Die Separatistengruppe Balochistan Liberation Army (BLA) reklamierte die Tat für sich und drohte mit der Tötung von Geiseln, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Rund 190 Passagiere waren nach Angaben des Militärs bereits zuvor freigekommen, zahlreiche blieben jedoch in der Gewalt der Angreifer. Vonseiten der BLA war später von 50 getöteten Geiseln die Rede. Diese Zahl bestätigte das Militär nicht.
Weiter unklar bleibt, wie viele Bewaffnete am Angriff beteiligt waren und ob die Zahl der getöteten Geiseln womöglich doch deutlich höher als bisher angegeben sein könnte. In Agenturen war zunächst von rund 100 Bewaffneten die Rede – später teilte das Militär mit, dass „alle 33 Angreifer“ getötet worden seien. An Bord des Zuges befanden sich laut Militärsprecher Ahmed Sharif Chaudhry 440 Personen. Bei den getöteten Passagieren handle es sich größtenteils um Militärangehörige.

APA/AFP
Der Jaffar Express verbindet auf einer rund 1.600 Kilometer langen Strecke Quetta mit Peschawar
Gleise gesprengt und Zug gestürmt
Laut „Hindustan Times“ wurde der zwischen Quetta und Peschawar verkehrende Jaffar Express am Dienstag nahe dem Bolan-Pass angegriffen. Bewaffnete Kämpfer sprengten laut Bericht die Bahngleise und stürmten dann den blockierten Zug.
Die BLA drohte dann mit „schwerwiegenden Folgen“, sollte eine Befreiung der Geiseln versucht werden. Man sei bereit, die Passagiere freizugeben, wenn die Regierung inhaftierte Kämpfer der Gruppe freilasse, sagte BLA-Sprecher Jeeyand Baloch. Sollte die Regierung dieser Forderung nicht nachkommen, werde man die noch festgehaltenen Geiseln töten.

Reuters
Rund 350 Menschen wurden einem Agenturbericht zufolge beim Großeinsatz gerettet
Premierminister Shehbaz Shari sagte, das ganze Land sei „zutiefst schockiert über diese abscheuliche Tat“. Auch die Vereinten Nationen verurteilten die Geiselnahme. Angriffe auf Zivilisten seien nicht hinnehmbar, sagte ein Sprecher von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Mitteilung.
Bewaffneter Unabhängigkeitskampf
Die BLA ist die aktivste bewaffnete Separatistenbewegung in Belutschistan. Die Region liegt im Südwesten Pakistans an der Grenze zu Afghanistan und dem Iran und ist die ärmste Provinz des Landes. In Belutschistan kämpfen separatistische Gruppen seit Jahrzehnten gegen die Regierung. Sie verlangen die Unabhängigkeit für die rohstoffreiche Provinz sowie einen Anteil an den Gas- und Mineralvorkommen.
Häufig richten sich die Anschläge gegen ethnische Gruppen anderer Provinzen, denen die Separatisten vorwerfen, Belutschistan auszubeuten. Auch bei der Geiselnahme im Jaffar Express hätten die Angreifer nach den Ausweisen der Passagiere gefragt und nach Menschen gesucht, die nicht aus der Provinz stammen, so die AFP mit Verweis auf Augenzeugen.