Gelder für Drohnenkrieg –

Bund gibt 47 Millionen Franken für Schweizer Kampfdrohnen aus

Mann steuert Drohnen im ETH Drohnenlabor in Zürich, 23. März.

Die Schweiz gehört in der Drohnenforschung zur Weltspitze: Blick in ein Labor der ETH – aber kaum ein Startup zeigt Interesse an einer militärischen Nutzung.

Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Die Ukraine-Krise hat den Einsatz von Drohnen in der Kriegsführung stark in den Fokus gerückt: Das Kriegsgeschehen dominieren heute keine teuren Grosssysteme, sondern improvisierte Mini-Drohnen, die trotz ihrer geringen Kosten grossen Schaden anrichten. Dieser Wandel hat weltweit Militärstrategien verändert – und auch die Schweiz plant, sich auf den Drohnenkrieg vorzubereiten. Das Schweizer Verteidigungsdepartement (VBS) hat eine «Task-Force Drohnen» gegründet, die in den nächsten drei Jahren mit einem Budget von 47 Millionen Franken ausgerüstet ist, um Fortschritte auf diesem Gebiet zu erzielen, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Während die Schweizer Armee bislang ausschliesslich Aufklärungsdrohnen nutzte, testet sie nun auch bewaffnete Drohnen. Erste Tests ohne explosives Material sind bereits in der Ausbildung integriert, wie aus einem Bericht des Armasuisse hervorgeht. Geplant ist, Drohnen in grösserem Massstab zu testen, möglicherweise im Val Cristallina in Graubünden. Denn als Trainings- und Versuchsgelände für Schweizer Drohnen braucht es ein weiträumiges, abgelegenes Gebiet, über dem die Fluggeräte ungestört ausschwärmen können.

Kriegsmaterialgesetz verhindert Investitionen

Thomas Rothacher, Armasuisse-Vize und Chef der Drohnen-Task-Force, sagt in der «NZZ am Sonntag», dass das Ziel darin besteht, bis 2027 über die Fähigkeiten zu verfügen, Drohnen über grosse Distanzen effektiv einzusetzen. Die Herausforderung, die Technik ständig aktuell zu halten, bleibt bestehen, da die technologischen Entwicklungen rasant sind. Ein weiteres Hindernis ist die Strategie des Bundes: Der Aufbau einer eigenständigen militärischen Drohnenindustrie in der Schweiz steht in Frage.

Roland Siegwart, ein prominenter ETH-Professor, hebt hervor, dass die Schweiz zwar umfangreiches Drohnen-Know-how besitzt: «Schweizer Forscher haben entscheidend zu den weltweiten Fortschritten der Drohnentechnologie beigetragen.» Es würden jedoch Schwierigkeiten beim Export von Rüstungsgütern bestehen, teilweise bedingt durch das strenge Kriegsmaterialgesetz.

Schweizer Startups zeigen wenig Interesse am Geschäft mit dem Krieg

Diese Exporthemmnisse könnten heimische Hersteller davon abhalten, die nötigen Ressourcen und Investitionen in die Entwicklung militärischer Drohnen zu stecken, da der Vertrieb auf dem internationalen Markt erschwert ist. Die Firmen müssten die Perspektive haben, mit ihren Drohnen Geld verdienen zu können. Sonst würden sie kaum mitmachen.

Auch kulturelle Hürden hemmen die Schweizer Rüstungsindustrie: Junge Schweizer Startups hätten bis jetzt wenig Interesse an der Branche gezeigt, sagt Siegwart. Durch den Ukraine-Krieg habe sich das möglicherweise zum Teil geändert. Die Skepsis gegenüber dem Geschäft mit dem Krieg sei aber immer noch gross.

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