Berlin. Das Fahrzeug von vier US-Infanteristen wurde in einem Sumpf entdeckt, doch noch sind viele Fragen offen. Die Soldaten gelten als vermisst.
Vier US-Soldaten werden seit Dienstag in Litauen vermisst Sie könnten bei einer taktischen Übung an der Nato-Ostflanke verunglückt seinIhr Panzer konnte metertief im Schlamm ausfindig gemacht werdenAktuell laufen aufwendige BergungsarbeitenNato-Generalsekretär Rutte musste von einer ersten Einschätzung wieder abrücken
In Litauen suchen Hunderte Soldaten und Rettungskräfte weiter nach vier amerikanischen Soldaten, die während einer Militärübung an der Nato-Ostflanke verschwunden sind. Mit einem Bagger und anderem schweren Gerät versuchen sie nach Angaben der US-Armee, das metertief in einem sumpfigen Gewässer auf dem Übungsgelände in Pabrade versunkene gepanzerte Fahrzeug der Soldaten zu bergen. Ob sich die vier Vermissten darin befinden, ist weiterhin unklar.
Nach Angaben von Einsatzleiter Ausrius Buikus kann nicht vorhergesagt werden, wie lange die Such- und Rettungsarbeiten noch dauern könnten. Die natürlichen Bedingungen im Übungsgelände seien äußerst schwierig. Das Hauptziel bestehe gegenwärtig darin, den Schlamm zu beseitigen, damit Taucher Haken an dem tonnenschweren Fahrzeug, einem M88 Hercules Bergepanzer, anbringen können, sagte der litauische Oberstleutnant einem Rundfunkbericht zufolge.
Litauen: US-Soldaten vermisst – Nato-Generalsekretär sorgt für Verwirrung
„Alle Szenarien werden noch geprüft“, sagte Verteidigungsministerin Dovile Sakaliene auf dem Truppenübungsplatz Pabrade und dementierte Berichte über den Tod der Soldaten. „Derzeit liegen keine bestätigten Informationen vor und es wurden auch keine Leichen gefunden. Daher wäre es schlichtweg falsch, zu behaupten, die Soldaten seien tot.“
Für Verwirrung hatte zuvor Nato-Generalsekretär Mark Rutte gesorgt. Nach seiner Überzeugung seien die vier vermissten Soldaten wohl ums Leben gekommen. „Wir kennen die Einzelheiten noch nicht, aber das ist eine schreckliche Information“, sagte Rutte am Rande eines Besuchs in Polen der polnischen Nachrichtenagentur PAP zufolge. Eine Nato-Sprecherin rückte dies später zurecht und schrieb auf der Plattform X davon, dass Rutte sich mit seinen Äußerungen auf neue Nachrichtenberichte und nicht auf das weiterhin nicht bestätigte Schicksal der Vermissten bezogen habe.
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Die vier US-Soldaten waren nach einer Übung auf dem Truppenübungsplatz in Pabrade nicht mehr auffindbar gewesen. Das litauische Militär und die Polizei starteten mit der US Army eine gemeinsame Suchaktion, wie die Streitkräfte der beiden Nato-Länder mitteilten. Dabei wurde ihr Fahrzeug in einem Gewässer auf dem Übungsgelände ausfindig gemacht. Pabrade liegt unmittelbar an der Nato-Ostflanke zu Belarus.
US-Soldaten in Litauen: Hegseth äußert sich auf X
Nach Angaben von Sakaliene steckt das tonnenschwere Militärfahrzeug etwa fünf Meter tief im Schlamm. „Wir können nicht bestätigen, ob sich Soldaten im Fahrzeug befinden“, sagte die Ministerin, die sich ebenso wie Regierungschef Gintautas Paluckas auf den Weg in das gut 50 Kilometer nordöstlich von der Hauptstadt Vilnius gelegene Übungsgelände gemacht hat. „Bis wir das Fahrzeug sehen, gelten alle Szenarien als möglich.“
Litauens Armeechef Raimundas Vaiksnoras sagte, die Such- und Bergungsaktion sei technisch sehr komplex und finde in einem Sumpfgebiet statt, das noch trockengelegt werde. Das Fahrzeug sei so tief eingesunken, dass es nicht einmal mit Metallstangen erreicht werden könne.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Um den Einsatz zu erleichtern, haben die Helfer nach Angaben der US-Streitkräfte das sumpfige Areal um den georteten Standort des Fahrzeugs trockengelegt. Auch sei Kies aufgeschüttet und eine Zufahrtsstraße gebaut worden, damit sie mit schwerem Gerät zu der Stelle gelangen können. Erschwert wurden die Arbeiten durch eine Gasleitung, die durch das Gewässer führt.
Mehrere litauische Medien berichteten bereits, dass die Soldaten bei dem Unfall gestorben seien. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb auf der Plattform X, die vier Soldaten würden vermisst. Man werde nicht ruhen, bis sie gefunden seien.
Four of our brave soldiers from 1st Brigade, 3rd Infantry Division are currently missing in Lithuania. They were conducting scheduled tactical training. Our prayers are with their families, teammates, the entire unit—and everyone conducting search operations. Nothing our troops… https://t.co/mIVklSD2BK
— Secretary of Defense Pete Hegseth (@SecDef) 26. März 2025
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Nach Angaben der europäischen Kommandozentrale der US-Armee in Wiesbaden gehörten die Soldaten der Ersten Brigade / Dritte Infanterie-Division an und führten zum Zeitpunkt ihres Verschwindens ein geplantes taktisches Training durch.
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Die USA verlegen seit 2014 im Rotationsverfahren Einheiten für Manöver in den Baltenstaat Litauen und an die Nato-Ostgrenze. Nach litauischen Angaben ist gegenwärtig ein US-Bataillon in Pabrade stationiert.
Als US-Präsident Donald Trump am Mittwochabend (Ortszeit) von Reportern gefragt wurde, ob er über den Fall der vermissten Soldaten in Kenntnis gesetzt worden sei, antwortete er: „Nein, das wurde ich nicht.“ Es wäre üblich, dass das Staatsoberhaupt über den Fall im Ausland vermisster oder gar getöteter Soldaten informiert wird.
mja/dpa/AP