Ex-Hamas-Geisel Keith Siegel: „Terroristen traten mich, spuckten auf mich“

15.20 Uhr: Ein vor zwei Wochen aus der Gewalt der Hamas freigelassener Mann hat über die „unvorstellbaren Bedingungen“ seiner Geiselhaft im Gazastreifen gesprochen. Er sei ausgehungert und sowohl körperlich als auch emotional gefoltert worden, sagte der 65-jährige Keith Siegel in einer Videobotschaft, die das Forum der Geisel-Familien veröffentlichte. „Die Terroristen traten mich, spuckten auf mich und hielten mich fest ohne Wasser, ohne Licht und ohne Luft zum Atmen.“

Siegel, der auch US-Bürger ist, bat US-Präsident Donald Trump darum, die Waffenruhe durchzusetzen und die verbliebenen, „hilflosen Geiseln in den dunklen, kalten Tunneln in Gaza“ nach Hause zu bringen. Der US-Präsident sei der Grund, warum er lebend zurückgekommen sei.

Eine andere Hamas-Geisel, der vor knapp einer Woche freigelassene Or Levy, besuchte unterdes am Morgen den „Platz der Geiseln“ in Tel Aviv, ein Treffpunkt der Unterstützer der in den Gazastreifen Verschleppten. „Ich habe darauf bestanden, zu kommen, trotz des Widerstands meiner Familie und der Ärzte“, sagte Levy laut einer vom Forum der Geisel-Familien verbreiteten Erklärung. Sein abgemagertes und blasses Aussehen hatte nach seiner Freilassung in Israel für Entsetzen gesorgt.

Der 34-Jährige hatte erst bei seiner Rückkehr nach Israel erfahren, dass seine Frau während des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 getötet wurde. Levy habe ihr in der Geiselhaft im Geiste jeden Tag versprochen, für sie und ihren gemeinsamen Sohn stark zu bleiben, hieß es in der Erklärung weiter. Das Kind ist drei Jahre alt.

Die Mütter der kürzlich ebenfalls freigelassenen fünf Soldatinnen sagten israelischen Medien derweil, die Hamas habe die Israelinnen im Gazastreifen dazu gezwungen, sich Videos anzuschauen, die zeigen, wie die männlichen Geiseln gefoltert wurden.

Israel: Hamas feuert trotz Abkommen Rakete – Toter in Gaza

Freitag, 14. Februar, 06.43 Uhr: Kurz vor der geplanten Freilassung weiterer drei Geiseln hat die islamistische Hamas im Gazastreifen israelischen Angaben zufolge erstmals seit Beginn der Waffenruhe eine Rakete abgefeuert. Das Geschoss ging demnach innerhalb des abgeriegelten Küstengebiets nieder. Krankenhausangaben zufolge kam dabei im Flüchtlingsviertel Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens ein 14 Jahre alter Junge ums Leben. Es handele sich um eine klare Verletzung des Waffenruhe-Abkommens, erklärte ein israelischer Armeesprecher. Die Vereinbarung war am 19. Januar in Kraft getreten. 

Auch der mit der Hamas verbündeten Hisbollah-Miliz im Libanon warf Israel eine Verletzung der dort ebenfalls geltenden Waffenruhe vor. Wie Israels Armee mitteilte, bombardierten Kampfflugzeuge am Abend Einrichtungen der Hisbollah zur Lagerung von Waffen sowie Abschussanlagen. Anhänger der Schiitenmiliz blockierten derweil in der Hauptstadt Beirut Straßen in Richtung des Flughafens mit brennenden Reifen. Lokalen Medien zufolge protestierten sie dagegen, dass einem zivilen Flugzeug aus dem Iran die Landeerlaubnis verweigert worden sei.

Präsident des Obersten Gerichtshofs Israels vereidigt – Netanjahu nicht anwesend

20.15 Uhr: In Israel hat die Vereidigung des neuen Präsidenten des Obersten Gerichtshofs für Ärger gesorgt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und andere rechtsgerichtete Koalitionsmitglieder blieben der Zeremonie fern und zogen damit die Kritik des israelischen Staatspräsidenten Izchak Herzog auf sich, wie israelische Medien berichteten. In einem demokratischen Land gebe es keinen Grund, den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs zu delegitimieren, zitierte etwa die „Times of Israel“ Herzog. 

Der Richterwahlausschuss hatte Ende Januar den als liberal geltenden Juristen Izchak Amit gegen den Willen der Regierung zum neuen Präsidenten des Obersten Gerichtshofs bestimmt. Justizminister Jariv Levin kündigte daraufhin an, nicht mit Amit zusammenarbeiten zu wollen. Dem Land droht damit eine institutionelle Krise, da Justizminister und Oberstes Gericht bei der Besetzung wichtiger Posten zusammenarbeiten müssen. 

EU-Parlamentspräsidentin besucht Gaza

18.43 Uhr: Zum ersten Mal seit langem hat eine europäische Politikerin den Gazastreifen besucht. „Europa ist bereit, sein Engagement zu verstärken“, sagte EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola bei ihrer Reise. Man sei bereit, alles zu tun, damit der Waffenstillstand halte und die Geiseln freigelassen würden. Nach Angaben des Parlaments war sie die erste EU-Spitzenpolitikerin, die seit mehr als einem Jahrzehnt den Gazastreifen besuchte.

Während ihrer Nahostreise traf Metsola unter anderem mit dem israelischen Außenminister Gideon Saar zusammen. Geplant sind auch Gespräche mit Vertretern der Palästinenser und dem israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog. In Gaza machte sie sich nach Parlamentsangaben ein Bild von den humanitären Hilfslieferungen.

Hamas: Werden Geiseln wie vereinbart freilassen

11.53 Uhr: Die islamistische Hamas will am Samstag nun doch israelische Geiseln freilassen. Die Terrororganisation teilte nach Vermittlungsgesprächen in Ägypten mit, sie sei der Umsetzung der Waffenruhe-Vereinbarung mit Israel verpflichtet. Der Vereinbarung zufolge sollen drei Geiseln freigelassen werden.

Israel droht Hamas: „Tore zur Hölle werden für sie geöffnet“

Donnerstag, 13. Februar, 04.42 Uhr: Die israelische Regierung will nicht dulden, dass die Hamas vorerst keine weiteren Geiseln mehr aus ihrer Gewalt entlässt – und droht der Terrororganisation mit unerbittlicher militärischer Härte. „Wenn die Hamas die israelischen Geiseln bis Samstag nicht freilässt, werden die Tore der Hölle für sie geöffnet, genau wie es der Präsident der Vereinigten Staaten versprochen hat“, sagte Verteidigungsminister Israel Katz. „Der neue Gaza-Krieg wird sich in seiner Intensität vom vorherigen, vor der Waffenruhe, unterscheiden – und er wird nicht enden, ohne dass die Hamas besiegt und alle Geiseln freigelassen sind.“

Katz sagte nichts dazu, ob die Hamas bis Samstag alle israelischen Geiseln im Gazastreifen freilassen soll oder nur drei, wie es in den Vereinbarungen vorgesehen ist. Unterdessen führten Vertreter der Hamas nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in der ägyptischen Hauptstadt Kairo Gespräche mit den internationalen Vermittlern in dem Konflikt. Dabei geht es auch um die Frage, ob am Samstag vielleicht doch einige israelische Geiseln übergeben werden. 

Angesichts des drohenden Wiederaufflammens des Gaza-Kriegs gingen Hamas-Kämpfer laut einem Bericht des israelischen Fernsehsenders i24 News in verschiedenen Teilen des Gazastreifens wieder in Stellung. Die Führung der islamistischen Palästinenserorganisation habe die Einheiten angewiesen, keine Mobiltelefone mehr zu benutzen, um die Ortung zu erschweren.

Ägypten kündigt Wiederaufbauplan für den Gazastreifen an

Mittwoch, 12. Februar, 01.32 Uhr: Angesichts des Drucks durch US-Präsident Donald Trump hat Ägypten einen eigenen Wiederaufbauplan für den weitgehend zerstörten Gazastreifen angekündigt. „Ägypten unterstreicht seinen Willen, eine umfassende Vision für den Wiederaufbau des Gazastreifens vorzulegen, in einer Weise, die sicherstellt, dass die Palästinenser in ihrem Vaterland bleiben können und ihre Rechte gewahrt werden“, teilte das ägyptische Außenministerium auf der Nachrichtenplattform X mit.

Die Regierung in Kairo wolle mit Trump zusammenarbeiten, um einen gerechten Frieden in der Region zu schaffen, hieß es in der Stellungnahme. Die Zwei-Staaten-Lösung mit einem Palästinenserstaat an der Seite Israels sei der einzige Weg zu Stabilität. 

Netanjahu setzt Geisel-Ultimatum, Trump droht Hamas: „Hölle wird losbrechen“

18.27 Uhr: Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat der palästinensischen Terrororganisation Hamas mit einem Bruch des Waffenstillstandes gedroht, sollte diese nicht alle israelischen Geiseln bis Samstag 12 Uhr Ortszeit freilassen. „Das Militär wird zu intensiven Kämpfen zurückkehren, bis die Hamas besiegt ist“, so Netanjahu in einem Video, das am Dienstag veröffentlicht wurde.

Zuvor hatte auch US-Präsident Donald Trump eine Freilassung der Geiseln bis Samstagmittag gefordert. Ansonsten werde „die Hölle losbrechen“, hatte er angedroht.

Älteste Hamas-Geisel für tot erklärt – er hinterlässt Frau, fünf Kinder und zwölf Enkelkinder

Dienstag, 11. Februar, 10.05 Uhr: Israel hat die älteste Geisel in den Händen der islamistischen Terrororganisation Hamas für tot erklärt. Die Armee teilte mit, die Familie des 86-Jährigen sei darüber informiert worden. Schlomo Manzur war demnach am 7. Oktober 2023 während des Hamas-Massakers gemeinsam mit rund 250 weiteren Menschen in den Gazastreifen verschleppt worden. 

Er sei von der Hamas ermordet worden, teilte die Armee weiter mit. Seine Leiche werde im Gazastreifen festgehalten. Die Entscheidung, Manzur für tot zu erklären, basiere auf Geheimdienstinformationen, die über Monate gesammelt worden seien. 

Das israelische Forum der Angehörigen der Geiseln teilte mit, nach ihren Informationen sei Manzur am Tag der Entführung ermordet worden. Er hinterlässt demnach seine Frau, fünf Kinder und zwölf Enkelkinder. 

Manzur wurde dem Forum zufolge in der irakischen Hauptstadt Bagdad geboren. Als Kind habe er dort das „Farhud“ genannten Pogrom gegen Juden im Jahre 1941 überlebt. Als 13-Jähriger sei er mit seiner Familie nach Israel emigriert. Manzur gehörte zu einem der Gründer des Kibbuz Kissufim am Rande des Gazastreifens, aus dem er auch entführt wurde. 

Nach israelischen Informationen werden noch 76 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. 35 davon waren bereits für tot erklärt worden.

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