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Das Konzept des Kampfjets der Zukunft: die „Tempest“ aus Großbritannien im angedeuteten Sturzflug

Kampfjet der Zukunft – das Team Tempest Future Combat Air System Concept: Mit der „Tempest“ – hier die Studie – will das Konsortium aus Großbritannien, Italien und Japan prinzipiell die Urform eines Drohnen-Mutterschiffes konstruieren – zumal, wenn die Maschine dank Künstlicher Intelligenz auch unbemannt zu fliegen imstande sein wird. Aktuell erinnert sie noch an den bisher am vermutlich weitesten entwickelten Kampfjet, die US-amerikanische F-35. © Annette Meadows / BAE Systems

Mehr Nutzlast, mehr Reichweite, mehr Daten: Europa entfacht den „Sturm“ in der Luft. In 15 Jahren soll die Kampfjet-Zukunft Realität geworden sein.

London – „Wie andere Kampfjets der sechsten Generation soll auch die ‚Tempest‘ ein ‚System von Systemen‘ sein, das mit verschiedenen Ressourcen (einschließlich Drohnen als Flügelmänner) vernetzt ist“, schreibt Aaron Spray – der Autor des Magazins Simpleflying hatte bereits im Dezember vergangenen Jahres über die Kampfansage an Donald Trumps Rüstungsindustrie berichtet. „Tempest“ (zu Deutsch: Der Sturm) soll der F-35 des US-Präsidenten in nächster Zukunft die Rücklichter zeigen. Nach den Verhaltensauffälligkeiten der US-Regierung scheint sich die Europäische Union mit der neuen Maschine auf seine eigenen Stärken zu besinnen.

Allerdings bleibt Europa scheinbar noch in der Kleinstaaterei gefangen: Während Deutschland und Frankreich neben dem Kampfpanzer der Zukunft MGCS (Main Ground Combat System) auch auf einem gemeinsamen Kampfjet der Zukunft herum grübeln – FCAS (Future Air Combat System) – scheint ein zweites Konsortium innerhalb dieses EU-Zukunftsprojekts schon fast einen fertigen Flieger in der Luft zu haben, wie das Magazin The War Zone (TWZ) aktuell schreibt. GCAP (Global Combat Air Program) heiße das Programm, innerhalb dessen das Vereinigte Königreich, Italien und Japan den britischen Kampfjet „Tempest“ der nächsten Generation, also der sechsten, entwickelt.

Gemeinsamer EU-Kampfjet: Beobachter und Analysten bleiben vorsichtig

Diese Maschine soll nicht nur eine Generation moderner sein, als die F-35, sondern auch ihre gerühmten Fähigkeiten in den Schatten stellen. Klar scheint auch zu sein, dass zwar die F-35 als fliegender Supercomputer gilt, dass aber die „Tempest“ auch diese Eigenschaft noch übertreffen und mit einem hergebrachten Kampfjet vielleicht gar nicht mehr viel gemein haben soll, wie Simpleflying bereits Mitte 2024 orakelt hat. „Wir arbeiten an unserem Konzept von Cockpits ohne ein einziges physisches Zifferblatt oder einen Bildschirm. Stattdessen werden die Piloten einen Augmented- und Virtual-Reality-Helm der nächsten Generation tragen, der interaktive Cockpit-Anzeigen und Bedienelemente direkt vor ihre Augen projiziert“, schreibt die Royal Air Force auf ihrer Website.

„Die F-35 ist in Formation mehr als die Summe ihrer Teile. Aber in gewisser Weise ist diese F-35-Formation in ihrer Art und Weise etwas egoistisch. Mit … der sechsten Generation streben wir etwas an, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Unsere Fähigkeit zur Vernetzung wird entscheidend für unseren Erfolg sein.“

Laut TWZ soll die „Tempest“ 2027 zumindest als Demonstrationsobjekt fliegen. Beobachter und Analysten bleiben vorsichtig. „Weder die deutsch-französischen noch die britischen Bemühungen um moderne Flugzeuge sind bisher über die Konzeptphase hinausgekommen. Dies steht im Gegensatz zu den chinesischen J-20 und FC-31, die auf dem besten Weg zur Einsatzreife sind. Arbeitsteilungsfaktoren und politische Chancengleichheit sind bei der Betrachtung eines europäischen Verteidigungsprojekts problematisch. Japan wäre bei einer Vereinbarung wahrscheinlich nur ein Minderheitsbeteiligter“, haben die Air & Spacesforces-Autoren David A. Deptula, Douglas A. Birkey und Heather Penney dazu geurteilt.

Kampfflugzeuge von heute und morgen

5. Generation (aktuelle Version): Flugzeuge der fünften Generation bilden den einsatzreifen Stand der Technik ab, mit Stealth-Technologie und umfassender Netzwerkintegration sowie Datenfusion. „Diese Flugzeuge bieten eine extrem hohe Manövrierfähigkeit und ein hohes Maß an Situationsbewusstsein, was sie zu idealen Waffenplattformen in hochbedrohlichen Umgebungen macht.“ Beispiele: F-22 Raptor und F-35 Lightning II der USA sowie Chinas Chengdu J-20.

6. Generation (Zukunft): Hyperschall mit Künstlicher Intelligenz: Maschinen dieser Art werden erst noch entwickelt; sie sollen aber voraussichtlich unbemannte mit bemannten Attributen kombinieren. „Zu den erwarteten Technologien gehören fortschrittliche Stealth-Eigenschaften, Hyperschallgeschwindigkeit, Energiewaffen und die Integration von Künstlicher Intelligenz zur Entscheidungsunterstützung“, damit sie hoch vernetzten Systemen ebenbürtig begegnen können.

Quelle: Bundeswehr

Noch im November hat das Magazin Defense Network berichtet, dass das Vorhaben beispielsweise der Deutschen, Franzosen und mittlerweile auch der Spanier das Zeug zum fulminanten Flop hat: „Der Zielhorizont von FCAS als ein langfristiges Konzept liege um das Jahr 2040“, schrieb Defense Network-Autor David Linnemann über eine Äußerung von Jörg Rauber während des Air Force Tech Summits im November 2024. Der Oberst im Generalstab der Bundeswehr äußerte in Berlin unverblümt seinen Frust, wie ihn Defense Network zitiert: „Was wir nicht gemacht haben, und das ist tatsächlich die größte Enttäuschung für mich: Wir haben uns nicht geeinigt auf ein gemeinsames Konzept, auf eine gemeinsame Architektur.“ Dabei lag bereits 2016/17 ein entsprechender Entwurf im Kommando Luftwaffe vor, wie er sagte.

„Tempest“ als Drohung an Putin: 2035 soll die Maschine den Eurofiighter Typhoon ersetzen

Das „Team Tempest“ ist da weiter. 2035 soll die Maschine den Eurofiighter Typhoon ersetzen, wobei The War Zone aus Quellen der federführenden Royal Air Force (RAF) auch berichtet, dass die 2040er-Jahre realistischer sein werden. Allerdings scheint das Konzept zu stehen – und wird auch schon medial beworben. BAE Systems als einer der zum Konsortium gehörenden Unternehmen hat unter „Team Tempest“ sogar einen Podcast aufgelegt, in dem beispielsweise „Group Captain Bill“ (im Deutschen Rang eines Oberst) über die Entwicklung berichtet. In markigen Worten.

Die Maschine soll Maßstäbe setzen. In Reichweite, Nutzlast und Datenfusion; wie TWZ-Autor Thomas Newdick berichtet, gingen die Konstrukteure davon aus, dass die Maschine ohne aufzutanken über den Atlantik hinwegkommen soll. Darüber hinaus solle sie das Doppelte einer F-35 an interner Nutzlast, also an Waffenlast, tragen können. Die F-35 lädt etwas weniger als zweieinhalb Tonnen, die „Tempest“ soll etwas mehr als viereinhalb Tonnen Waffen bewegen können. Auch die geplanten Netzwerkqualitäten werden als bisher einzigartig angepriesen.

„Es ist die Plattform, die das Spielfeld betritt und den Plan kennt“, zitiert TWZ den Oberst, der die Maschine mit dem Quarterback im American Football vergleicht – also dem Spieler, der die Bälle verteilt: „Der Quarterback muss die Fähigkeit, die strategische Vision und die Reaktionsfähigkeit besitzen, um mit dem Spielverlauf zu Beginn umzugehen und dann zu entscheiden, wie er die Aufgaben an die verbleibenden Spieler auf dem Feld weitergibt, das Geschehen beobachtet und dann entscheidet, wie er das Ziel erreicht“, sagt die RAF-Quelle.

Gefährlicher als Trumps F-35: Hochleistungsrechner mit Massenvernichtungswaffen innerhalb des Rumpfes

Dabei sei die Maschine robust genug, um harte Schläge einzustecken und stark genug für die entscheidenden Punkte. „Aber das Ziel ist, viele andere Teile dieses Systems zu orchestrieren“, so Group Captain Bill. Dabei denkt die RAF offenbar schon einen weiteren Schritt voraus, wie sie auf ihrer Website schreibt. Prinzipiell arbeitet sie am Entwurf des ersten von Menschenhand gebauten Drohnen-Mutterschiffes: „Tempest“ soll verschiedene Betriebsmodi anbieten können und kombiniert bemannte, unbemannte und optional bemannte Plattformen mit integrierter und externer Datenverarbeitung. Außerdem soll sie eine Reihe von Entscheidungshilfen für Piloten bei bemannten Flügen bieten, wie die RAF ihr System selbst beschreibt und als skalierbare Autonomie bezeichnet.

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Die „Tempest“ werde ein Hochleistungsrechner mit Massenvernichtungswaffen innerhalb des Rumpfes – das Prinzip verzichtet auf außen angebrachte Waffen, was auch schon an der F-35 zu sehen ist. Grundsätzlich räumt das Konsortium ein, das Kampfflugzeug nicht neu erfunden, sondern die bestehenden Systeme schlicht optimiert und nach jetzigem Stand des Wissens und der Technik bestmöglich aufeinander abgestimmt zu haben. Möglicherweise galt die F-35 dafür als Blaupause. Auch die US-Regierung unter Donald Trump will mit der Boeing F-47 eine ähnliche Maschine wie die „Tempest“ aufgestellt haben.

Die „Tempest“ soll eingebunden sein in das Future Combat Air System; unklar ist, ob die gemeinsame Konstruktion aus Deutschland, Frankreich und Spanien damit obsolet würde, ob die Maschine als eigenständiges Modell in das „Tempest“-Universum eingebunden würde oder einen parallelen Entwurf bilde. Laut Group Captain Bill sei Konnektivität das Zeichen der Zeit, wie er gegenüber TWZ angedeutet hat: „Die F-35 ist in Formation mehr als die Summe ihrer Teile. Aber in gewisser Weise ist diese F-35-Formation in ihrer Art und Weise etwas egoistisch. Mit (…) der sechsten Generation streben wir etwas an, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Unsere Fähigkeit zur Vernetzung wird entscheidend für unseren Erfolg sein.“