Ex-Diplomat Stefan Lehne über den Ukraine-Krieg (ZIB 2)

Ex-Diplomat Stefan Lehne über den Ukraine-Krieg (ZIB 2) from Austria

19 comments
  1. Transkript:

    >Also wird der Krieg weitergehen. Vermutlich noch brutaler als bisher, blutiger, weil Russland immer mehr zivile Infrastruktur und Wohnblocks mit Raketen und Bomben angreifen wird. Ein sehr tristes und schreckliches Bild. Und gleichzeitig werden die Belastungen für die Europäer […] immer schlimmer werden. Man wird einen massiven Inflationsschub haben, die Energiepreise werden weiter hinaufgehen, möglicherweise auch die Nahrungsmittelpreise. Dazu kommt die Last von Millionen Flüchtlingen, die zu tragen und zu finanzieren sein wird. Da besteht natürlich die Gefahr, dass eine gewisse Kriegsmüdigkeit entsteht. Dass mancher Europäer sich denken wird: „Warum kapituliert der Herr Selenskyj nicht endlich? Dann können wir wieder so leben, wie wir vorher gelebt haben!“ Das wäre eine enorme Gefahr. Ich glaube, **wenn Putin sich durchsetzt in diesem Konflikt, weil zu wenig Gegendruck kommt seitens der NATO, seitens der EU, dann hat Europa mit möglicherweise Jahrzehnten enormer Instabilität zu rechnen. Dann ist die Ukraine nur ein erster Schritt, dann werden andere Aggressionsakte folgen.** Ich glaube, das ist die Hauptaufgabe der europäischen Führung im Augenblick, der Bevölkerung klar zu machen, dass Putin diesen Krieg einfach nicht gewinnen kann und dass wir alles tun müssen, um das zu verhindern.

  2. Sehr, sehr gut zusammengefasst. Warum nicht mehr leute einfach die Tatsachen ansprechen, anstatt ständig nur mundgerechte, wahlkampforientierte Happen auszuspucken.

  3. Der dritte Weltkrieg hat leider schon begonnen. Wir klammern uns verzweifelt an den Frieden, geblendet von Jahrzehnte langem Wohlstand verschlafen wir den Anfang der Zeitwende

  4. Ok, die ukraine sollte seiner meinung nach niemals kapitulieren. Aber wie soll das ohne ein direktes eingreifen anderer länder funktionieren? Bis die sanktionen den krieg stoppen, liegt die ukraine bereits in schutt und asche.

  5. Imho wird sich Putin so lange “blöd spielen” (zB. “unabsichtlich” Polen angreifen), bis ein Eingreifen unausweichlich ist. Dann haben wir den Salat.

  6. Fragt sich halt ob wir derzeit den richtigen Weg einschlagen.
    Auch wenn die NATO derzeit nicht eingreifen will, was ist der langfristige Plan ?

    Putin wird immer und immer wieder mit den Nukularwaffen drohen und die Welt in Geiselhaft halten.
    Selbst wenn er den Krieg gegen die Ukraine verlieren sollte.

    Das kanns ja auch nicht sein.

  7. Ich wette es wird wie bei Corona laufen.

    * Phase 1: Alle reden wie schlimm es ist, und was man tun muss. Es werden Pros und Contras von Herangehensweisen diskutiert. Maßnahmen werden langsam gesetzt.
    * Phase 2: Es wird etwas Routine, und es gibt wenig grundsätzlich Neues über die Quelle oder Natur der Bedrohung zu besprechen. Alternative Stimmen eines kleinen Kreises werden lauter.
    * Phase 3: Es dauert an, nervt die meisten, und manche Leute stehen vor dem Aus ihrer wirtschaftlichen Existenz. Demos gegen die Regierungsmaßnahmen, dass man zurück zur Normalität gehen soll. Telegram-Kanäle, Verschwörungstheorien, etc, mehr Demos.

  8. Danke, klare sachliche Analyse, abseits jedes “Wünsch dir was”. Er hat es nicht deutlich ausgesprochen, aber die Ukraine führt hier einen Krieg für die EU. Sollte die Ukraine verlieren, dann wird es weitergehen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen, die auf uns zukommen haben wir uns nicht ausgesucht, aber die Welt ist nun mal so wie sie ist. Wir müssen versuchen die Auswirkungen abzufedern, aber die wirtschaftliche Verbindung mit Russland ist dauerhaft zerstört. Eine Rückkehr zu normaleren Beziehungen mit Moskau kann es nur geben, wenn die aktuelle Führung weg ist – das ist aber Sache der russischen Bevölkerung.

    Europa, die EU, die NATO müssen alles dazu tun, damit die Ukraine diesen Krieg gewinnt. Die russische Kriegsmaschinerie muss ausbluten, muss so weit zerstört werden, dass Russland den Krieg nicht weiter fortsetzen kann. Eine Niederlage der Ukraine wäre eine Katastrophe für Europa, die weit über das hinausgeht, was uns jetzt schon bevorsteht.

    Und nur dass das klar ist, für Österreich wird sich über kurz oder lang die Gretchenfrage stellen. Wie hältst du es mit der Solidarität. Ein Herumlavieren in einem defakto Kriegszustand der EU mit Russland gibt es nicht mehr. Alle neutralen Staaten werden ihre Positionierung klären müssen und die Tendenz in welche Richtung es gehen wird ist klar. Die Neutralität war sowieso seit 1991 ein Relikt, jetzt ist sie eine Hypothek auf die notwendige Solidarität für die Sicherheit Europas gegenüber einem Staat der keine Skrupel hat den ganzen Kontinent mit Nuklearwaffen zu bedrohen und in der Ukraine ganze Städte zusammenzuschießen.

  9. Genau DAS haben viele noch nicht gecheckt. Kapituliert die Ukraine, gibts nicht nur keine Ukraine mehr. Dann ist Putin mächtiger denn je. Morgen geht es Moldawien an den Kragen, dann dem Baltikum, später Polen. Das ist keine Verschwörung, das wird im russischen Staatsfernsehen schon jetzt offen ausgesprochen. In den “entnazifizierten” Ländern folgen Säuberungen, Deportationen und massive Repression, so wie bereits zu sehen in Kherson.

    Putin ist nicht UDSSR, wo es nach Stalin zumindest ein Politbüro und Checks/Balances gab. Putin ist schlimmer. Er darf nicht gewinnen, auch wenn eine Tankfüllung dann 100 EUR kostet.

  10. Es wird genauso sein wie mit der Pandemie. Am Anfang sind alle wahnsinnig solidarisch und irgendwann kristallisiert sich eine kleine, aber Laute Gegenbewegung, die uns allen auf den Sack gehen wird.

  11. Nur mal so als Verdeutlichung was passiert:Putin kommt und vergewaltigt die Ukraine.

    Die Nato/der Westen steht daneben, gibt sich entsetzt, findet jede menge abwertende Wörter, ruft: “Böse! böse!” während es daneben steht und zuschaut. Dann kommt aber der Westen helfend, und gibt noch etwas Gleitmittel dazu, das macht das ganze nicht viel besser, eventuell kurz etwas weniger schmerzhaft, aber im Endeffekt wird das ganze wohl länger dauern.

    Die Frage ist halt wie wirds weitergehen, wird der Westen reagieren wenn die Ukraine vergewaltigt am Boden liegt und Putin fertig ist, oder vielleicht doch früher?

  12. Die Frage ist, ob man sich der Tyrannei Russlands beugen will oder nicht. Auch hier gibt es genug, die sich einen „guten“ Tyrannen wünschen, nichts dagegen hätten, wenn es Lager oder Volksgerichtshöfe gäbe, solange es die „Richtigen“ trifft. Gerade das Krone Forum ist voll von Stimmen, für die Demokratie und Selbstbestimmung nichts wert sind, sie geradezu als die eigentliche Tyrannei der Humanitätsdilitanten und Gutmenschen empfinden. Die Frage wird sein, ob es Populisten geben wird, die diese Stimmen zu ihren Gunsten kanalisieren können, um die Demokratie sturmreif schießen zu können.

  13. Wohin appeasement bei solchen Diktaturen führt, wissen wir leider. Die nächsten Jahre werden ein Drahtseilakt.

  14. Das lässt sich derzeit alles leicht sagen. Verzicht, Solidarität, wir schaffen das,…

    Was wird passieren wenn in zwei oder drei Monaten die Konsequenzen massiv sichtbar werden? Wenn es tatsächlich darum geht das Menschen ihre Jobs verlieren, das Lebensmittel massiv teurer werden, etc. etc.

    Gibt es den Durchhaltewillen in der Bevölkerung tatsächlich oder ist den meisten dann doch die eigene wirtschaftliche Existenz wichtiger als die Freiheit der Ukraine?

  15. Das Problem ist, dass viele Russen einfach komplett desinteressiert sind und dieses Autoritäre Regime einfach Schritt für Schritt zugelassen haben mit wenigen Ausnahmen.

    Die schweigende Mehrheit trägt eine 100%ige Mitschuld an diesen Gräueltaten.

    Für jeden Ukrainischen Zivilisten sollte es ein extra Jahr an Sanktionen geben, für jede abgeworfene Bombe, jede abgefeuerte Rakete ein extra Jahr, jedes zerstörte Haus ein extra Jahr, jedes getötete Kind ein extra Jahrzehnt an Sanktionen.

    Wir sollten sie bezahlen lassen für das was sie tun und wenn wir die Sanktionen Jahrtausende aufrecht erhalten müssen und eine Mauer um Russland bauen soll mir das recht sein.

    Putin ist ein seniler, lügender, psychopathischer Mörder und er soll in die Geschichte eingehen als die Geißel Russlands der sein eigenes Land verraten und betrogen hat und in den Ruin getrieben hat. Er soll brennen im Höllenfeuer bis auf alle Ewigkeit und danach …

    Seit Jahrzehnten rede ich schon dass Putin ein skrupelloser Mörder ist der Journalisten, Oppositionelle und wen auch immer er gerade will aus dem weg schaffen lässt. Getragen wird er von einer korrupten Lobby die ihr eigenes Land aussaugen und deren Blutgeld von uns in die Taschen gesteckt wird wenn sie bei uns einkaufen.

    Trotzdem wurde er hofiert von gewissen Politikern, eingeladen zu Hochzeiten, besucht und angehimmelt von österreichischen Parteiführern. Eine Schande ist es diesen Menschen der nur so das Blut selbst seiner eigenen Landsleute an den Händen kleben hat so zu umwerben. Mir wird schlecht dabei …

    Das gesamte Geld und Vermögen der Oligarchen ist sofort aufzulassen und in den Wideraufbau d. Ukraine bzw. Kompensation der Firmen und Menschen die durch die Sanktionen Einbußen und Ausfälle haben aufzuwenden.

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