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Die Türkei hat innerhalb der Nato die zweitgrößte Armee. Trotz massiver innenpolitischer Probleme gewinnt das Land militärisch und außenpolitisch an Bedeutung.

Ankara – In den vergangenen Jahren ist die Türkei immer wichtiger geworden – vor allem militärisch. Das Land hat innenpolitisch massive Probleme, Demokratiedefizite und eine stark angeschlagene Wirtschaft, doch außenpolitisch und auch militärisch mischt es in den Nachbarregionen kräftig mit. Die Türkei ist Nato-Mitglied und EU-Beitrittskandidat, hat aber andere Beziehungen zu Russland, China und dem Iran als seine westlichen Partner.

Gleichzeitig kann es diesen Partnern aber auch Paroli bieten. So hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan immer wieder mit Angriffen und Invasionen gedroht. Unter der Präsidentschaft von Joe Biden war das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei besonders angeschlagen. Die Türkei wurde sogar vom F-35-Programm suspendiert. Die Zusage für F-16 hat die Türkei erst bekommen, nachdem Erdogan im Gegenzug sein Veto für den Beitritt Schwedens in die Nato aufgegeben hat.

Militärmacht Türkei: Erdogan unterhält beste Beziehungen zu Russland

Besonders zu Russland sind die Beziehungen der Erdogan-Regierung besonders gut. „Die Türkei ist der zweitgrößte Handelspartner Russlands. Ankara ist nach wie vor auf die russischen Gas- und Bankennetze angewiesen und wickelt jährlich ein Handelsvolumen von über 60 Milliarden US-Dollar mit Moskau ab“, schreibt die Expertin für autoritäre Regime, Professorin Natasha Lindstaedt von der University of Essex im UK Defence Journal.

Präsident Erdogan kann jetzt mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump seine Beziehungen zu Washington verbessern. „Dabei geht es in erster Linie um die Verbesserung der Verteidigungszusammenarbeit“, so Lindstaedt. Zuletzt waren Gerüchte aufgetaucht, dass die Türkei sogar doch noch auf F-35-Kampfjets hoffen könne. Bislang war die Tarnkappenjets der Türkei verboten, weil es gute Beziehungen zu Moskau pflegt. Allerdings verfolgt Trump eine andere Russland-Politik als sein Vorgänger.

Derzeit ist Präsident Recep Erdogan auch im Westen sehr beliebt.

Trotz massiver innenpolitischer Probleme gewinnt das Land militärisch und außenpolitisch an Bedeutung. © Kay NietfeldZweitgröße Armee der Nato: Türkei wichtig für US-Militär

Die Türkei ist zudem für die militärischen Interessen der USA in der Region sehr wichtig. „Für die USA ist die Türkei trotz unterschiedlicher strategischer Ziele ein wichtiger Verbündeter. Abgesehen von ihrer geopolitischen Bedeutung beherbergt die Türkei auch Militärkräfte der USA und der Nato auf mehreren ihrer Stützpunkte sowie US-Atomwaffen (20 B61-Atombomben) auf ihrem Luftwaffenstützpunkt Incirlik“, so die Wissenschaftlerin. Und Ankara möchte global militärisch und diplomatisch mitmischen. Als Mitglied der G20, mit einer der 20 größten Volkswirtschaften der Welt und der zweitgrößten Militärmacht in der Nato könne das die Türkei auch.

Auch für Europa ist die Türkei sehr wichtig geworden – gerade weil sich Trump mit den Europäern auf allen Eben anlegt. Europa will daher schnellstmöglich eine eigene Sicherheitsarchitektur schaffen, die ohne die Türkei nicht den gewünschten Erfolg bringen könnte.

Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Im Jahr 2017 setzte Recep Tayyip Erdogan mithilfe eines Referendums eine Verfassungsänderung durch, bei der es vor allem um die Bündelung der Exekutivbefugnisse ging. Dadurch gewann der türkische Präsident noch mehr Einfluss auf die Justiz. Die Opposition sprach von Wahlbetrug. Auch Untersuchungen von Forschenden legen nahe, dass das Referendum manipuliert wurde.

Fotostrecke ansehenAuch Erdogan rüstet auf – Türkei erhöht Militärbudget auf 47 Milliarden Dollar

Für dieses Jahr hat die Türkei ein Militärbudget von rund 47 Milliarden Dollar veranschlagt. 2023 waren es noch 15,8 Milliarden Dollar. Das Land gibt viel Geld auch für die militärische Forschung aus und baut neben seinen eigenen Drohnen auch andere Waffensysteme. In ihrem Artikel bringt es Lindstaedt daher auf den Punkt. „Und beim geopolitischen Jonglieren befindet sich die Türkei derzeit in der luxuriösen Lage, dass jeder Ankara auf seiner Seite haben möchte“. (erpe/AFP)