AboStarmer bei Trump –
«Äh, habe ich das gesagt?»
Ein Frieden in der Ukraine dürfe nicht den Aggressor belohnen, warnt der britische Premier in Washington. Doch Trump vertraut Putin offenbar. Angesprochen auf Selenski, gerät der US-Präsident ins Stocken.
Peter Burghardt aus Washington
Publiziert heute um 08:29 Uhr

Die Atmosphäre ist freundlich, aber der britische Premier Starmer findet beim Treffen mit US-Präsident Trump auch deutliche Worte.
Foto: Keystone
Winston Churchill ist zurück im Oval Office, also seine Büste. Nach dem Ende der Regierung von George W. Bush soll ein Exemplar in die Residenz des britischen Botschafters umgezogen sein und ein anderes in eine andere Ecke des Weissen Hauses. Aber jetzt steht ein Churchill wieder in Donald Trumps Büro, was dessen Gast am Donnerstag ausgesprochen begrüsste. Es war Keir Starmer, seit Juli vergangenen Jahres Grossbritanniens Premierminister, ein später Nachfolger des Granden.
Der Besucher aus London hatte auch etwas mitgebracht, und zwar eine Einladung von King Charles III., die sein Gastgeber umgehend annahm. Die beiden seien ja sehr eng, sagte Starmer, ausserdem habe Trumps Familie auch schottische Wurzeln. «Es ist gut, zu wissen, dass das Vereinigte Königreich eine echte Heimat im Oval Office hat», sagte er und lobte Churchills Comeback, denn: «Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Welt wirklich in Gefahr ist.»
«Stiefel auf den Boden»
Fragt sich nur, ob der grosse Brite derzeit das geeignete Symbol für Trumps Pläne mit der Ukraine ist. Der US-Präsident will den Krieg schleunigst beenden; nach dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und nun dem Briten Starmer wird an diesem Freitag auch Wolodimir Selenski in Washington erwartet. Trump und der ukrainische Präsident wollen einen Rohstoff-Deal besiegeln. Als Gegenleistung für weitere US-Hilfen soll Kiew den Amerikanern Zugriff auf Bodenschätze wie seltene Erden im Wert von mehreren Milliarden Dollar zur Verfügung stellen.
Aber was genau bedeutet das für den geplanten Frieden, drei Jahre nach dem russischen Überfall auf dieses Land? Das konnte offenbar auch beim Gipfeltreffen mit Starmer nicht geklärt werden. Jedenfalls wurde kein entsprechender Durchbruch publik, weder beim Gespräch vor dem stummen Zeugen Churchill im Oval Office noch nachher bei der gut besuchten Pressekonferenz im East Room. Soweit man weiss, lehnt Wladimir Putin etwa europäische Friedenstruppen im Falle eines Waffenstillstandes ab. Trump hatte behauptet, der russische Präsident würde sie akzeptieren.
Er denke, «wir haben grosse Fortschritte gemacht, und ich glaube, es geht ziemlich schnell voran», sagte Trump. Die Details sind weiter ein Rätsel. Sie hätten über einen Friedensplan diskutiert, «der hart und fair ist» und der verhindern solle, «dass Putin wieder an die Arbeit geht», berichtete Starmer. Sein Land sei bereit, «Stiefel auf den Boden» und «Flugzeuge in den Himmel» zu beordern. Allerdings bräuchte Europa nach gegenwärtigem Stand für Sicherheitsmassnahmen in der Ukraine Beistand der Amerikaner, wiederholte Starmer. Davon will Trump allerdings wohl nichts wissen – und der Kreml erst recht nicht.
Der US-Präsident möchte den Friedensfürsten geben und nachher die Europäer machen lassen. Kurzum, bisher ist einigermassen unklar, unter welchen Bedingungen der Krieg in der Ukraine in dauerhafte Ruhe und einen Wiederaufbau verwandelt werden könnte. Zuletzt machte sich auch bei amerikanischen Nato-Verbündeten der Eindruck breit, der US-Präsident habe in seinen Telefonaten mit Putin keine entscheidende Gegenleistung verlangt und könne die Ukraine trotz der Toten, der Zerstörung und der besetzten Gebiete vor vollendete Tatsachen stellen.
Trump nimmt Russen in Schutz
Es könne kein Frieden sein, «der den Aggressor belohnt oder gefährliche Regimes wie den Iran ermutigt», warnte Starmer. Bislang klang Trumps Initiative eher nach Chamberlain als nach Churchill, Appeasement statt Druck auf Moskau. Auch vor US- und britischen Flaggen pries Trump sein Verhältnis zu Russlands Machthaber. «Ich denke, er wird sein Wort halten», sagte er. «Ich kenne ihn jetzt schon lange.» Trump erinnerte sogleich an die Ermittlungen zur russischen Einmischung in die US-Wahlen 2016. Man habe diesen «Schwindel», wie er das nennt, gemeinsam durchgestanden. «Sie», die Russen, «haben eine Menge ertragen.»
Deutlich mehr ertragen haben seit der Invasion im Osten der Ukraine und auf der Halbinsel Krim sowie vor allem seit dem Grossangriffsbeginn 2022: die Ukrainer. Dennoch behauptete Trump kürzlich, die Ukraine habe den Krieg angefangen. Als er dann im Beisein Starmers von einem britischen Reporter gefragt wurde, ob er sich bei Selenski dafür entschuldigen werde, dass er ihn «Diktator» genannt habe, antwortete er, er habe «grossen Respekt vor ihm». Vorher erwiderte er auf eine ähnliche Frage dies: «Äh, habe ich das gesagt? Ich kann nicht glauben, dass ich das gesagt habe. Nächste Frage.»
Viele Fragen sind offen. Woher kommt Trumps Vertrauen zu Putin, der im Fall der Ukraine seit mehr als zehn Jahren alle Regeln bricht? Was würde Trumps Deal von Putin verlangen? Und welche Mineralien sind im ukrainischen Boden wo und wie zu finden? «Wir werden graben, graben, graben», sagte Trump. «Die amerikanischen Steuerzahler werden nun tatsächlich für das Geld und die Hunderte Milliarden Dollar entschädigt, die in die Unterstützung der Ukraine bei ihrer Verteidigung geflossen sind.»
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