An den geöffneten niederösterreichischen Grenzübergängen zur Slowakei in Hohenau an der March (Bezirk Gänserndorf) und Berg (Bezirk Bruck an der Leitha) werden Samstagvormittag Seuchenteppiche gelegt und vom niederösterreichischen Straßendienst betreut, erklärte Landesveterinärdirektorin Christina Riedl gegenüber noe.ORF.at. Sie erwartet, dass die Maßnahmen ab Samstagmittag zur Anwendung kommen.

Die laut Riedl etwa sechs bis acht Meter langen Teppiche, auf denen Desinfektionsmittel aufgetragen wird, werden dann von allen aus der Slowakei kommenden Fahrzeugen im Schritttempo passiert. Diese sollen die Einschleppung des Virus durch einreisende Kraftfahrzeuge verhindern. Die Maßnahme könnte im Verkehr aber zu massiven Verzögerungen führen.

Polizei und Straßenmeisterei im Einsatz

Laut Straßenbaudirektor Josef Decker werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Straßenmeisterei an Ort und Stelle dafür sorgen, dass alles geordnet abläuft. Sie werden etwa auch die Teppiche immer wieder neu tränken.

Auch die Polizei werde als „Unterstützungsorgan der Gesundheitsbehörde“ an den Grenzübergängen im Einsatz sein, heißt es von der Landespolizeidirektion Niederösterreich. Man werde Grenzkontrollen im Sinne des Grenzkontrollgesetzes durchführen, so ein Sprecher gegenüber noe.ORF.at.

Strengere Importverbote verhängt

In einer Aussendung des Landes hieß es am Freitag, ein Einsatzstab tage ständig, um sich jederzeit über aktuelle Entwicklungen abzustimmen und die notwendigen Maßnahmen so schnell wie möglich zu ergreifen, wurde betont. Involviert sind u.a. Expertinnen und Experten der Veterinärdirektion, des Katastrophenschutzes, des Straßendiensts, der Blaulichtorganisationen sowie der Landwirtschaft. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hielt fest, dass der Schutz der bäuerlichen Betriebe höchste Priorität habe.

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Das Gesundheitsministerium veröffentlichte am Freitagabend eine neue Verordnung mit weiteren Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche. Das bestehende Importverbot für unter anderem frisches Fleisch, Rohmilch, Wildbret und Jagdtrophäen wird damit auf Stroh und pflanzliche Futtermittel aus betroffenen Ländern ausgedehnt. Alle Tierhaltungsbetriebe sind zudem „angehalten, verstärkte Biosicherheitsmaßnahmen umzusetzen, darunter etwa Maßnahmen zur Reinigung und Desinfektion von Fahrzeugen“.

Wöchentliche Tests bis 20. Mai

Betriebe sind verpflichtet, Besuchsprotokolle über betriebsfremde Personen zu führen. Tiere aus der erweiterten Sperrzone dürfen grundsätzlich nicht verbracht werden. Eine Ausnahme ist nur bei negativem Testergebnis und behördlicher Genehmigung zulässig. „Landesbehörden können Fahrzeuge anhalten und desinfizieren“, heißt es weiter in der Verordnung. Die Maßnahmen gelten vorerst bis zum 20. Mai 2025, parallel zu den aktuellen Grenzschließungen.

In der Überwachungszone wurden alle Tiere von insgesamt acht Betrieben untersucht, wurde in der Aussendung des Gesundheitsministeriums betont. Die Untersuchung wird bis zum 20. Mai wöchentlich wiederholt, das entspricht der Inkubationszeit des Virus. In der erweiterten Sperrzone wurden bisher 104 Betriebe besucht und beprobt, alle bisher analysierten Proben waren negativ. Weitere Proben sind noch in Auswertung. Innerhalb der vergangenen Woche habe es vier Verdachtsmeldungen innerhalb der Zonen gegeben, alle Proben waren negativ.

Veranstaltungen abgesagt

In Niederösterreich fällt die ebenfalls am Sonntag geplante Rinderschau Pielachtal dem Virus zum Opfer, wie der NÖ Genetik Rinderzuchtverband auf seiner Homepage mitteilte. Auch die Zuchtrinder-Versteigerung in Bergland im niederösterreichischen Bezirk Melk, die eigentlich am Mittwoch über die Bühne gehen hätte sollen, fiel aus. „Würde ein positiver Fall in Verbindung mit der Versteigerung auftreten, würden sämtliche Bestände der anwesenden Betriebe als Kontaktbetriebe eingestuft – mit massiven wirtschaftlichen Folgen für alle Beteiligten“, hieß es.

Maßnahmen wurden auch von Schloss Hof (Bezirk Gänserndorf) nahe der Grenze zur Slowakei ergriffen. Aufgrund aktueller behördlicher Vorgaben seien Besuch und Kontaktmöglichkeit mit anfälligen Arten in der Tierwelt (Streichelzoo) „bis auf weiteres eingeschränkt“, wurde mitgeteilt. Vergangene Woche seien „präventiv umfassende Maßnahmen für alle anfälligen Tierarten gesetzt und der gesamte Bestand auf die Außenkoppeln übersiedelt“ und damit weit entfernt vom Besucherareal untergebracht worden, hieß es auf Anfrage.

Streicheln und Füttern von Tieren eingeschränkt

Zudem wurden an drei Eingängen zum Gelände von Schloss Hof Seuchenteppiche und Handdesinfektionsspender installiert sowie Rad-und Gehwege um Schloss Hof gesperrt. Weiters wurde ein doppeltes Zaunsystem errichtet. Schloss Hof liege in der Überwachungszone. An die 100 Tiere seien Ende vergangener Woche getestet worden, „alle Proben waren negativ“, hieß es auf Nachfrage.

Auch der Tierpark Weißer Zoo mit Kameltheater in Kernhof in der Gemeinde St. Aegyd am Neuwalde (Bezirk Lilienfeld), der am Samstag in die Saison startet, installiert einen Seuchenteppich. Außerdem werden Desinfektionsmittel für die Hände zur Verfügung gestellt. Das Streicheln der Tiere werde eingeschränkt, hieß es auf Anfrage. Im Tierpark Haag (Bezirk Amstetten) dürfen Tiere nicht gefüttert werden.