Europa hat nicht nur an der Oberfläche eine reiche Geschichte zu bieten, auch in der Unterwelt hat sich in den vergangenen Jahrhunderten so einiges abgespielt. Als der Platz auf Friedhöfen aufgrund der wachsenden Bevölkerung langsam knapp wurde, entschieden sich viele Gemeinden für unterirdische Friedhöfe, die heute als Katakomben bekannt sind.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Von den geheimnisvollen, verzweigten Katakomben in Paris bis hin zu den Beinhäusern in Italien und Tschechien: Jede dieser unterirdischen Stätten hat ihren eigenen Charakter und gewährt einen spannenden Einblick in die Geschichte des jeweiligen Landes. Wir stellen dir die spannendsten Exemplare mal etwas genauer vor.
Paris, Frankreich
Sie gehören wohl zu den bekanntesten Unterwelten in Europa: die Katakomben von Paris. Einst waren sie unterirdische Steinbrüche aus dem 15. Jahrhundert, die dann im 18. Jahrhundert in ein Labyrinth unter der Stadt verwandelt wurden. Die Katakomben dienten damals dafür, die Gebeine von überfüllten Friedhöfen unterzubringen. Das ist auch der Grund, warum bis heute die Überreste von Millionen Pariserinnen und Parisern in den Katakomben liegen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Pariser Katakomben gleichen einem Massengrab.
Quelle: imago images/IP3press
Wenn du die Katakomben besuchen möchtest, solltest du dir unbedingt vorher Onlinetickets buchen, damit du dann nicht an ausgebuchten Führungen scheiterst. Ein Ticket kostet 31 Euro inklusive Audioguide, ermäßigt kosten sie 25 Euro. Für die Besichtigung solltest du rund 45 Minuten einplanen, die Strecke ist etwa eineinhalb Kilometer lang und es herrschen konstante 14 Grad Celsius.
Rom, Italien
In Italien gibt es jede Menge Katakomben, doch eine der ältesten und bedeutendsten ist die Sebastians-Katakombe in Rom. Sie befindet sich unter der Via Appia Antica und ist eine der ältesten frühchristlichen Begräbnisstätten der Stadt. Ihr wird auch der Ursprung des Wortes „Katakombe“ zugeschrieben. Denn erst hieß der Ort „ad catacumbas“, was übersetzt „bei den Vertiefungen“ heißt. Daraus wurden Katakomben, mit denen ab dann alle unterirdischen Friedhöfe gemeint waren.

Der unterirdische Friedhof der Sebastians-Katakombe zieht viele Besucherinnen und Besucher an.
Quelle: imago stock&people
Im vierten Jahrhundert wurde über der Katakombe die Basilika des heiligen Sebastian errichtet. Bei einem Besuch kannst du die Geschichte der christlichen Entwicklung Roms entdecken und an Führungen durch die Katakomben teilnehmen. Dazu gehören auch verzierte Mausoleen aus dem zweiten Jahrhundert mit originalen Fresken und Stuckarbeiten. Tickets dafür kannst du online kaufen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Novi Sad, Serbien
Wer in Serbien unterwegs ist, sollte einen Besuch in der Festung Petrovaradin in Novi Sad einplanen. Hier gibt es nicht nur das Bauwerk selbst zu bestaunen, sondern auch ein riesiges Tunnelnetz zu entdecken. Zugegeben, es handelt sich dabei nicht direkt um Katakomben, das Areal ist aber nicht weniger spannend. Das Tunnelsystem umfasst rund 20 Kilometer und wurde damals aus militärischen Gründen angelegt.

Zu dem unterirdischen Tunnelsystem der Festung Petrovaradin gibt es mehrere Eingänge.
Quelle: imago images/Depositphotos
Auf eigene Faust solltest du die Tunnel auf keinen Fall erkunden, die Gefahr, dich zu verlaufen, ist viel zu groß. In der Unterwelt gibt es weder Licht noch Handyempfang und der Orientierungsverlust wäre fatal. Online werden verschiedene Touren angeboten, oft auch von Belgrad.
Mit dem Schnellzug erreichst du Novi Sad von dort aus problemlos. Übrigens ist die Festung auch Schauplatz des jährlich stattfindenden Exit-Festivals. 2025 findet es vom 10. bis 13. Juli statt, im Line-up vertreten sind unter anderem The Prodigy, Hurts und die Sex Pistols feat. Frank Carter.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Neapel, Italien
Wir reisen zurück nach Italien und hinab in die Katakomben von San Gennaro in Neapel. Auch sie zählen zu den bedeutendsten frühchristlichen Stätten Italiens und wurden ursprünglich als Familiengrabstätte genutzt. Später entwickelten sie sich zu einem öffentlichen Friedhof mit einem religiösen Zentrum. Unter anderem wurde hier der erste Stadtpatron Neapels, der heilige Agrippinus, beerdigt. Die Katakomben erstrecken sich über zwei Ebenen und beherbergen zahlreiche Fresken. Manche stammen aus dem zweiten Jahrhundert und stellen meist biblische Szenen dar.
Besonders an diesen Katakomben ist die Weitläufigkeit, die Gänge und Räume sind recht großzügig angelegt. Führungen finden regelmäßig statt und es wird festes Schuhwerk empfohlen, da die Wege nicht immer eben sind. Fotografieren ist in den Katakomben verboten. Führungen finden stündlich statt, mehr Infos und Tickets findest du online.
London, Großbritannien
Auch in London lohnt ein Ausflug in die Unterwelt, genauer in die West-Norwood-Katakomben im Londoner Stadtteil Lambeth. Der West Norwood Cemetery wurde 1837 eröffnet und gehört zu den berühmten „Magnificent Seven“-Friedhöfen, die im 19. Jahrhundert zur Entlastung überfüllter Begräbnisstätten in der Innenstadt angelegt wurden. Die Katakomben befinden sich unter der ehemaligen anglikanischen Kapelle, was heute der Gedenkgarten ist. In den Katakomben ist Platz für rund 2000 Särge.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Eine Besonderheit stellt der sogenannte Katafalk dar, ein Gestell, mit dem Särge in die Erde gelassen werden. Ein solches gab es auch in der Kapelle und damit wurden die Särge in die Katakomben hinabgelassen. Die Kapelle selbst wurde im Zweiten Weltkrieg zwar zerstört, die Katakomben selbst sind aber erhalten geblieben und stehen heute unter Denkmalschutz. Sie können im Rahmen von Führungen besucht werden. Die Organisation Friends of West Norwood Cemetery organisiert diese meist jeden ersten Sonntag im Monat. Um teilnehmen zu können, musst du aus Versicherungsgründen Mitglied der Organisation sein, das ist vor Ort möglich.
Palermo, Italien
Deinen Besuch auf der italienischen Insel Sizilien kannst du ebenfalls mit einem Ausflug in die Unterwelt verbinden. Hier erwarten dich die Catacombe dei Cappuccini. Auf Deutsch auch Kapuzinerkatakomben genannt, geben sie Besucherinnen und Besuchern Einblicke in die früheren Bestattungsriten und das Leben auf Sizilien zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Ursprünglich als Begräbnisstätte für die Kapuzinermönche gedacht, wurden sie zu einer Ruhestätte für rund 2000 mumifizierte Körper.

Die Catacombe dei Cappuccini auf Sizilien solltest du nur besuchen, wenn du kein Problem mit offen präsentierten Leichen hast.
Quelle: imago images/imagebroker
Die Katakomben sind in verschiedene Korridore unterteilt, die nach Kategorien wie Mönche, Frauen, Männer und Kinder organisiert sind. Berühmt ist die nahezu perfekt erhaltene Mumie des Mädchens Rosalia Lombardo, das 1920 starb. Die Katakomben sind täglich geöffnet und Tickets gibt es nur vor Ort.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Rabat, Malta
In der Nähe von Valletta, der Hauptstadt von Malta, befinden sich die St.-Pauls-Katakomben von Rabat. Dabei handelt es sich um die größten bekannten und unterirdischen Begräbnisstätten der Insel. Vom dritten bis zum achten Jahrhundert wurden hier die Menschen religiös bestattet.

Die St.-Pauls-Katakomben befinden sich in dem kleinen Städtchen Rabat nahe Valletta.
Quelle: imago images/robertharding
Die Katakomben erstrecken sich auf einer Fläche von gut 2000 Quadratmetern und sind in über 30 Kammern unterteilt. Über 20 sind für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Besonders an diesen Katakomben sind die Baldachin-Gräber, die mit eleganten Bögen und Säulen verziert sind. Zudem gibt es sogenannte Agape-Tische, die für rituelle Mahlzeiten zu Ehren der Verstorbenen genutzt wurden. Die St.-Pauls-Katakomben sind täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Malečnik, Slowenien
Die Katakomben unter der Kirche des Heiligen Petrus in Malečnik, einem Stadtteil von Maribor in Slowenien, wurden 1730 auf Initiative des damaligen Pfarrers Janez Sittich errichtet. Darin befinden sich 64 Grabnischen, von denen 14 verschlossen sind. Es sind die Ruhestätten der Priester und anderer bedeutender Gemeindemitglieder. Auch Sittich selbst ist hier beigesetzt. Besonders hier sind die farbigen Darstellungen von Totenschädeln mit roten und schwarzen Biretten, den traditionellen Kopfbedeckungen der Priester.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Außerdem gibt es in diesen Katakomben einen sogenannten Ossuar. Das ist ein Raum oder ein Behälter, in dem die Gebeine der Verstorbenen aufbewahrt werden, wenn sie beispielsweise aus einer vollen Grabstätte entfernt werden mussten. Die Katakomben können nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden.
Brünn, Tschechien
Tschechien ist bekannt für seine Knochenkirchen. Unter der St.-Jakobs-Kirche in Brünn befindet sich eines der beeindruckendsten Beinhäuser Europas, das aufgrund seiner unterirdischen Lage auch als Katakombe bezeichnet werden kann. Es beherbergt die Gebeine von rund 50.000 Menschen und ist damit nach den Pariser Katakomben das zweitgrößte Ossarium in Europa.

Im tschechischen Brünn findest du eines der größten Beinhäuser Europas.
Quelle: imago images/Dreamstime
Das Anlegen dieses Raumes war notwendig, weil der Friedhof rund um die Kirche erweitert wurde. Ältere Gräber wurden im 17. und 18. Jahrhundert geöffnet und die Gebeine ins Ossarium gebracht. Das Beinhaus ist täglich außer montags zwischen 9.30 und 18 Uhr geöffnet. Tickets und Touren kannst du vorab online buchen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Mehr Inspiration gesucht? Tipps für alle Top-Reiseziele findest du beim reisereporter, die besten Reiseangebote auf unserer Deal-Seite.
Reisereporter