Wegen einer frauenfeindlichen Äußerung ist der beim Nato-Ukraine-Kommando in der Wiesbadener Clay-Kaserne stationierte Bundeswehrgeneral Hartmut Renk seines Postens enthoben worden. Der stellvertretende Befehlshaber des Kommandos NATO Security Assistance and Training for Ukraine (NSATU) soll in einer Teamsitzung gesagt haben, wenn eine Vergewaltigung unvermeidlich sei, solle man sich lieber entspannen und genießen („If rape is inevitable, relax and enjoy“). Eine anwesende britische Offizierin hat den Generalmajor daraufhin gemeldet, und es wurde vom Bundesverteidigungsministerium ein formales Disziplinarverfahren eingeleitet. Unbestätigten Informationen zufolge ist der Zwei-Sterne-General schon zum 1. Mai formal auf einen anderen Posten versetzt worden. Er arbeite derzeit aber noch seinen Nachfolger bei NSATU ein, heißt es.

Weder die Bundeswehr noch die NATO haben den zuerst vom Magazin „Spiegel“ gemeldeten Fall bisher offiziell bestätigt. In der Clay-Kaserne in Wiesbaden, in der auch das Hauptquartier der US-Army für Europa und Afrika seinen Sitz hat, wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine „rein deutsche“ und interne Angelegenheit der Bundeswehr handele. Dem Vernehmen nach hat Renk die umstrittene Formulierung in einer Befragung inzwischen bestätigt, jedoch betont, sie sei nicht wörtlich, sondern ironisch gemeint gewesen.

Beförderung zum Generalleutnant ausgesetzt

Den Informationen zufolge sind sowohl General­inspekteur Carsten Breuer als auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit dem Vorfall, der sich im Februar ereignet haben soll, befasst gewesen. Die für den Herbst vorgesehene Beförderung Renks zum Generalleutnant und seine Versetzung zum Joint Force Command Norfolk, einem NATO-Kommando im amerikanischen Bundesstaat Virginia, wo er die herausgehobene Position des Stabschefs des Allied Command Transformation bekommen sollte, wurden ausgesetzt. Stattdessen soll Renk nun offenbar im Herbst in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden.

Der 1962 geborene Renk, der 1982 in die Bundeswehr eintrat und unter anderem im NATO-Hauptquartier Shape im belgischen Mons, im Kosovo und in Afghanistan eingesetzt war, gilt als sehr erfahrener und innerhalb der NATO gut vernetzter Offizier. Er hatte mit dem Posten des stellvertretenden NSATU-Kommandeurs eine der derzeit wichtigsten und prestigeträchtigsten Positionen in der Allianz inne. Bis zur Ernennung des amerikanischen Drei-Sterne-Generals Curtis Buzzard zum Kommandeur hatte Renk das NSATU-Hauptquartier in Wiesbaden federführend aufgebaut und befehligt.

Als zentrale Planungs- und Koordinierungsstelle der NATO für ihre militärische Unterstützung der Ukraine kümmert sich NSATU um alle Waffenlieferungen und Ausbildungsaktivitäten des Bündnisses für die ukrainischen Streitkräfte. Zudem soll das Kommando deren Transformation unterstützen, um eine weitere Verflechtung der Ukraine mit der Allianz zu ermöglichen. Insgesamt soll das Kommando rund 700 Mitarbeiter aus allen Mitgliedstaaten – außer Ungarn – bekommen, mit Australien und Neuseeland beteiligen sich auch zwei Nicht-NATO-Mitglieder an NSATU; zudem ist die Ukraine gleichberechtigt beteiligt. Während rund die Hälfte der NSATU-Mitarbeiter in Wiesbaden stationiert werden soll, wird sich der Rest des Personals auf eine NSATU-Abteilung im NATO-Hauptquartier in Belgien und auf drei logistische Knoten in Polen, der Slowakei und Rumänien verteilen. Noch ist der Personalaufbau für das Kommando nicht abgeschlossen – und der Nachfolger Renks auf dem Posten des stellvertretenden Befehlshabers nicht bekannt.