Neun Zähler liegt die punktegleich mit Leader Puntigamer Sturm Graz zweitplatzierte Austria bereits vor dem Erzrivalen. Dennoch will man am Verteilerkreis auch nach elf Siegen in zwölf Pflichtspielen nicht übermütig werden. Der zweifache Torschütze Dominik Fitz sprach nach der Partie aber von einer „brutalen Mentalität und Moral“.

„Es war spielerisch sicher nicht unser bestes Spiel. Aber wir waren wieder hinten, sind wieder zurückgekommen, weil wir als Mannschaft zusammenhalten“, sagte der Matchwinner. Zunächst war er vom Elferpunkt zum 1:1 (41.) erfolgreich, kurz nach der Pause legte er per Freistoß nach. Nach einem Foul von Bendeguz Bolla zirkelte Fitz den Ball in der Idealkurve ins Netz. „Ich habe mir gedacht, wenn er mir so deppert auf die Füße steigt, schieß’ ich ihn ins lange Eck“, sagte der 25-Jährige.

Fitz führt Austria zu Derby-Sieg

Dominik Fitz hat die Wiener Austria mit einem Doppelpack zu einem 2:1-Sieg im Derby gegen Rapid geführt. Für die Gäste war ein Traumtor von Mamadou Sangare zu wenig.

„Er ist das Um und Auf“

Austria-Kapitän Manfred Fischer sprach von einem „Geniestreich“ und scherzte: „Im Training habe ich den noch nie gesehen.“ Aleksandar Dragovic – der Abwehrchef („Ich spiele auch mit einem Bein und 40 Grad Fieber ein Derby“) kämpfte sich mit einem beim Aufwärmen lädierten Knöchel durch die Partie – erinnerte an die Winterpause, als Gerüchte über einen Abschied von Fitz aufgekommen waren.

„Ich habe gesagt: Im Winter keine Chance, bis Sommer muss er bleiben. Er ist das Um und Auf für die Zaubermomente“, sagte Dragovic. Sportdirektor Manuel Ortlechner verwies auf die Zahlen, Fritz hat sechs Tore erzielt, dazu kommen noch zehn Assists. „Er ist auf seiner Position statistisch gesehen der Beste in Österreich.“

Elfmeterschuss von Dominik Fitz (Austria Wien)

GEPA/Armin Rauthner

Auch vom Elferpunkt konnte Dominik Fitz am Sonntag überzeugen

Auch Trainer Stephan Helm schwärmte über Fitz und bescheinigte diesem eine gute Entwicklung. Neben seinen Toren und Vorlagen spiele Fitz in dieser Saison „extrem diszipliniert, arbeitet extrem viel. Das ist im modernen Fußball sehr wichtig und hebt ihn auf das nächste Level.“ Das nächste Level peile auch die gesamte Mannschaft an. „Ich weiß, dass die Jungs gierig darauf sind, besser zu werden. Das ist unser Antrieb“, so Helm.

„Wir schenken es her“

Bei Rapid durfte man spätestens nach dem zweiten Treffer von Fitz hadern. Die Hütteldorfer hatten durch ein spektakuläres Tor von Mamadou Sangare nach einer halben Stunde vorgelegt, verpassten aber das durchaus mögliche 2:0. Bezeichnend war eine unfreiwillige Kopfballabwehr von Dion Beljo bei einem Torschuss von Mitspieler Isak Jansson.

„Wir schenken es her. Nach dem 1:0 war das richtig gut von uns, dann zerstören wir uns diese Ausgangssituation. Das ärgert sehr“, sagte Robert Klauß. Der Rapid-Trainer war auch auf den Unparteiischen Julian Weinberger nicht gut zu sprechen, nachdem dieser beim Stand von 1:2 ein vermeintliches Vergehen des Austrianers Tin Plavotic an Louis Schaub im Strafraum nicht als Foul einstufte. Der eingewechselte Matthias Seidl sah die Austria in der einen oder anderen Situation grundlegend „cleverer“ als sein Team.

Nur ein Sieg in acht Runden

Wie gegen den WAC (1:3) gab es trotz einer Führung am Ende kein Erfolgserlebnis. In den vergangenen acht Runden hat der Conference-League-Achtelfinalist nur einen vollen Erfolg geholt. „Es bringt uns nichts, wenn wir das Spiel zweimal aus der Hand geben. Da müssen wir einfach konzentrierter sein in jeder Situation“, sagte Seidl. Der Rapid-Kapitän zeigte sich außerdem über seine „Joker“-Rolle enttäuscht. „Ich hätte gerne von Beginn an gespielt. Aber man muss Trainerentscheidungen akzeptieren.“

Klauß wollte auf seine Wechsel nicht groß eingehen. Auch den Blick auf die Tabelle verbat er seinen Spielern. „Wir sollten auf die Leistung auf dem Platz schauen. Wie gewinnen wir Spiele. Das Spiel war zu gewinnen, aber wir sind selbst schuld, dass wir es nicht gewonnen haben“, hielt der Deutsche fest.