Grönland gehört derzeit zu den Lieblingsthemen von US-Präsident Donald Trump, nun hat er dafür Unterstützung bei NATO-Generalsekretär Mark Rutte bei einem Treffen im Weißen Haus gesucht. Auf die Frage eines Reporters nach seinen Plänen für eine mögliche Annexion sagte Trump: „Nun, ich denke, es wird passieren.“ Trump betonte die große strategische Bedeutung der Insel und dass Dänemark sehr weit entfernt sei.

An Rutte gewandt sagte der Präsident, er habe vorher nicht darüber nachgedacht, aber er sitze ja nun mit einem Mann zusammen, der sehr hilfreich sein könnte. Rutte erklärte daraufhin, dass er sich aus der Debatte, ob die Insel Teil der USA werden sollte, raushalten wolle. Er stimmte aber zu, dass Grönland durch seine Lage eine große Bedeutung für die internationale Sicherheit habe.

Trump glaubt, dass die USA Grönland annektieren werden. Video: U.S. NETWORK POOL

Rutte und Trump pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Bereits in seiner Amtszeit als niederländischer Premier (2010–2024) galt Rutte als „Trump-Flüsterer“. „Die NATO fängt an, sich deutlich zu verbessern“, sagte der US-Präsident am Donnerstag beim ersten Besuch des NATO-Chefs im Weißen Haus. Trump überschüttete Rutte geradezu mit Komplimenten, obwohl es sein Vorgänger Joe Biden war, der dem Niederländer den Weg zur Nominierung geebnet hatte. „Er hat sehr gute Arbeit geleistet. Darüber freue ich mich sehr. Das ist der richtige Mann für den Job“, meinte der Republikaner. Er habe ebenfalls dafür lobbyiert, dass Rutte den Posten im Brüsseler Hauptquartier des Verteidigungsbündnisses übernehmen solle, sagte Trump.

Grönländischer Regierungschef: „Genug ist genug“

Auf der größten Insel der Erde hat der US-Präsident mit seinen neuen Aussagen zu einer Annexion Grönlands weiteren Ärger auf sich gezogen. „Jetzt hat der amerikanische Präsident erneut den Gedanken ins Spiel gebracht, uns zu annektieren. Das kann ich auf keinen Fall akzeptieren“, schrieb der fungierende Regierungschef Múte B. Egede auf Facebook. Er kündigte an, so schnell wie möglich die anderen Parteispitzen einberufen zu lassen, denn dieses Mal müsse die Ablehnung gegenüber Trump verschärft werden. Man dürfe nicht damit durchkommen, die Grönländer respektlos zu behandeln. „Genug ist genug“, stellte Egede klar.

Auch sein möglicher Nachfolger als Regierungschef, der Liberale Jens-Frederik Nielsen, wies die Ausführungen des US-Präsidenten zurück. „Trumps Aussage in den USA ist unangebracht und zeigt bloß einmal mehr, dass wir in solchen Situationen zusammenstehen müssen“, schrieb Nielsen auf Facebook. Im Wahlprogramm seiner Partei Demokraatit hieß es: „Grönland steht nicht zum Verkauf. Nicht heute. Nicht morgen. Niemals.“

Jens-Frederik Nielsen, Anwärter auf den Posten des Regierungschefs in Grönland. Foto: AFP

Egede hat immer wieder betont, dass seine Landsleute weder Dänen noch Amerikaner, sondern Grönländer sein wollten. Eine Umfrage hat ebenfalls gezeigt, dass eine klare Mehrheit der Inselbürger nicht Teil der USA werden wollen. Auch praktisch niemand in der grönländischen Politik ist dafür, dass die Insel zu US-Territorium wird.

Bei der Parlamentswahl auf Grönland hatten Egedes Partei Inuit Ataqatigiit (IA) und ihr sozialdemokratischer Koalitionspartner Siumut am Dienstag starke Verluste erlitten. Nielsens sozialliberale Partei Demokraatit (Demokraten) war nach einer Verdreifachung ihres Stimmanteils neue stärkste Kraft geworden. Auf Nielsen wird nun die Aufgabe zukommen, in Zeiten der Trump-Kontroverse eine neue Regierung zu bilden. Er hatte sich gegenüber Trumps Vorstoß, Grönland zu übernehmen, zunächst offen gezeigt. Nach der Drohung des US-Präsidenten, sich die Arktis-Insel wegen seiner geopolitisch wichtigen Lage und der enormen Bodenschätze notfalls sogar mit Gewalt einzuverleiben, rückte Nielsen von seiner Position ab.