Nach einem dramatischen Gewinnrückgang im vergangenen Quartal will Elon Musk sich vom kommenden Monat an wieder stärker auf seine Arbeit als Vorstandsvorsitzender des Elektroautoherstellers Tesla konzentrieren – und deutlich weniger Zeit als bisher auf seine Beraterrolle für den US-Präsidenten Donald Trump verwenden. Das kündigte er am Dienstag in einer Telefonkonferenz nach der Vorlage von Geschäftsergebnissen an. Musk hat eine führende Rolle in Trumps Regierung mit der Arbeitsgruppe “Department of Government Efficiency“ oder “Doge“, die radikale Einschnitte in amerikanischen Behörden veranlasst hat.

Mit seiner politischen Positionierung ist Musk zu einer umstrittenen Figur geworden, und das schlägt sich auch im Geschäft von Tesla nieder. In den vergangenen Wochen gab es eine Welle von Demonstrationen vor Tesla-Läden, die mit Musks Regierungsarbeit zu tun hatten. Die Proteste hatten ihren Schwerpunkt in den USA, erstreckten sich aber auch auf Deutschland und andere Länder, in denen sein politisches Engagement für Kontroversen sorgt. In Deutschland hat Musk die AfD unterstützt.

Musk gab jetzt mit Blick auf die Protestbewegung zu, Tesla spüre “einigen Gegenwind“. Er wiederholte frühere Behauptungen, wonach die Demonstranten “bezahlt“ würden, und er verteidigte Doge. Er sagte, ein wesentlicher Teil der Arbeit, um Doge zu etablieren, sei abgeschlossen, was es ihm erlaube, seine Prioritäten neu zu ordnen. Er wolle künftig noch einen bis zwei Tage in der Woche mit Regierungsarbeit verbringen, solange Trump dies wünsche und es nützlich sei. Über einen baldigen Teilrückzug von Musk aus Trumps Regierung hatte vor wenigen Wochen schon die Publikation “Politico“ geschrieben. Das Weiße Haus und Musk hatten den Bericht damals noch dementiert.

Emissionsgeschäft bessert Ergebnisse auf

Mit seinem Quartalsbericht hat Tesla für eine weitere Enttäuschung gesorgt. Der Autohersteller meldete für die vergangenen drei Monate einen dramatischen Gewinnrückgang um 71 Prozent und kündigte an, seine Prognose für die Verkaufszahlen in diesem Jahr revidieren zu wollen. Teslas Aktienkurs notierte im nachbörslichen Handel zunächst kaum verändert, nach Musks Ankündigung, wieder mehr Zeit auf Tesla zu verwenden, stieg er aber zeitweise um mehr als 4 Prozent. Die Aktie hat in den vergangenen Monaten erheblich an Wert verloren, sie kostet derzeit nur noch rund halb so viel wie im Dezember, als sie einen Höchststand erreicht hatte.

Die Geschäftsergebnisse waren allgemein unter den Erwartungen. Dabei lag die Messlatte nicht allzu hoch, denn es war schon bekannt, dass Tesla auf ein schwaches Quartal zurückblickt. Anfang April meldete das Unternehmen für diesen Zeitraum schon einen Rückgang bei der Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge um 13 Prozent. Der Quartalsbericht lieferte nun ein umfassenderes Bild und unterstrich, dass auch Teslas Profitabilität leidet.

Insgesamt meldete Tesla für das erste Quartal einen Nettogewinn von 409 Millionen Dollar. Vor einem Jahr waren es 1,4 Milliarden Dollar. Die operative Gewinnmarge lag nur noch bei 2,1 Prozent, in den vergangenen Jahren hatte Tesla oft zweistellige Margen ausgewiesen. Die Lage wäre noch viel schlechter, wenn das Unternehmen nicht sein hochprofitables Geschäft mit Emissionspunkten hätte. Es brachte diesmal 595 Millionen Dollar ein, also mehr als den gesamten Nettogewinn. Diese Zertifikate bekommt Tesla von Regierungen für die Produktion von Elektroautos und verkauft sie dann an Wettbewerber, denen dies hilft, gesetzliche Emissionsvorgaben zu erfüllen.

Tesla hat im ersten Quartal nicht nur deutlich weniger Autos verkauft, sondern dies auf Kosten des Gewinns auch zu erheblich niedrigeren Preisen getan. Der Umsatz im Autogeschäft fiel um 20 Prozent, also noch stärker als die Absatzmengen. Der gesamte Konzernumsatz von 19,3 Milliarden Dollar war um fast 1,8 Milliarden Dollar niedriger als von Analysten erwartet.

Veraltete Produktpalette

Neben Musks politischer Positionierung sehen Analysten noch andere Gründe für Teslas Schwierigkeiten. Die Produktpalette des Unternehmens gilt als veraltet, gerade in China gibt es starke einheimische Konkurrenz wie BYD. Das letzte bedeutende neue Fahrzeug für den Massenmarkt, das Model Y, kam schon vor fünf Jahren heraus. Der vor rund eineinhalb Jahren eingeführte Pick-up-Transporter Cybertruck ist nur ein Nischenmodell und verkauft sich nicht sonderlich gut. Im ersten Quartal hat Tesla nach Angaben der Marktforschungsgruppe Cox Automotive auf dem amerikanischen Heimatmarkt nur rund halb so viele Exemplare des Cybertruck ausgeliefert wie in den drei Schlussmonaten 2024. Das Modell war auch Gegenstand mehrerer Rückrufe, und Tesla hat zuletzt mit erheblichen Rabatten um Käufer geworben.

Der Autohersteller wiederholte jetzt frühere Aussagen, wonach er auf Kurs bleibe, noch im ersten Halbjahr „erschwinglichere Modelle“ herauszubringen. In der Telefonkonferenz wurde aber angedeutet, dass es sich dabei nicht um ganz neue Fahrzeugtypen handelt, sondern um abgewandelte Varianten bisheriger Modelle. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtete vor wenigen Tagen, der Produktionsstart für ein billigeres neues Modell werde sich verzögern.

Schon im vergangenen Jahr musste Tesla zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Rückgang seiner Verkaufszahlen hinnehmen. Für 2025 hat das Unternehmen bisher noch Wachstum versprochen, Musk hat vor einiger Zeit sogar ein Plus von 20 bis 30 Prozent in Aussicht gestellt. Von diesem Ziel nimmt Tesla jetzt aber Abstand, wobei es konkretere Details zum Ausblick für das Gesamtjahr erst im nächsten Quartalsbericht in drei Monaten geben soll. Tesla sagte, die gegenwärtigen Handelskonflikte und eine “sich verändernde politische Stimmung“ könnten die Nachfrage nach seinen Fahrzeugen in der näheren Zukunft erheblich belasten.

„Ich bin nicht der Präsident“

Der Hinweis auf die politische Stimmung war womöglich als Anspielung auf die Anti-Tesla-Demonstrationen zu verstehen. Die von Trump mit der Verhängung von Importzöllen befeuerten Handelskonflikte treffen Tesla weniger als manche anderen Hersteller. Das Unternehmen produziert alle seine Autos, die in den USA verkauft werden, in seinen amerikanischen Werken in Kalifornien und Texas. Es ist aber auch nicht isoliert vom handelspolitischen Geschehen, unter anderem weil es Komponenten aus dem Ausland bezieht, für die ebenfalls Zölle gelten sollen. Auch die von China verhängten Vergeltungszölle treffen den Hersteller. Dort importiert er einige seiner teureren Autos wie das Model S aus den USA.

Musk hat in den vergangenen Wochen schon deutlich gemacht, dass er mit Blick auf die Zollpolitik nicht auf einer Linie mit Trump liegt. Das unterstrich er auch am Dienstag. Er sagte, er sei für niedrigere Zölle und werde sich auch dafür aussprechen, “aber das ist alles, was ich tun kann“. Die Entscheidung liege voll und ganz beim Präsidenten. “Ich bin einer von vielen Beratern des Präsidenten, aber ich bin nicht der Präsident.“