Publiziert17. Februar 2025, 06:59

Geldwäsche: Mafia-Experte sieht Luxemburg als Drehscheibe für Drogengewinne

Tut Luxemburg genug? Der «Gomorrha»-Autor Roberto Saviano sieht die luxemburgische Finanzwelt in der Verantwortung beim Thema Geldwäsche im Drogengeschäft.

Thomas Holzer

Wo Drogen sind, ist Geld. Was Luxemburg damit zu tun hat, hat der bekannte italienische Journalist Roberto Saviano, der als Mafia-Spezialist gilt und seit der Veröffentlichung seines Bestsellers «Gomorra» im Jahr 2006 unter Polizeischutz lebt, in einem Interview im französischen Fernsehen ausgeführt. Wie gewohnt analysierte er die internationalen Drogenhandelsrouten, wobei er den Fokus auf das benachbarte Frankreich legte.

«In Paris verkauftes Kokain stammt aus Peru. Es kommt über Afrika, und dann sind es die korsischen Kartelle, die das alles steuern (Anm. d. Red.: den Import nach Frankreich). Dann landet es in den französischen Häfen, wo es keine Kontrollen gibt (…). Den Handel übernehmen die maghrebinischen Dealer. Gleichzeitig sind das die Gemeinschaften, die als erste darunter leiden. Das Geld aus dem Handel fließt dann in französische Banken und nach Luxemburg. Und das wird dann in Hotels, Restaurants und Einzelhandel investiert.»

Das Interview wurde nur 24 Stunden nach einem spektakulären Drogenfund von 889 Kilogramm Kokain im Nordwesten Luxemburgs ausgestrahlt. Doch es sind nicht die Drogenströme durch das Großherzogtum, sondern der Finanzplatz, den Saviano im Blick hat. Seine Worte erinnern an die Aussagen des Kriminologen Alain Bauer, einem weiteren Experten auf diesem Gebiet, und werfen eine grundlegende Frage auf: Tut Luxemburg genug, um gegen die Geldwäsche vorzugehen?

Für die Regierung ist alles in Ordnung

Für die luxemburgische Regierung besteht darüber keinerlei Zweifel. Das Finanzministerium führt an: «Die Qualität des luxemburgischen Systems» und das «hohe Maß an technischer Konformität», die von der FATF (Financial Action Task Force), der internationalen Organisation zur Bekämpfung von Geldwäsche, anerkannt werden. Zudem führe Luxemburg regelmäßig Risikobewertungen durch, wobei die letzte nationale Bewertung gerade aktualisiert werde. In seiner Antwort verweist das Ministerium von Gilles Roth (CSV) außerdem auf die strengen Verpflichtungen der Fachleute.

Auch die CSSF, die Aufsichtsbehörde des Finanzsektors, betont, dass die Bekämpfung von Geldwäsche «eine absolute Priorität» sei. Sie verfüge über die notwendigen Ressourcen, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, und halte den derzeitigen gesetzlichen Rahmen für «angemessen», wobei dieser in naher Zukunft auf europäischer Ebene noch verstärkt werde.

«Manchmal werden wir aufgefordert, ein Auge zuzudrücken»

Angestellter in der Finanzbranche

Doch trotz der Aufhebung des Bankgeheimnisses scheint das Anti-Geldwäsche-System in der Praxis nicht immer reibungslos zu funktionieren. Angestellte im Bereich Anti-Money Laundering (AML), die dafür zuständig sind, die Kundenkonformität innerhalb der Banken zu überprüfen, berichten regelmäßig, dass sie sich «zwischen Hammer und Amboss» befänden, so die Formulierung eines Fachmanns. «Wenn wir die Dokumente anfordern, um sicherzustellen, dass der Kunde nicht verdächtig ist, sträuben sich einige dagegen, alles vorzulegen, und wenden sich direkt an die Vorgesetzten, die uns dann auffordern, ein Auge zuzudrücken.»

Angesichts des Drucks, starke Investoren zu behalten, und der Notwendigkeit, Kontrollregeln durchzusetzen, ist der Finanzplatz manchmal in der Zwickmühle. Zudem stellen die diversen Verbindungen und Zwischenhändler – von Asien über den Nahen Osten bis hin zu den Karibikinseln – eine wahre Herausforderung für die Experten dar.

«Der Markt wird immer größer»

Roberto Saviano

Es ist daher leicht vorstellbar, dass auch Kartelle und andere kriminelle Organisationen in der Lage sind, das Geld zu waschen, trotz dieser verschiedenen Kontrollschichten – etwas, was viele Akteure nicht bereit sind, öffentlich zuzugeben. «Vor kurzem wurde ein zwielichtiger Kunde ausgeschlossen», verrät ein weiterer Mitarbeiter der Branche.

Die Intensivierung der Jagd auf kriminelle Konglomerate wird letztlich von einem Umdenken und einem echten politischen Willen abhängen. Roberto Saviano schließt mit den Worten: «Alle schauen auf das, was auf der Straße passiert, aber niemand auf die Geldwäsche. Dabei wird der Markt immer größer.»

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