Publiziert19. Februar 2025, 12:04

Kanton Zug: Steuerflucht: Millionär fliegt wegen Coop-Einkäufen auf

Ein wohlhabendes Ehepaar kaufte ein Haus im Kanton Zug – offenbar hauptsächlich, um Steuern zu sparen. Doch die Zürcher Steuerfahnder kamen den beiden auf die Schliche.

Letizia Vecchio

Ein wohlhabendes Ehepaar kaufte eine Villa in Zug, um Steuern zu sparen, blieb jedoch in Zürich wohnhaft.

Die Zürcher Steuerfahnder entdeckten den Betrug durch Einkaufsgewohnheiten und Wasserverbrauch.

Das Bundesverwaltungsgericht entschied zugunsten der Zürcher Steuerbehörde.

Der Fall ist Teil von 82 ähnlichen Streitigkeiten zwischen Kantonen in den letzten vier Jahren.

Es gibt nicht nur «Steuerflüchtige», die vom Ausland in die Schweiz ziehen, sondern auch solche, die innerhalb der Schweiz nach den günstigsten Bedingungen suchen, um möglichst wenig zahlen zu müssen: so auch ein Ehepaar mit Wohnsitz im Kanton Zürich. Im Jahr 2017 kauften die beiden, damals schon im Pensionsalter, für sechs Millionen Franken eine Villa im benachbarten Kanton Zug. Doch richtig dorthin gezügelt sind sie wohl nie.

Das Einfamilienhaus im Wert von drei Millionen Franken im Zürcher Säuliamt behielten die beiden, und genau das machte die Steuerbeamten misstrauisch. Sie fragten bei den Kollegen in Zug an, die den Verdacht allerdings von sich wiesen: An der Steuerpflicht des Ehepaars im Kanton Zug bestehe kein Zweifel.

Ermittler überprüften Einkaufsgewohnheiten

Das wohlhabende Ehepaar wandte sich wiederum an die Eidgenössische Steuerverwaltung – allerdings ohne Erfolg. Denn die gab den Zürchern recht. Das Ehepaar legte Beschwerde ein, der Fall landete vor dem Bundesverwaltungsgericht. Doch auch dieses entschied zugunsten der Zürcher Steuerbehörde. CH Media berichtete als Erstes über den Fall.

Um dem Ehepaar auf die Schliche zu kommen, nutzten die Ermittler verschiedene Methoden. So überprüften sie beispielsweise, wo das Paar am meisten einkaufen ging: Auffallend waren die zahlreichen Coop- und Denner-Einkäufe in Filialen nicht unweit ihres Hauses im Kanton Zürich, in Zug wurde dagegen kaum eingekauft.

Der Zügelwagen war viel zu klein

Auch der Wasser- und Stromverbrauch im Zürcher Haus sank nicht, wie es nach einem Umzug in ein anderes Haus eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Der Möbelwagen für den Umzug wurde ausserdem nur für drei Stunden angemietet, das Zügelauto war für den Hausrat eines ganzen Hauses auch viel zu klein. Auch der Festnetzanschluss in Zürich wurde beibehalten, in Zug wurde dagegen kein neuer eingerichtet.

Aber nicht nur das: Die Ermittler untersuchten sogar Fotos von Familienfeiern, um herauszufinden, wo das Paar sich am meisten aufhielt. Zudem zeigte sich das Paar nicht kooperativ gegenüber den Behörden, wenn es darum ging, Kreditkartenabrechnungen einzureichen oder genauere Auskunft darüber zu geben, wo man denn wohne. Die Summe der Indizien sprach letztlich gegen das Paar, es bleibt also in Zürich steuerpflichtig, was es deutlich teurer zu stehen kommt.

Viele Verfahren richten sich gegen Zug

Dass Kantone sich um Steuerpflichtige streiten, kommt gar nicht so selten vor: Laut CH Media gab es in den vergangen vier Jahren 82 Fälle. Meistens wollen Kantone mit höheren Steuern wohlhabende Steuerpflichtige nicht einfach so davonkommen lassen, wenn der Eindruck besteht, dass es sich um Scheindomizile in Kantonen mit niedrigeren Steuern handelt. Zug ist dabei der Kanton, gegen den sich die meisten Verfahren richten.

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