Seit in Washington Chaos herrscht und sich die USA und China im Handelsstreit hochschaukeln, entdecken Investoren Europa neu. Der alte Kontinent darf aber nicht bloss das kleinere Übel sein.
Krisztian Elek / Sopa / Imago
Krisztian Elek / Sopa / Imago
Zum Ostersonntag eine frohe Botschaft: Europa ist auferstanden. Es meldet sich zurück aus der Bedeutungslosigkeit, und das kommt einem kleinen Wunder gleich.
Bis vor kurzem schienen die Rollen unter den grossen Wirtschaftsblöcken klar verteilt: Der alte Kontinent ist ein Museum, Japan ein Alters- und Pflegeheim, China ein Gefängnis und Indien ein Armenhaus. In den USA jedoch, der City upon a Hill, wird die Zukunft gestaltet.
Doch seit in Washington Chaos herrscht, gehen dort nicht bloss Wissenschafter ins Exil. Auch Investoren kehren Amerika und seinem Kapitalmarkt den Rücken und kaufen stattdessen europäische Aktien und Anleihen. Der Euro ist so stark wie seit drei Jahren nicht mehr.
Am Anfang dieses unverhofften Revivals stand das Milliardenpaket, mit dem der designierte deutsche Kanzler Friedrich Merz sein Land und den Rest Europas bewaffnen und beleben will. Und seit sich abzeichnet, dass die Ideologentruppe um den US-Präsidenten Trump mit der wirtschaftlichen gleich noch die rechtsstaatliche Ordnung zertrümmern will, hat Europa endgültig etwas von seinem früheren Glanz zurück.
Die unflexiblen, aber berechenbaren Europäer werden plötzlich als Stimme der Vernunft wahrgenommen. Sie verwalten nicht mehr bloss ihren Niedergang, sondern sind eine Art «lender of last resort» für die regelbasierte Weltwirtschaftsordnung, während sich die USA und China Saures geben.
Wenn aus dem neuen Leben etwas werden soll, dann muss Europa allerdings mehr sein als nur das kleinere Übel – zumal der amerikanische Zollwahn auch unser Wachstum belasten wird. Es braucht entschlossene Reformschritte:
Mehrheiten für tiefgreifende Veränderungen lassen sich meist nur in Zeiten des Umbruchs finden. Dieser Moment ist jetzt da. Never Waste a Good Crisis!
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