritisiert öffentliche Warnung
Trotz der Zweifel veröffentlichten die Kantone Waadt und Jura Ende Januar eine Warnung. Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) stellte jedoch klar, dass in seinen Abteilungen bislang kein Fall bekannt sei.
Digitalexperte Stéphane Koch hält die öffentliche Warnung für problematisch. Gegenüber «24heures» sagt er: «Es gibt keine konkreten Hinweise darauf, dass diese Challenge in der Schweiz kursiert. Durch die Medienberichterstattung wird eine mögliche Falschinformation verstärkt und kann dadurch erst recht Aufmerksamkeit bei Jugendlichen erzeugen.»
«Es gibt keine konkreten Hinweise darauf, dass diese Challenge in der Schweiz kursiert.»
Digitalexperte Stéphane Koch
Auch Olivier Glassey, Spezialist für digitale Phänomene an der Universität Lausanne, sieht eine mögliche «virale Wiederbelebung». «Ein angeblicher Trend, der Jahre später erneut thematisiert wird, kann plötzlich neue Aufmerksamkeit bekommen, selbst wenn es ihn ursprünglich gar nicht gab», erklärt er.
Kantonsarzt verteidigt Warnung
Der Waadtländer Kantonsarzt Karim Boubaker verteidigt die Entscheidung, eine Warnung herauszugeben. «Die Risiken des Paracetamol-Konsums werden oft unterschätzt. Es war wichtig, Eltern zu informieren, unabhängig davon, ob dieser Trend in der Schweiz nachweisbar ist», so Boubaker. Laut dem Departement für Gesundheit und Soziales sei es zweitrangig, ob der Trend tatsächlich kursiere – die Aufklärung über Gefahren sei entscheidend. Die kantonalen Behörden im Jura äusserten sich nicht zu den Vorwürfen, voreilig gehandelt zu haben.
Ein übermässiger Konsum von Paracetamol kann schwerwiegende Folgen haben. Eine Überdosis kann die Leber nachhaltig schädigen und im schlimmsten Fall eine Organtransplantation erforderlich machen.
Tiktok in der Kritik
Challenges wie diese sind unter anderem der Grund, weshalb Tiktok in den USA ein Verbot hat. Politiker und Experten werfen der Plattform vor, gezielt Inhalte zu verbreiten, die für Jugendliche schädlich sein könnten. Der Algorithmus spüle immer wieder toxische Trends, gefährliche Challenges und problematische Schönheitsideale in die Feeds junger Nutzer. In China hingegen, wo die App als Douyin bekannt ist, unterliegt sie strengen Regulierungen. Jugendliche dürfen sie dort nur begrenzt nutzen und sehen vor allem Bildungsinhalte, Wissenschaft und patriotische Videos.
Dieser Unterschied sorgt in den USA für massive Bedenken. Viele Politiker sehen darin nicht nur eine Gefahr für die psychische Gesundheit junger Menschen, sondern auch eine mögliche Einflussnahme Chinas auf die US-Gesellschaft.
Lagere Medikamente stets ausserhalb der Reichweite von Kindern, idealerweise in einem abschliessbaren Schrank. Bewahre sie an einem kühlen, trockenen Ort auf – das Badezimmer ist wegen der Feuchtigkeit ungeeignet. Achte auf das Verfallsdatum und entsorge abgelaufene Medikamente fachgerecht in der Apotheke. Originalverpackung und Beipackzettel sollten aufbewahrt bleiben, um Dosierungs- und Warnhinweise jederzeit nachlesen zu können.
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