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Es ist ein Erfolg für Europa und ein zusätzlicher Rückschlag für den Kremlchef: Tschechien kauft seit April kein Öl mehr aus Russland.

Prag – Eine neue Niederlage für Kreml-Diktator Wladimir Putin: Tschechien ist offiziell unabhängig von russischem Öl. „Erstmals in unserer Geschichte wird die Tschechische Republik vollständig mit nicht-russischem Öl versorgt“, sagte der tschechische Regierungschef Petr Fiala am Donnerstag (17. April) vor Reportern. Der Brennstoff stammt stattdessen aus Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres, Nahost und Nordafrika. Das Öl gelangt über die Transalpine-Pipeline (TAL) und den Ableger IKL nach Tschechien. Der Ausbau der Verbindung kostete 60 Millionen Euro.

Tschechien bezieht kein Öl und Gas mehr aus Russland – bis Ende 2025 soll auch russisches Uran weg

Tschechien nutzte 60 Jahre lang russisches Öl, das über die Druschba-Pipeline kam. Die EU hatte die meisten Einfuhren russischen Öls verboten, die Druschba-Pipeline aber ausgenommen, weil Tschechien nur über wenig andere Optionen verfügte. Zwei Monate nach Fertigstellung des Pipeline-Ausbaus wurde die Belieferung über die Druschba Anfang März eingestellt.

Wladimir Putin

Für Russlands Wirtschaft ist Öl noch immer eine wichtige Einnahmequelle © Dmitry Lovetsky/Pool

Die TAL führt vom italienischen Hafen Triest nach Süddeutschland, von wo es eine Verbindung zur nach Tschechien führenden IKL-Pipeline gibt. Über die TAL würden bis zu acht Millionen Tonnen Öl pro Jahr geliefert, was den tschechischen Verbrauch „sicher“ decken werde, sagte Fiala. Tschechien bezieht auch kein russisches Gas mehr und will noch in diesem Jahr aufhören, russisches Uran für seine beiden Atomkraftwerke zu verwenden.

EU arbeitet an Fahrplan zum Umgang mit Putins Gas

Damit gelingt der EU ein weiterer Meilenstein auf ihrem Weg zum Ende der Energieabhängigkeit von Russland. Seit 2023 ist Öl aus Russland in der EU verboten – und macht daher auch nur noch 0,3 Prozent des Ölverbrauchs in Europa aus. Energie ist eines der wichtigsten Einnahmequellen Russlands, damit finanziert Putin den Krieg in der Ukraine.

Aktuell bezieht Europa sein Öl aus mehreren Quellen, die wichtigsten sind die USA, Norwegen, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.

Beim Gas gestaltet sich die Lage komplizierter, viele Staaten sind zu fast 100 Prozent von russischem Gas abhängig – haben aber den Auftrag, diese Abhängigkeit zu verringern. In den nächsten Wochen will die EU einen Fahrplan für den künftigen Umgang mit russischem Gas vorlegen. Eigentlich will Europa ab 2027 keine Gasimporte aus Russland mehr benötigen – allerdings verweigert Staaten wie Ungarn diesen Schritt. (mit AFP)