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Die Gaspreise in Europa schießen in die Höhe. In Brüssel wird eine frühere Notfallmaßnahme erneut in Betracht gezogen. Die Industrie äußert jedoch Bedenken.

Brüssel – Die EU sucht derzeit nach Lösungen für die steigenden Energiepreise. Die Füllstände der europäischen Gasspeicher nehmen ab, was unter anderem auf niedrige Temperaturen und fehlende Lieferungen aus der Ukraine zurückzuführen ist. Mehrere europäische Länder sind gezwungen, für den Winter 2025 mehr Flüssigerdgas (LNG) zu erwerben als in den vergangenen Jahren.

Erdgas wird massiv teuer – EU-Kommission sucht einen Ausweg

Angeblich diskutiert die EU gerade über einen neuen Gaspreisdeckel. Diese Maßnahme könnte Teil der Gespräche über den „Clean Industrial Deal“ sein, zu dem im März ein entsprechendes Dokument erwartet wird. Im Mittelpunkt des Papiers stehen die wirtschaftlichen Herausforderungen der EU, darunter auch die aggressiven Handelspraktiken des US-Präsidenten Donald Trump und die Energiewende.

Die Suncor Energy Refinery in Edmonton, Kanada.

Die Suncor Energy Refinery in Edmonton, Kanada (Symbolfoto). Der europäische Gaspreis steigt drastisch. In Brüssel kommt eine alte Notfallmaßnahme wieder ins Spiel. Davor warnt die Industrie allerdings. © IMAGO / NurPhoto

Die Erdgaspreise in Europa haben zuletzt Rekordhöhen erreicht, die höchsten seit 2022. Dies liegt teilweise an den niedrigen Temperaturen und einem Mangel an Wind, der die Produktion erneuerbarer Energien beeinträchtigt hat. Laut der Financial Times sind die Erdgaspreise in Europa drei- bis viermal höher als in den USA, was europäischen Unternehmen erhebliche Nachteile bringt.

„Weitreichende negative Konsequenzen“ – Industrie warnt vor Gaspreisdeckel

Obwohl die Gespräche über den Gaspreisdeckel noch in einem frühen Stadium sein sollen, gibt es bereits Kritik aus der Industrie. Diese befürchtet einen Vertrauensverlust in den europäischen Markt. Elf Organisationen, darunter die Energiebörsen-Organisation Europex und die Lobbygruppe für Finanzmärkte AFME, haben einen Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geschickt. Darin warnen sie: „Wir glauben, dass diese Maßnahme, sollte sie angekündigt werden, weitreichende negative Konsequenzen für die Stabilität der europäischen Energiemärkte und die Versorgungssicherheit auf dem Kontinent haben könnte.“

Der Gaspreis an der Title Transfer Facility, einem virtuellen Handelspunkt im niederländischen Gasnetz, lag zuletzt (12. Februar) bei 56,28 Euro pro Megawattstunde. Der Gasverbrauch soll im Februar um 17 Prozent steigen, vor allem aufgrund des Heizbedarfs und der Kälte im Nordwesten Europas. Die Vorräte stehen unter Druck, und Händler blicken besorgt auf die USA, wo neue Zölle die LNG-Preise erhöhen könnten, sowie auf die Diskussion um russisches Gas.

Europa kennt den Gaspreisdeckel – Deutschland hatte ihn abgelehnt

Ein Preisdeckel für Erdgas wäre für Europa nicht neu. Nachdem der Ukraine-Krieg begonnen hatte, stiegen die Gaspreise 2022 auf Rekordwerte. Im August 2022 erreichte der Preis fast 240 Euro pro Megawattstunde. Im Dezember desselben Jahres berichtete Reuters, dass sich die Energieminister der EU auf einen Preisdeckel geeinigt hatten. Dieser sollte aktiviert werden, wenn die Preise drei Tage lang über 180 Euro pro Megawattstunde blieben. Dazu kam es jedoch nicht, da die Preise bereits im September sanken und bis Januar 2023 auf 140 Euro fielen.

Deutschland hatte sich zunächst gegen diese Maßnahme gesperrt, stimmte später jedoch zu. Zwischen Herbst 2022 und Winter 2023 galten in Deutschland verschiedene Energiepreisbremsen. Private Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen mit einem Gasverbrauch von weniger als 1,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr sowie Vereine zahlten nur noch zwölf Cent pro Kilowattstunde. Für Fernwärme betrug der gedeckelte Preis 9,5 Cent je Kilowattstunde. Die Bundesregierung legte fest, dass dieser Preis für 80 Prozent des im September 2022 prognostizierten Jahresverbrauchs galt. Für den restlichen Verbrauch fiel der „normale Marktpreis“ an.