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Italien ist auf der Suche nach „neuem Gold“. Auf Insel Sizilien könnte ein Schatz verborgen sein. Es gibt einen Weg dahin, behauptet eine Expertin.
Palermo – Es ist nicht alles Gold, was glänzt, heißt es. Inzwischen ist ein Wettlauf um andere Mineralien entbrannt: Seltene Erden und „kritische“ Rohstoffe. Der Krieg in der Ukraine zeigt das deutlich. In Europa gibt es sonst wenig davon. Unter der Oberfläche auf Sizilien schlummert Material, das Goldgräberstimmung entfacht. Alte stillgelegte Minen gibt es auf Insel genug.
Italien-Gebirge bis zum Ätna: Mangan, Eisen, Zink, Antimon und Phosphor Vorkommen auf Sizilien
Von Smartphones, Speicherchips bis zu Elektroautos – moderne Technologien kommen nicht ohne Seltene Erden oder „kritische“ Rohstoffe aus. Der Bedarf wächst. Vielleicht auch deshalb hat US-Präsident Donald Trump wohl auf verborgene Schätze in der Ukraine ein Auge geworfen.
Auf der Insel Sizilien weist eine Karte vom italienischen Institut für Umweltschutz und Forschung (ISPRA) verschiedenen Vorkommen wie Mangan, Phospor, Antimon, Zink und Eisen auf, berichtet die italienische Zeitung La Repubblica. Phospor sowie Antimon gehören laut einer Liste der Europäischen Union (EU), die übrigens regelmäßig überprüft wird, zu den „kritischen Rohstoffen“. Mangan wird demnach als „strategisch kritischer Rohstoff“ bezeichnet. Die Karte weckt Hoffnungen in Italien. Doch es gibt Zweifel, ob sich der Abbau tatsächlich lohnt.

Verstecken sich im Boden der Insel Sizilien – hier ein Blick auf Palermo – wertvolle Mineralien? © Mika Volkmann/Imago/Robert Michael/dpa„Diese Materialien sind vorhanden“: Italien hat Bodenschätze, die in der Ukraine umkämpft sind
Für eine Illusion hält es Giuseppe Montana, Professor für Georessourcen und Geomaterialien an der Fakultät für Erd- und Meereswissenschaften der Universität Palermo laut La Repubblica. „Diese Materialien sind vorhanden“, so der Experte. Verweist auf die Bourbonen, die aus den Bergen Silber und Blei gewonnen hatten, um ihre Münzen in Sizilien zu prägen. Es gäbe auch Spuren von Wolfram und Dutzend anderen Stoffen.
„Von hier auszusagen, dass es möglich und sinnvoll ist, diese Stoffe zu gewinnen, ist jedoch ein weiter Weg“, so Montana. Ihm zufolge gibt es zwei Faktoren zu berücksichtigen: die Kosten und die Umweltauswirkungen. Schon die Bohrungen könnten das Grundwasser verschmutzen und verseuchen. „Um Mangan zu gewinnen, müsste man zum Beispiel den gesamten Berg Kumeta in Piana degli Albanesi dem Erdboden gleichmachen. Unvorstellbar.“ Ein ähnliches Dilemma bietet sich auch auf Grönland.
Seltene Erden
Eine Gruppe von 17 chemischen Elementen stellen im Periodensystem Seltene Erden dar: Scandium, Yttrium und die Lanthanoide. Die Europäische Union hat zudem 34 kritische Rohstoffe identifiziert. 17 davon sieht die EU als strategisch wichtig an, da sie für Zukunftstechnologien wie Elektromobilität, erneuerbare Energien und Digitalisierung unverzichtbar sind.
Der Abbau von Seltenen Erden ist kompliziert und teuer. In der Natur sind die Mineralien niemals in reiner Form zu finden. Mit chemischen Stoffen wird es aus Gestein gewonnen. Dabei entstehen für die Umwelt schädliche Schlacke. Ein großes Problem. (Quelle: consilium.europa.eu)
Seltene Erden auf Sizilien – „In den stillgelegten Minen anfangen“
Laut Rosalda Punturo, Professorin für Mineralogie an der Universität Catania, gibt es Vorkommen, aber die seien wenig erforscht. Deswegen sollte sich die Forschung auf die alten, stillgelegten Minen auf Sizilien konzentrieren.
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„In Sizilien sind in der Tat keine bedeutenden Vorkommen seltener Erden verzeichnet worden“, sagte Punturo in einem Beitrag des italienischen Nachrichtensenders Rai. Doch es gäbe neben Schwefel „viele interessante Mineralien“, wie zum Beispiel Coelestin. „Das ist ein Mineral, das Strontium beinhaltet, ein Element, das zu den kritischen Rohstoffen zählt.“
Um zu sehen, ob der Abbau wirtschaftlich ist, wäre eine Neubestimmung und Zählung der Vorkommen notwendig. Auch, um ihr Potenzial zu verstehen. „Wir sollten das tun, und nicht irgendwo nach Mineralien suchen, wo keine sind.“ Unterdessen entdeckte eine norwegische Firma ein riesiges Reservoir an kritischen Rohstoffen. (ml)