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Wir machen die Luft sauber – und heizen das Klima damit noch schneller auf. Klingt wie ein Scherz, doch Experten schlagen Alarm.
Frankfurt – Wir fahren langsamer, filtern unsere Abgase, senken Feinstaubwerte – und trotzdem wird Europa immer heißer? „Soll das ein Scherz sein?“, fragen sich viele, wie Diplom-Meteorologe und Klimaexperte Dominik Jung von wetter.net erklärt. Doch genau das passiert dem Experten zufolge.
Hitzewetter in Europa: Weniger Schmutzpartikel führt zu mehr direkter Sonneneinstrahlung
Laut Jung verschwindet durch strengere Umweltgesetze etwas aus unserer Atmosphäre, das bisher eine unsichtbare Schutzfunktion hatte: Schmutzpartikel. Diese sogenannten Aerosole reflektierten einen Teil des Sonnenlichts zurück ins All. Weniger davon bedeutet: mehr direkte Sonneneinstrahlung – und damit mehr Hitze.
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„Wenn weniger Partikel in der Luft sind, gelangt mehr Sonnenenergie bis zum Boden – das kann die regionale Erwärmung beschleunigen“, erklärt Jung. Was paradox klingt, ist in der Klimaforschung gut dokumentiert. Jahrzehntelang bremsten verschmutzte Luftschichten die Erwärmung teilweise aus – ein Effekt, der nun verschwindet.
In Europa, wo besonders viele Maßnahmen zur Luftreinhaltung greifen, zeigt sich das deutlich: Die Temperaturen steigen hier schneller als im globalen Schnitt. Der Preis der sauberen Luft? Eine freiere Bahn für die Sonne. Auch derzeit erinnern die Temperaturen vor Ostern anstatt Frühlingswetter eher an Sommer.
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Klimamaßnahmen schützen die Gesundheit – machen die Sonnenkraft aber spürbarer
Luftreinhaltung rettet Menschenleben, aber sie hat unbeabsichtigte Nebeneffekte. Wenn weniger Ruß und Schwefel in die Luft gelangen, atmen wir zwar besser – aber das Klima heizt sich schneller auf. Der Widerspruch ist schwer zu verdauen. Bedeutet das, dass Tempo-30-Zonen oder Abgasfilter nichts bringen? Doch, aber nicht in der Weise, wie viele denken. Diese Maßnahmen senken Feinstaub und Stickoxide, schützen die Gesundheit und senken CO₂ – den langfristig entscheidenden Klimatreiber. Doch kurzfristig wird die Atmosphäre transparenter – und die Sonnenkraft spürbarer, wie Jung erklärt.

Tempolimits zur Luftreinhaltung und nun wird’s deswegen bei uns in Europa immer wärmer? Wie geht das denn zusammen? © picture alliance/dpa | Sven Hoppe
Der Trick sei nicht, den Dreck wieder reinzuholen – sondern global umzudenken, empfiehlt Jung. Nur wenn der CO₂-Ausstoß weltweit sinkt, würden die positiven Effekte der Luftreinhaltung ohne die negativen Begleiterscheinungen wirken. Dafür braucht es laut Jung weltweite Kooperation, neue Technologien zur CO₂-Speicherung und massive Investitionen in Klimaresilienz. Denn sonst bleibt die bittere Wahrheit bestehen, wie Jung beschreibt: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer deutlicher. In Deutschland herrscht seit einigen Wochen eine bedrohliche Dürre-Situation.