Berlin. Unternehmen in Europa werden von den USA bedrängt. Warum Diversität ein Gewinn für Firmen ist. Deutsche Mittelständler zeigen Widerstand.

Donald Trump versucht, auch nach Europa durchzuregieren. Ziel des US-Präsidenten ist es offensichtlich, seine Vorstellungen von Wirtschaft international durchzusetzen und die gelebte Diversität in europäischen Unternehmen einzustellen. Dazu hat die US-Botschaft mehrere Unternehmen in Frankreich angeschrieben. Konkret werden die Firmen in dem Brief aufgefordert, ihre Programme für Diversität, Inklusion und Gleichberechtigung einzustellen. In Deutschland sind solche Anschreiben in der Wirtschaft bislang noch nicht bekannt, wie mehrere Anfragen dieser Redaktion bei Verbänden und Unternehmen ergeben haben.

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„Nach aktuellem Stand haben wir derlei Schreiben nicht erhalten“, heißt es bei Volkswagen. Der Bund Deutscher Arbeitgeber (BDA) verweist auf seine Mitgliedsverbände. Der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) sind noch keine Fälle bekannt. „Uns liegen derzeit keine Hinweise dafür vor, dass unsere Mitglieder solche Briefe erhalten haben könnten“, sagte auch Lutz Kordes, Mitglied der Bundesgeschäftsführung des Verbands „Der Mittelstand – BVMW“, dieser Redaktion. „Grundsätzlich halten wir an unserer Auffassung fest, dass diverse Teams ein Gewinn für Unternehmen und Belegschaft sind und dass es in diesem Bereich keine Einmischung von außen braucht.“

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Auch Frankreich hat die „amerikanische Einmischung“ in die Diversitätsprogramme französischer Unternehmen zurückgewiesen. „Die Einmischung der USA in die Inklusionspolitik französischer Unternehmen wie auch die Drohung ungerechtfertigter Zölle sind inakzeptabel“, teilte das zuständige Ministerium für Außenhandel mit. „Frankreich und Europa verteidigen ihre Unternehmen und ihre Verbraucher, aber auch ihre Werte“, hieß es weiter. 

Widerstand gegen Trump formiert sich in Europa

US-Präsident Trump hatte bereits im Januar Ministerien und Bundesbehörden in den USA angewiesen, Programme zur „diskriminierenden und illegalen Bevorzugung“ von Randgruppen zu stoppen. Per Erlass kippte er zudem eine ganze Reihe von früheren, teils seit Jahrzehnten geltenden Dekreten, mit denen die Chancengleichheit bei der Beschäftigung und eine ausgewogene Besetzung der Belegschaft hinsichtlich ihrer Hautfarbe, Geschlecht und Religion erreicht werden sollte.

In dem Brief an die französischen Unternehmen, der in der Zeitung „Figaro“ veröffentlicht wurde, hieß es, diese Regelung gelte nun auch für Dienstleister und Zulieferer der US-Regierung. Die Unternehmen sollten binnen fünf Tagen ihr Einverständnis dazu geben oder detailliert mitteilen, warum sie dieses verwehren. 

Bislang ist nicht im Detail bekannt, welche französischen Unternehmen den Brief der US-Amerikaner erhalten haben. Medien berichteten darüber, dass er an Firmen aus den Branchen Verteidigung und Infrastruktur, unter anderem an den Telekommunikationsanbieter Orange, gegangen sei. Doch die Orange-Sprecherin wollte dies nicht kommentieren. Der Rüstungskonzern Thales und der Ölriese TotalEnergies, die beide in den USA tätig sind, sollen das Schreiben nicht bekommen haben, wie Sprecher der Unternehmen Medien mitteilten.

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US President Donald Trump speaks as he signs an executive order targeting ticket scalping in the Oval Office of the White House in Washington, DC, on March 31, 2025. (Photo by SAUL LOEB / AFP)

In den USA war der Widerstand gegen den Erlass von Trump nicht so vehement. Im Gegenteil: Verschiedene US-Konzerne haben bereits ihre Maßnahmen für Chancengleichheit und Diversität zurückgefahren, darunter etwa der Facebook-Konzern Meta und McDonald‘s.