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Der Ukraine-Krieg könnte erst der Auftakt sein. Ein Ex-Nato-General sieht bereits die nächsten Ziele Putins. Europa ist in Sorge.
London – Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump ist ungewiss, ob sich die anderen Nato-Mitglieder im Ernstfall auf die USA verlassen könnten. Das hat in Europa zu einem Umdenken geführt; jüngst haben sich die EU-Staaten auf Milliardeninvestitionen in die Verteidigung geeinigt. Einem ehemals ranghohen Nato-Funktionär zufolge ist das auch dringend nötig.
Er habe „Angst“ um unsere Zukunft, wenn wir jetzt nicht unsere Hausaufgaben machen und eine wirksame Abschreckung schaffen, so Richard Shirreff gegenüber der britischen Boulevardzeitung The Sun. „Trump hat die Bereitschaft Amerikas, die kollektive Verteidigung im Rahmen des Bündnisses zu unterstützen, was die Grundlage der Nato ist, in Zweifel gezogen – und zwar absolut“, mahnte der General a.D., der vormals stellvertretender Oberbefehlshaber der Nato in Europa war.
Putins nächstes Ziel nach dem Ukraine-Krieg: Ehemaliger Nato-General warnt vor Bedrohung durch Russland
Wenn der russische Präsident Wladimir Putin in der Ukraine durch ein von Trump vermitteltes Abkommen bekomme, was er will, bedeute dies praktisch die „Kapitulation“ des Landes. „Das gibt Putin die Möglichkeit, den Sieg zu erklären und seine Streitkräfte wieder aufzurüsten, zu regenerieren und wiederaufzubauen“, so die Sorge Shirreffs. Anschließend werde Putin „die Ukraine erledigen. Denn er wird sein Ziel, die gesamte Ukraine zu übernehmen, niemals aufgeben“.
Wladimir Putin früher: So stark hat sich der russische Präsident verändert

Als Nächstes, warnte der ehemalige Nato-General gegenüber der Zeitung, werde der russische Staatschef in Moldawien, Georgien und Rumänien einmarschieren. Diese militärischen Vorstöße werde der Kreml zunächst vorbereiten, indem er sich in Wahlen einmischt und dann jeweils eine seiner Marionetten an die Macht bringt.
Angriff auf Baltikum wahrscheinlich: Ex-Nato-General sieht Putin durch Trump ermutigt
Sobald das erreicht sei, werde Putin seinen begierlichen Blick noch weiter nach Westen richten und das Baltikum angreifen. „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass er die Nato als Flop ansieht, weil Trump dort sein Unwesen getrieben hat, und dann denkt er sich: Ich versuche es mal mit den baltischen Staaten. Und dann befinden wir uns im Krieg mit Russland, weil wir 1.000 Soldaten in Estland haben, ebenso wie die Franzosen, Deutschen und Kanadier im Baltikum“, so die Warnung des ehemaligen Militärchefs.
Von einem solchen Angriff auf die baltischen Staaten zeichnete Shirreff ein erschreckendes Bild. Es werde in etwa so ablaufen, wie in der ukrainischen Stadt Mariupol – inklusive der Deportation von Kindern, Vergewaltigungen und Massakern an Zivilisten. „Das passiert, wenn Russland angreift. Erst kommen die Raketen, dann die ganze Gewalt“, so der Ex-Nato-Chef.
Russlands „Scheinfriedensgespräche“: Lettischer Geheimdienst warnt vor neuer Kriegsstrategie des Kremls
Im Baltikum ist man sich der Gefahr bewusst. „Die offensichtliche Bereitschaft Russlands, einen Waffenstillstand zu schließen“, deute „nicht auf ein echtes Interesse an der Beendigung des Krieges“ hin, so der Direktor des lettischen Verfassungsschutzes SAB, Egils Zviedris, im Februar. Wie die französische Zeitung Le Monde berichtete, ist man in Riga der Ansicht, dass Moskau nur Zeit schinden wolle, „um seine Streitkräfte für einen viel umfassenderen Angriff auf die Ukraine oder sogar die Nato neu aufzustellen“.

Der ehemalige Nato-General Richard Shirreff warnt vor möglichen Expansionsplänen Russlands. © IMAGO/Mikhail Metzel
Solche „Scheinfriedensgespräche“ seien für Europa und die Ukraine ein langfristiges Sicherheitsrisiko. Schon jetzt handle Russland unentwegt entgegen seiner Verpflichtungen im Rahmen des Budapester Memorandums und des Misker Abkommes. Ein Friedensvertrag, bevor Russland erheblich geschwächt sei, werde nur „Moskaus Überzeugung bestärken, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Kreml seine Ziele erreicht“, so der SAB. Es deute vieles darauf hin, dass Russland auch im Jahr 2025 alles daran setzen werde, westlichen Länder und ihre Politik zu diskreditieren. Ein Einfrieren des Ukraine-Kriegs werde es Moskau zudem erlauben, seine militärische Präsenz an der Nordostflanke der Nato „innerhalb der nächsten fünf Jahre“ drastisch zu erhöhen. (tpn)