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Die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer rechnet 2023 mit einer Immunität gegen das Coronavirus, wenn genug geimpft und geboostert wird. Auch Infektionen helfen.
Die Omikron-Welle rauscht durchs Land, seit Donnerstag gilt wieder Maskenpflicht in Innenräumen, Wien ist strenger als der Rest Österreichs. Was halten Sie noch für notwendig an Maßnahmen?
Dorothee von Laer: Testen in den Schulen und bevor man mit vulnerablen Menschen zusammenkommt, etwa vor einem Besuch im Krankenhaus oder Altersheim. Ich denke die Inzidenzen werden aber jetzt ohnehin in den nächsten zwei Wochen zurückgehen.
Jeder, jede hat vermutlich gerade Bekannte, die infiziert sind. Manche Personen trifft es aber gar nicht. Warum eigentlich?
Von Laer: Einerseits gibt es genetische Faktoren, durch die manche Menschen weniger anfällig sind, andererseits ist das einfach auch ein Zufall, ob es einen erwischt oder nicht.
Kann es sein, dass jemand Omikron hat und es wird nie an einem positiven Testergebnis festgemacht?
Von Laer: Wenn man regelmäßig, z.B. dreimal die Woche testet, ist das unwahrscheinlich. Wenn man seltener testet ist das sehr gut möglich. Es gibt eine gewisse Dunkelziffer an Infektionen. Das ist bekannt.
Sind die Tests (Antigen- und PCR) also tatsächlich aussagekräftig?
Von Laer: Ja absolut.
Werden wir jemals wieder einfach nur krank sein? Ohne uns bei einem Schnupfen sofort zu testen?
Von Laer: Ja, wenn es in der Bevölkerung, wie bei der Grippe, eine gewisse Basisimmunität gibt. Diese werden wir durch die Impfung und zusätzliches Boostern der Immunantwort durch Infektionen im Laufe des nächsten Jahres hoffentlich erreichen.
Es ist schwer auszumachen, wer besonders gefährdet für einen schweren Verlauf ist. Es trifft ja durchaus auch dreifach Geimpfte. Wer hat für Sie das meiste Risiko schwer zu erkranken?
Von Laer: Die Impfung schützt vor Verläufen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das heißt nicht, dass man nicht trotzdem als Geimpfte(r) einen deftigen grippalen Infekt bekommen kann. Außerdem reduziert die Impfung die Wahrscheinlichkeit, wenn man sich trotz Impfung infiziert, an Long-Covid zu erkranken. Besonders gefährdet sind nicht ausreichend geimpfte ältere Personen, insbesondere mit Vorerkrankungen des Herzkreislaufsystems, der Lunge, mit Diabetes oder mit Übergewicht.
Durch die ganze Pandemie hindurch wurde gesagt, „wir müssen das Gesundheitssystem vor einem Kollaps bewahren“. Nun werden Stationen geschlossen, PflegerInnen, Ärzte können nicht mehr zum Dienst. Warum ist das jetzt doch passiert?
Von Laer: Weil die Maßnahmen nicht mehr politisch durchsetzbar waren.
In der Gecko-Kommission gab es Streit um eine Verschärfung der Maßnahmen. Rettungskommandant Gerry Foitek hat offen Kritik geübt, InfektiologInnen bzw. WissenschafterInnen haben sich distanziert von den politischen Entscheidungen. Was hätte anders laufen müssen?
Von Laer: Wir Experten müssen verstehen, dass wir nur beraten. Die Politik trifft die Entscheidungen und muss alle Aspekte abwägen, nicht nur die medizinischen. Die Folgen der Coronamaßnahmen findet man in allen Bereichen der Gesellschaft, ihre Abwägung ist eine anspruchsvolle Aufgabe.
Die Impfpflicht wurde ausgesetzt. Was wird im Herbst auf das Land zukommen?
Von Laer: Die Impflücke von zehn bis 15 Prozent bei den über 60-Jährigen macht mir Sorgen. Diese Gruppe könnte es in einer Herbstwelle nochmal massiv treffen. Die Antikörperantwort nach einer Omikron-Infektion in Personen, die bislang weder geimpft noch genesen waren, ist leider nur sehr schwach und wir müssen damit rechnen, dass diese Gruppe keine gute Immunität besitzt. Das heißt, die Immunitätslücke kann im Grunde durch die Omikron-Welle nicht geschlossen werden. Die Geimpften und Genesenen hingegen, die sich dann noch mit Omikron infiziert haben, bilden sehr hohe Antikörper-Titer und haben wohl einen exzellenten Schutz.
Ist mit weiteren Mutationen zu rechnen?
Von Laer: Das Virus wird sich weiterentwickeln. Solange die Infektionszahlen so hoch sind, hat das Virus einfach einen großen Spielraum, in dem es lernen kann sich noch besser auszubreiten und die Immunantworten noch besser zu umgehen.
Macht das Virus in Frühling/Sommer Pause?
Von Laer: Ja, davon dürfen wir ausgehen. Allerdings glauben die meisten Kollegen, dass die Virusaktivität diesen Sommer höher sein wird als in den letzten beiden Sommern, und zwar einfach, weil die neueren Varianten ansteckender sind als frühere Varianten.
Wird diese Pandemie jemals enden?
Von Laer: Wir werden mit dem Virus leben lernen. Es wird sich durch Impfungen und Infektionen eine Grundimmunität in der Bevölkerung aufbauen, so dass die Infektionen nicht mehr so schwer verlaufen. Es wird halt in Zukunft im Winter ein weiteres Virus geben, das grippale Infekte auslöst. Man wird allerdings bei Risikopersonen schon rasch testen, weil die klassische Grippe und Covid 19 durch unterschiedliche Medikamente behandelt werden müssen.
Braucht es einen 4. Stich? Und: kann dieser der Bevölkerung noch schlüssig verkauft werden?
Von Laer: Ja, für Risikogruppen wird man sicher eine Auffrischimpfung vor dem nächsten Herbst, also so im September, empfehlen.
Wie geht es Ihnen selbst jetzt nach so langer Zeit in der Pandemie-Bekämpfung?
Von Laer: … ausgelaugt, dreimal geimpft, aber bislang noch nicht infiziert. Aber die Einschläge kommen näher.
8 comments
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>Die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer rechnet 2023 mit einer Immunität gegen das Coronavirus, **wenn genug geimpft und geboostert wird**.
Und damit ist die Annahme / Berechnung auch schon wieder fürn Oarsch.
Tja. Und jetz?
>Von Laer: Weil die Maßnahmen nicht mehr politisch durchsetzbar waren.
Daran ändert sich hoid sehr wahrscheinlich nix, so blöd wie s klingt
Die Experten sagen das (Immunität) seit dem Beginn der Impfungen. Wann wollen sie aufhören? 🤡
Die Antigen Tests sind einen Scheißdreck Aussagekräftig. Bei fast allen in der Klasse bei der jetzigen welle zeigte der Antigen dauernd negativ an während der pcr positiv anzeigt.
ich bin mir nicht so sicher, daß covid so harmlos wird.
wenn man sich ansieht, was die infektion anrichtet u. was longcovid selbst bei symptomlosen infektionen anrichtet .. das lst IMO gefährlicher als grippe.
und wenn die zahl der ungeimpften steigt und das virus in zb. ärmeren ländern, wo nur die Eliten eine Impfung bekommen, mutiert und wieder seine Kreise zieht, stehen wir wieder am Anfang.
“Warten auf Herdenimmunität”, ein Theaterstück in 27 Akten
Wir haben das Glück der Blödheit. Selbst wenn wir nix machen, wird die Bevölkerung irgendwann ausreichend immun oder ausreichend tot sein.
Schauts euch mal Bulgarien an. 30% geimpfte, sehr viele Tote. Aber der Rest lebt halt weiter. So wirds auch bei uns sein. Die Toten werden immer weniger, weil ja schon davor alle gestorben sind die anfällig sind, und der Rest ist Immun oder Teilimmun.
So wie es jetzt bei uns durchrauscht erwarte ich mir für den Herbst zwar höhere Zahlen, aber wenig Einschränkung. Da wir hohe medizinische und ethische Standards haben wird es zwar trotzdem ein logistisches Problem im Gesundheitssektor sein, aber es wird vermutlich nicht mehr viel tote, wenn nicht sogar kaum Tote geben. Die Blödheit es vorher durchlaufen zu lassen schützt uns dann davor. Man darf nie vergessen: Man kann in der Regel nur einmal sterben. Ja auf dem Weg zum Herbst wird es ein paar Patienten geben, die in den nächsten Monaten gesundheitlich so verfallen (zb Onko/Chemo, Transplant), dass sie wieder stark anfällig sein können, aber das ist offenbar ein Risiko, das die Bevölkerung wert ist einzugehen.
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Masochist wie ich bin hab ich gestern im Zentrum geschaut und man kann ja zu 99% der Zeit auf auf eine Wand starren und ist danach genauso gscheit, aber der Ulrich Elling hat gestern was enorm wichtiges gesagt, was wir alle schon wieder vergessen hatten:
Wir haben kein Ziel mehr. Die Coronapolitik ist ziellos. Er hat damit 100% Recht. Was jetzt passiert ist ein Spagat zwischen Masseverwaltung und Kollateralschäden eindämmen. Aber es gibt kein Ziel. Weder haben wir das explizite Ziel vulnerable Gruppen zu schützen, noch haben wir das explizite Ziel die Inzidienz zu drücken, noch haben wir das explizite Ziel nichtvulnerable zu infizieren um so eine Immunität aufzubauen.
Die Politik hält sich fein raus und macht nur noch schadensbegrenzung die eigentlich einer Image-Schadensbegrenzung gleicht.
Ich hätte mir schon vor einem Jahr gewünscht, dass sich jemand hinstellt und sagt wie viele Tote wir bereit sind in Kauf zu nehmen. Wo sind dahingehend Modellrechnungen? Die sind vielleicht etwas leichter als dieses völlig unkorrekte Rätselraten wie hoch die Inzidenz in einer Woche sein wird. Wann war diese Prognose jemals korrekt? (auch die letzte Prognose war falsch. Es hat halt jeder gesagt die Zahlen werden mit Reduktion der Maßnahmen wieder steigen, aber niemand hats mit der Prognose begründet, weil die Prognose weiterhin nach unten gezeigt hatte!)
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Also meine Glaskugel erhöht: Normalität wirds für die Allgemeinbevölkerung im Herbst wieder geben. In den Spitälern wirds knackig, aber weil das Leben weitergeht ist uns als Bevölkerung das ja wurscht. Und ich glaub wie auch Elling, dass es im ganzen Sommer durch relativ hohe Infektionszahlen geben wird. Der Saisonaleffekt war bei Delta schon maßlos überbewertet und wirds bei Omikron erst recht sein. Es geht nur um die Netzwerkeffekte, also wer kann wen noch anstecken. Und durch die Reisetätigkeiten hat das Virus ein perfektes Reservoir.